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Netzpolitik
08/21/2019

FPÖ entzieht Strache die Kontrolle über Facebook-Seite

Die FPÖ hat offenbar die Kontrolle über Straches Facebook-Seite übernommen. Er muss Texte vor Veröffentlichung an die Parteizentrale schicken.

Fast 800.000 Likes zählt die Facebook-Seite von Heinz-Christian Strache immer noch. Die Kontrolle über die Seite hat der nach der Veröffentlichung des Ibiza-Videos im Mai zurückgetretene frühere FPÖ-Obmann aber offenbar verloren. Die Partei habe ihm die Rolle als Chef-Administrator entzogen, berichtet die Tageszeitung „Heute“. Strache müsse nun seine Texte in die Parteizentrale schicken, wo sie verbessert publiziert oder überhaupt ignoriert würden, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Partei-Insider weiter.

Reißleine gezogen

Die FPÖ habe bereits vor fünf Tagen die Reißleine gezogen. Als Beleg dafür wird unter anderem ein Posting im Vorfeld des ORF-Sommergesprächs mit FPÖ-Obmann Norbert Hofer angeführt. Auf Straches Facebook-Seite heißt es dazu neben einem Smiley „Unbedingt einschalten“. In dem Sommergespräch war dann unter anderem zu hören, dass es mit einem Comeback Straches wohl sobald nichts werden würde.

Laut „Heute“ kämpft Strache mit allen Mitteln gegen den FPÖ-Maulkorb an. Laut einem von „Heute“ zitierten Parteikollegen, tue der Kontrollentzug Straches „ohnedies angeknackstem Ego sehr weh“.

Strache reagiert

Heinz-Christian Strache betrachtet seine offizielle Facebook-Seite nach wie vor als seine eigene: "Medienberichte, wonach mir meine HC Strache Facebook-Seite weggenommen worden sei oder ich die Kontrolle über selbige verloren habe sind falsch", postete er auf seinem persönlichen Facebook-Auftritt. Bis zur Wahl werden aber alle Inhalte mit der Partei "akkordiert", erklärte er.

Die Berichte, wonach ihm die offizielle Seite (mit rund 800.000 Fans) weggenommen wurde, sei "der abermalige Versuch, die Öffentlichkeit über eine vermeintliche Streitigkeit zwischen der FPÖ und mir zu täuschen", schrieb Strache in einem Posting auf seiner "privaten" Facebook-Seite am Mittwochnachmittag. "Für jedermann erkennbar, trägt die Facebook-Seite meinen Namen, mein Foto und meine Inhalte. Schon aus Gründen des allgemeinen Persönlichkeitsrechts und Urheberrechts ist das meine Seite."

Partei als Administrator

Gleichzeitig räumt er ein, dass die Partei nun die Oberhoheit über die Inhalte innehat: "Da insbesondere im Wahlkampf eine abgestimmte und koordinierte Kommunikation wichtig ist, habe ich mich in gegenseitigem Einvernehmen mit der Partei darüber verständigt, dass bis zu den Neuwahlen alle Inhalte, die über die Facebook-Seite verbreitet werden, akkordiert werden und die Partei als Administrator die Verbreitung steuert, während ich im Status eines Redakteurs agiere.

Auch hier geht es darum, abgestimmt und im Interesse der gemeinsamen Freiheitlichen Ziele für unsere Heimat Österreich zusammenzuarbeiten. Denn die Freiheitliche Familie liegt mir am Herzen!", so der über seine 2017 auf Ibiza getätigten Aussagen gestolperte Ex-Vizekanzler.

FPÖ im Impressum

Im Impressum der Seite ist jedenfalls die FPÖ als Seiteninhaber angegeben. Verwaltet wird sie laut den Transparenzangaben von 7 Personen mit Wohnsitz in Österreich. Vor einigen Wochen waren an der Stelle noch 9 Administratoren angegeben. Ein Gerangel zwischen Strache und der FPÖ um die Kontrolle über die Seite, die als eines der wichtigsten Kommunikationstools der Freiheitlichen gilt, gibt es seit längerem.