Netzpolitik
12.07.2017

Tech-Firmen protestieren für ein offenes Internet

Technologiekonzerne wie Facebook, Netflix, Amazon sowie Pornhub machen gemeinsam mit Aktivisten und Bürgerrechtsgruppen gegen „Trumps Krieg gegen das offene Netz“ mobil.

Amazon, Facebook, Netflix, Twitter, Reddit und andere großen Technologieunternehmen unterstützen am heutigen 12. Juli genauso wie Bürgerrechtler und Aktivisten den „Day of action“, der zum größten Online-Protest in der Geschichte des Internets anwachsen könnte. Sie richten sich mit dem Aktionstag gegen die von der US-Telekomaufsicht unter der Trump-Administration eingeleiteten Demontage der Netzneutralität in den USA.

Die Behörde, die von dem von Trump berufenen früheren Telekom-Lobbyisten Ajit Pai geleitet wird, will Netzanbietern weit weniger Vorgaben machen und die von der Obama Administration eingeführten strengen Regeln zu Netzneutralität aufweichen. Derzeit prüft die zuständige Behörde FCC unter der Regierung von Donald Trump nämlich Vorschläge, um das offene Internet abzuschaffen. Auch Trump selbst hält von der Netzneutralität wenig. In einem Tweet bezeichnete er die von seinem Vorgänger eingeführten strikten Regeln als „Attacke auf das Internet.“

Auch Pornhub macht mit

Am heutigen 12. Juli wird man in den USA wie berichtet auch auf der Website von Pornhub, die täglich 75 Millionen Besucher anzieht, einen Banner finden, der sich für den Beibehalt der Netzneutralität in den USA einsetzt. „Ohne Netzneutralität hätten wir Pornhub vor zehn Jahren nicht gründen können“, sagt Cory Price, Vizepräsident der Porno-Website. „Ohne Netzneutralität würde das Internet in die Kontrolle der Kabelfirmen sein und die hätten dadurch eine unfaire Macht, die Gewinner und Verlierer am Markt zu bestimmen.“

Price spricht dabei von Unternehmen wie Verizon, Comcast oder AT&T, die dann bestimmen würden, welche Dienste auf ihren Geräten „schneller“ und welche „langsamer“ übertragen würden. „Die Porno-Industrie hat noch nie ‚langsamer, langsamer, langsamer‘ gerufen. Wir sind eher das ‚schneller, schneller, schneller‘ gewöhnt“, sagt Price gegenüber "Motherboard". Pornhub schließt sich mit der Aktion der Protest-Initiative von „Fight for the Future“ an.

Wichtig für die US-Wirtschaft

Auch Twitter hat bereits kurz nach Mitternacht einen Blogeintrag gepostet, in dem zum Kampf für den Erhalt von Netzneutralität aufgerufen wird. "Ohne Netzneutralität, wäre es für Twitter nicht möglich gewesen, ein 140-Zeichen-SMS-Service zu werden, wie wir es heute sind: Ein internationales Unternehmen mit tausenden von Mitarbeitern mit einem Service mit Bildern, Videos und Streaming. Netzneutralität ist essentiell für mehr als 3,2 Milliarden Menschen rund um die ganze Welt und betrifft alle Aspekte der globalen Wirtschaft", schreibt Lauren Culbertson, Public Policy Managerin bei Twitter.

Reddit wird sein Logo adaptieren und eine Message einblenden, auch Spotify macht das. Die Internet Association, eine Lobby-Gruppe von Facebook, Google und anderen Tech-Giganten, hat eine eigene Website für den Protest eingerichtet. "Save the open internet" heißt es dort und es sind einige Punkte aufgelistet, warum der Erhalt von Netzneutralität wichtig ist. Nutzer sollen sich auf diesem Weg auch direkt an die FCC-Behörde wenden können. Diese sammelt noch wenige Tage lang Stimmen ein.

Weitreichender Protest

Pornhub, Reddit und Amazon befinden sich unter den Top 5 meist besuchten Seiten in den USA. Der Tag soll ähnlich wie beim „Blackout“ von SOPA für viel Aufmerksamkeit sorgen. An der Aktion gegen das Zensur-Gesetz beteiligten sich damals ebenfalls viele große Internet-Firmen.

Die Aktion ist zudem nicht der erste Protest gegen die Pläne Trumps, die Netzneutralität in den USA abzuschaffen. Rund 800 Start-ups haben an den neuen FCC-Chef einen Brief verschickt, in dem sie vor den Folgen, die eine Abschaffung der Netzneutralität für die US-Wirtschaft und Start-up-Kultur mit sich bringen würde, warnen.