Netzpolitik 16.02.2018

So meldet man sich für die Handy-Signatur an

© Bild: zhudifeng

Mit der Handy-Signatur können über 200 Behördenwege online erledigt werden. So funktioniert die Freischaltung.

Behördengänge online zu erledigen, ist in Österreich schon lange möglich. Wozu man früher eine freigeschaltete, physische Bürgerkarte plus Kartenlesegerät benötigte, ist seit wenigen Jahren auch bequem mit dem Handy möglich. Knapp 900.000 aktive Nutzer gibt es. Die neue Möglichkeit, auch Volksbegehren einfach online per Handysignatur zu unterzeichnen, hat in den vergangenen Tagen durch das Frauen-Volksbegehren und Nichtraucher-Volksbegehren zu einem Anmelderekord geführt.

Allein am Donnerstag meldeten sich laut Auskunft der Bundesregierung knapp 3000 User neu an. Die aktuellen Server-Probleme betreffen nicht die Handysignatur, sondern die IT-Systeme der Behörden, wie Michael Butz, Geschäftsführer der Zertifizierungsstelle A-Trust der futurezone versichert. Wer prüfen möchte, ob Probleme wie beim Volksbegehren mit der Signatur selbst zu tun haben oder am Server der jeweiligen Behörde liegen, kann dies mittels Echtzeit-Statistik prüfen. Hier sieht man, wie viele Signaturen aktuell erfolgreich durchgeführt wurden.

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So funktioniert die Anmeldung

Erste Anlaufstelle für die Anmeldung der Handy-Signatur, die quasi als digitaler Ausweis im Internet dient, ist die Webseite www.handy-signatur.at. Auf dieser sind sämtliche Anmeldemöglichkeiten verzeichnet, wenngleich man sich im Dschungel der Optionen erst zurechtfinden muss. Bei der Aktivierung für Neueinsteiger gibt es grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

Entweder man geht mit seinem Handy und Ausweis (Pass, Personalausweis, Führerschein) zu einer von 25.000 Registrierungsstellen und lässt sich die Signatur sofort freischalten. Ist eine Registrierungsstelle in der Nähe, ist das der schnellste Weg - auf dieser Seite kann man nach entsprechenden Orten suchen. Vor Ort bekommt man den Aktivierungscode, den man zur Fertigstellung der Registrierung plus der Passwort-Wahl für die Handysignatur online benötigt.

Online dauert länger

Die vermeintlich bequemere Online-Registrierung ist im Fall der Handy-Signatur der langsamere und auch an bestimmte Vorgaben gebunden. Die beliebteste Variante ist, bei FinanzOnline mit bereits vorhandenen Zugangsdaten einzusteigen. Über den Menüpunkt "Bürgerkarte jetzt aktivieren" kann man sich für die Handysignatur anmelden. Den Bestätigungsbrief mit Aktivierungscode und Freischalte-Pin bekommt man dann auf dem Postweg zugeschickt, was einige Tage dauern kann. Praktischer Nebeneffekt, wenn man freigeschaltet ist: Man kann später auch auf FinanzOnline direkt mit der Handy-Signatur einsteigen und erspart sich die bisherigen Zugangsdaten.

Weitere Registrierungsmöglichkeiten sind - falls vorhanden - ein Online-Benutzerkonto der Österreichischen Post und über den Zustell- und Kommunikationsdienst BriefButler. Bei diesem erfolgt die Identifizierung über eine Banküberweisung. Auch in diesem Fall muss man allerdings ein paar Tage auf den Brief mit dem Aktivierungscode warten.

Handy-Signatur

So funktioniert die Aktivierung

Hat man den Freischalte-PIN vor Ort bei der Registrierungsstelle oder per Post bekommen, muss man die Handy-Signatur online aktivieren. Als Aktivierungscode muss man die Telefonnummer des Mobiltelefons eingeben und zwar inklusive Ländervorwahl (z.Bsp. +43 für Österreich). Nach Eingabe des Freischalte-PIN-Codes ist man fast am Ziel. Dann muss nur noch ein Passwort gewählt werden, mit dem man sich künftig per Handysignatur einloggt.

Das Einloggen selber ist relativ selbsterklärend. Der Benutzername ist immer die Handynummer (inklusive Ländervorwahl), das Passwort das selbst gewählte. Das Log-in funktioniert wie beim Onlinebanking. Man bekommt nach Eingabe seiner Daten eine TAN-SMS zugeschickt, die online eingegeben werden muss. Seit kurzem ist auch eine App für iOS und Android sowie andere Plattformen verfügbar, welche das Log-in noch sicherer gestalten soll.

Statt per SMS wird im Fall der App mittels Scannen eines angezeigten QR-Codes bestätigt. Aktuell funktionieren aber beide Systeme nebeneinander. Wer die App ausprobieren will, kann auch weiterhin ein TAN-SMS anfordern und bei diesem System bleiben - je nachdem, was Usern mehr zusagt.

Volksbegehren Handysignatur
Volksbegehren Handysignatur © Bild: Dontsmoke.at

Volksbegehren online unterschreiben

Sowohl das Frauen-Volksbegehren als auch das Nichtraucher-Volksbegehren führen auf ihren Seiten direkt auf die Unterzeichnungsmöglichkeit per Handy auf der Ministeriumsseite. Beim Portal des Bundesministerium für Inneres klickt man auf das Handy-Icon "Mobile BKU", wo man schließlich die "Anmeldung mit Bürgerkarte" anklickt. Über die darauffolgende Log-in-Maske der Handysignatur kann man die gerade stattfindenden Volksbegehren einsehen, diejenigen auswählen, die man unterstützen möchte und bestätigen. Der hier beschriebene Prozess dauert in der Praxis wenige Sekunden. Dafür erspart man sich den Gang zum Gemeinde- und Bezirksamt. Die Unterstützungserklärung kann schließlich ausgedruckt werden.

Tücken der Handysignatur

Frustrationspotenzial für User, welche die Signatur nur sporadisch verwenden, bietet das Vergessen des eigenen Passworts und die Gültigkeitsdauer des hinterlegten Zertifikats. Anders als bei vielen anderen Diensten kann ein vergessenes Passwort nicht einfach per E-Mail wieder zugeschickt werden. Das hinterlegte Zertifikat wird nach drei fehlerhaften Eingaben gelöscht - wer die Handysignatur wieder nutzen will, muss den gesamten Anmeldeprozess (wie am Anfang des Artikels beschrieben) wieder durchlaufen.

Als weiterer Stolperstein gilt das EU-weit vorgeschriebene Ablaufen des Zertifikats nach derzeit fünf Jahren. Das ist aus Sicherheitsgründen notwendig, da die verwendeten Schlüssel erneuert werden müssen. Da der Zertifikatsaussteller A-Trust, der die Handysignatur betreibt, User nicht proaktiv kontaktieren kann, wird die Warnung vor Ablauf des Zertifikats nur angezeigt, wenn man sich bei einem der beschriebenen Dienste einloggen will. Wer die Handysignatur also ein Jahr nie verwendet hat und das mehrmonatige Hinweis-Fenster zum Ablauf des Zertifikats verpasst, muss sich im schlimmsten Fall also ebenfalls komplett neu anmelden (wie am Anfang des Artikels beschrieben).

User, welche die Signatur immer wieder verwenden und die Warnung rechtzeitig mitbekommen, sollten das Problem leicht umgehen können. Denn vor Ablauf des Zertifikats kann man dieses mittels der bestehenden Handysignatur für weitere fünf Jahre erneuern. Vorsicht gilt auch beim Wechseln der Handynummer, da die Telefonnummer mit der Signatur verknüpft ist. Wer rechtzeitig daran denkt, kann mit der bestehenden Signatur aber auch eine weitere Telefonnummer freischalten bzw. die für die Handysignatur hinterlegte ändern lassen.

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Weitere Einsatzmöglichkeiten

Ist man einmal für die Handysignatur registriert, kann man diese für über 200 Behördenapplikationen, aber auch zahlreiche weitere Services verwenden, wie die Übersicht aller Dienste zeigt. Neben der Unterzeichnung von Volksbegehren und dem Einstieg in FinanzOnline kann man mittels Handysignatur auch eine Wahlkarte beantragen, den Wohnsitz abmelden oder eine Strafregisterbescheinigung anfordern. Auch Namensänderungen, Heirats- und Geburtsurkunden anfordern, sowie das Einreichen einer Wahlarztrechnung und Services rund um ELGA, Sozial- und Pensionsversicherung sowie Familienbeihilfe können über Handysignatur abgewickelt werden.

Darüber hinaus kann die Handysignatur auch verwendet, um wichtige Dokumente im persönlichen Handy-Signatur-Konto verschlüsselt zu speichern. 2 Gigabyte ist der Speicher groß, der laut A-Trust-CEO Butz weniger als Speicher für Musik und Videos, sondern für wichtige Dokumente und Rechnungen gedacht ist. Wer Dateien rechtlich abgesichert digital zeichnen will, kann dies ebenfalls über die Handysignatur-Seite tun. Darüber hinaus ist die Handysignatur bei zahlreichen Portalen und Services eingebunden, um sich dort zu authentifizieren. Das Bestreben europäischer Zertifizierungsstellen wie A-Trust sich künftig auch als Alternative zu Google- und Facebook-Log-in zu positionieren.

( futurezone ) Erstellt am 16.02.2018