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Digital Life
09/22/2019

Tausende 5G-Gegner protestierten in der Schweiz

In Bern gingen mehrere tausend Menschen gegen die Einführung des neuen Mobilfunkstandards auf die Straße. Eine Liste „5G ade“ tritt bei den Nationalratswahlen an.

Die Demonstranten protestierten gegen „Zwangsbestrahlung“ und forderten eine gesundheitsverträgliche Alternative. In Reden vor dem Bundeshaus, dem Sitz von Parlament und Regierung, wurde vor Risiken für Gesundheit, Umwelt, Demokratie und Sicherheit gewarnt.

Den Behörden und der Telekommunikationsbranche wurde vorgeworfen, wirtschaftliche Interessen über alles zu stellen und die Menschen dreist anzulügen. 5G sei „ein Verbrechen gegen Menschenrechte“, stand auf einem der vielen handgeschriebenen Transparente zu lesen. „Immer schneller, höher, weiter auf Kosten von Mensch und Umwelt - Stop 5G“ hatte ein anderer Demonstrant auf sein Transparent geschrieben.

Veranstalterin der Kundgebung war die neue Umwelt- und Konsumentenorganisation Frequencia. „Dass heute so viele Menschen zusammengekommen sind, ist ein starkes Zeichen gegen die unkontrollierte Einführung von 5G“, teilte Frequencia-Vizechefin Tamlin Schibler Ulmann in einer Aussendung mit.

Strahlungsarme Lösung gefordert

Bereits im Mai hatte es in Bern eine Kundgebung gegen den neuen Mobilfunkstandard gegeben. Im Anschluss daran wurde Frequencia gegründet. Die Organisation fordert eine strahlungsarme Lösung auf Basis des Glasfasernetzes. Demnach sollten Innenräume nur mit Strahlung bedient werden, wenn dies jemand ausdrücklich wolle. Mobilfunkmasten würden dann nur mobilen Verbindungen im Freien dienen und könnten viel schwächer strahlen.

Antritt bei Nationalratswahlen

Die 5G-Gegner treten auch bei den Nationalratswahlen im Oktober an. Im Kanton Bern ist die Liste „5G ade“ eine Verbindung mit der christlich-konservativen Kleinpartei EDU eingegangen.

5G steht für die fünfte Mobilfunkgeneration. Die Übertragung ist etwa 100 Mal schneller als der aktuelle Standard 4G, auch LTE genannt. Die größere Bandbreite und niedrigere Latenzzeiten sollen insbesondere das „Internet der Dinge“ möglich machen, etwa die Fernsteuerung von medizinischen Robotern, Geräten in der Industrieproduktion oder selbstfahrenden Autos. Auch soll die gleichzeitige Vernetzung von Millionen Geräten möglich sein. Mit 5G können Geräte auch bis auf einen Meter genau geortet werden können.

Dafür, dass die Strahlung von 5G und die Intensität mit der sie eingesetzt werden soll, gesundheitsgefährdend ist, gibt es laut Wissenschaftlern keine nachgewiesene Kausalität. „Dass die aktuell vorgesehenen 5G-Frequenzen etwas ganz Neues, Gefährliches sein sollen, ist schlichtweg unwahr“, sagte der Forscher Gernot Schmid von den Seibersdorf Laboraties vor kurzem zur futurezone.