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Netzpolitik
09/23/2019

Neue Frequenzauktion verspricht 5G für alle

Mit der Versteigerung der Frequenzbänder 700, 1500 und 2100 MHz soll der neue Mobilfunkstandard möglichst viele Menschen erreichen.

von David Kotrba

Die Telekom-Regulierungsbehörde RTR hat am Montag ihre Pläne für die nächste 5G-Frequenzauktion präsentiert. Das erste Wettbieten um Frequenzen für den neuen Mobilfunkstandard wurde im März abgeschlossen. Für Anteile am so genannten "Pionierband" zwischen 3400 und 3800 MHz flossen insgesamt 188 Millionen Euro in die Kasse der RTR.  Als nächstes werden nun die Frequenzbänder 700, 1500 und 2100 MHz für 5G freigegeben. Während es beim Pionierband um hohe Bandbreiten ging, geht es nun um eine möglichst großflächige Versorgung. Derzeit werden noch die letzten Details rund um die Auktion geklärt, die dann im Frühjahr 2020 stattfinden soll.

Siedlungen und Verkehrswege

Die angebotenen Frequenzen eignen sich aufgrund ihrer längeren Wellenlängen für höhere Reichweiten. Dementsprechend sind die Versorgungsauflagen für die Bieter bei der kommenden Auktion strenger als zuletzt. Bis 2025 sollen etwa die wichtigsten Bahnstrecken, Autobahnen und Schnellstraßen fast vollständig mit 5G versorgt sein. 95 Prozent der Bevölkerung soll durch die neuen Frequenzen konstante Downloadgeschwindigkeiten von mindestens 30 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) erhalten. Angesichts prophezeiter 5G-Bandbreiten von mehreren Gigabit mag das als geringer Wert erscheinen. Diese anvisierten Geschwindigkeiten seien jedoch nur durch Bündelung von Frequenzen und möglich. Für einzelne Frequenzen seien 30 Mbit/s ein guter Wert, meint die RTR.

Bonus für kleine Gemeinden

Besonders wichtig ist der RTR aber, dass 5G nicht nur in größeren Städten ab 10.000 Einwohnern verfügbar ist - auch das ist eine Auflage - sondern, dass auch bisher mit Breitbandinternet unterversorgte Gemeinden eingebunden werden. Die Behörde hat sich deshalb für die Auktion etwas einfallen lassen, dass laut Klaus Steinmaurer, dem Chef der RTR-Telekomsparte ein europaweites Novum darstellt. Pro ersteigertem Frequenzblock im 700 MHz-Band verpflichtet sich jeder erfolgreiche Wettbieter, 150 Katastralgemeinden aus einer Liste unterversorgter Gebiete mindestens 30 Mbit/s Download- und 3 Mbit/s Upload-Geschwindigkeit zur Verfügung zu stellen. Wer sich freiwillig dazu verpflichtet, weitere Gemeinden aus der Liste (mit insgesamt 2000 Gemeinden) zu beliefern, der erhält einen Rabatt auf sein Auktionsgebot.

Mindestens 295 Mio. Euro

"Angenommen ein Mobilfunker ersteigert Frequenzen im Wert von 300 Millionen Euro und verpflichtet sich 100 Gemeinden mehr als gefordert zu versorgen, so muss er am Ende nur noch 290 Millionen Euro zahlen", schildert Steinmaurer unter dem Hinweis, dass die Zahlen beliebig gewählt seien. Überhaupt betont der RTR-Vertreter "doppelt unterstrichen", dass die Auktion nicht darauf abziele, einen möglichst hohen Gewinn für den Staat herauszuholen. Mit einer Mindestgebotssumme von 295 Millionen Euro dürfte der Erlös dennoch deutlich höher ausfallen als bei der Vergabe des Pionierbands.

Kein Schutz für MVNO

Während sich Mobilfunker und andere Wettbieter (etwa Anbieter von 5G-Breitbandanschlüssen für Haushalte oder Unternehmen) darauf eher nicht freuen werden, droht weiteres Ungemach. Die RTR plant nämlich, die bisher übliche MVNO-Auflage fallen zu lassen. Diese verpflichtet erfolgreiche Auktionäre dazu, ihre Frequenzen für virtuelle Mobilfunkanbieter - etwa HoT - freizugeben. Nach einer eingehenden Bewertung des Marktes sei die RTR zum Schluss gekommen, dass die MVNO-Auflage nicht mehr notwendig ist. Betroffenen Unternehmen wird derzeit noch die Möglichkeit einer Stellungnahme gegeben. "Sollte dabei keine neue Erkenntnis herauskommen, bleibt es beim (Wegfall-)Plan", meint Steinmaurer.

Investitionen erleichtern

Durch weitreichende Möglichkeiten, Netzinfrastruktur mit Mitbewerbern gemeinsam zu nutzen, will die RTR aber "investitionsfreundliche Rahmenbedingungen für den Netzausbau" schaffen. So sollen etwa Sendemasten und technische Infrastruktur geteilt werden können. Bei der Versorgung von Verkehrswegen wird außerdem die Mithilfe von Infrastrukturbetreibern (z.B. ÖBB, ASFINAG) verlangt. Beim Infrastruktur-"Sharing" sei Österreich beispielhaft in Europa, betont Steinmaurer: "Andere Regulierungsbehörden schauen sich das von uns ab."

Zeitplan

Bis 21. Oktober läuft die finale Konsultationsphase mit den Wettbietern. Im Dezember 2019 will die RTR mit der Ausschreibung für das Auktionsverfahren beginnen. Spätenstens im April 2020 soll feststehen, wer bei der Auktion mitbietet. Kurz danach kann die Auktion beginnen. Bis Sommer 2020 soll die Frequenzvergabe abgeschlossen sein.

Gesundheitsbedenken

Politik und Verwaltung in Österreich hoffen auf eine möglichst rasche Einführung von 5G, ebenso wie viele Unternehmen. Sie beschwören die Vorteile von 5G, etwa hohe Bandbreite, geringe Sendeverzögerungen (Latenzzeiten) oder die Möglichkeit, ganze Teile des Mobilfunknetzes zu reservieren (Campus-Netzwerke). Innovationen wie per Mobilfunk ferngesteuerte Roboter und Drohnen oder selbstfahrende Autos könnten dadurch in greifbare Nähe rücken. Österreichs Mobilfunker haben bereits erste kleine insuläre 5G-Netze für Testnutzer in Betrieb genommen - zuletzt etwa Drei in Teilen Wiens. Immer mehr Smartphones und Router auf dem Markt unterstützen den neuen Standard.

Skeptiker fürchten die Vervielfachung von Mobilfunksendern und eine höhere Strahlenbelastung für die Umwelt. In der Schweiz demonstrierten erst am Wochenende tausende Menschen gegen die Einführung von 5G. Forscher beschwichtigen unterdessen. Sie betonen, dass sich die Sendetechnologie von 5G nicht grundsätzlich von bisherigen Mobilfunkstandards unterscheidet.