FILE PHOTO: The nameplate of political consultancy, Cambridge Analytica, is seen in central London

© REUTERS / Henry Nicholls

Netzpolitik
01/07/2020

Neuer Cambridge Analytica Leak zeigt „globale Manipulation“ bei Wahlen

Auch eine E-Mail von einem Kampagnen-Büro aus Österreich befand sich in den veröffentlichten Dokumenten.

von Barbara Wimmer

Gleich zu Beginn des neuen Jahres wurden rund 100.000 Dokumente aus 68 Ländern offen ins Netz gestellt, die das Ausmaß des globalen Cambridge-Analytica-Skandals aufzeigen sollen. Die Kampagnen- und Datenanalysefirma hatte sich während des US-Wahlkampfs 2016 Zugang zu Daten von 87 Millionen Facebook-Profilen verschafft und diese unerlaubt für die Wahlkampagne von US-Präsident Donald Trump verwendet.

Facebook wusste mindestens seit 2016 davon, begnügte sich aber mit der Zusicherung, dass die Daten vernichtet worden seien und informierte die Nutzer nicht. Die Untersuchung des Falls durch die US-Aufsichtsbehörde FTC führte zu einer Strafe von fünf Milliarden Dollar (4,53 Mrd. Euro) für Facebook.

Das Ausmaß der Meinungsmanipulation soll aber weit größer sein, wie Anonyme nun mit diesen Dokumenten belegen möchten. Damit seien „globale Verbindungen“ nachweisbar, heißt es in einem Guardian-Bericht. Veröffentlicht worden sind die Daten über den Twitter-Account @HindsightFiles. Es handelt sich dabei um Material rund um die Wahlen in Malaysien, Kenia und Brasilien.

Die Dokumente sollen von der Ex-Cambridge-Analytica-Mitarbeiterin Brittany Kaiser stammen, die zu einem Whistleblower geworden war. Kaiser sagte, der Facebook-Datenskandal sei Teil einer globalen Operation von Cambridge Analytica gewesen, die mit Regierungen, Geheimdiensten, kommerziellen Firmen und politischen Kampagnenbüros zusammenarbeiten, um Menschen zu beeinflussen. „Die Dokumente zeigen außerdem, was während der US-Kampagne von Trump 2016 wirklich passiert ist und das hat auch einen großen Einfluss auf das, was 2020 passieren wird. Es sind dieselben Menschen beteiligt, die wieder dieselben Techniken einsetzen“, sagte Kaiser.

E-Mail vom "Kanzlermacher"

Auch eine Mail aus Österreich war in den Files zu „Brasilien“ zu finden. Sie war nicht datiert, aber unterschrieben. „Ich nehme nach der großartigen PR-Kampagne für Trump mit Ihnen Kontakt auf. Ich leite ein Kampagnen-Beratungs- und Software-Unternehmen in Wien, Österreich mit Kunden in Deutschland und der Schweiz. Wir arbeiten mit einem breiten Feld von Klienten aus der Politik-, Wirtschafts und Nonprofit-Welt. Ich bin interessiert an einem Gespräch, Wissen, Tools und Expertise für unsere Märkte auszutauschen“, heißt es darin. Gezeichnet mit Philipp Maderthaner, Leiter des Campaigning Bureau, und auch bekannt als „Kanzlermacher“ von Sebastian Kurz (ÖVP).

Nachgefragt bei Philipp Maderthaner, bekam die futurezone folgende Antwort: „Es handelte sich dabei um eine unverbindliche Anfrage im Zuge der üblichen Marktbeobachtung neuer Tools, die vor mehr als 3 Jahren stattfand - zu einer Zeit, in der nichts über die Praktiken der Firma bekannt war. Es kam nach dieser unverbindlichen Anfrage zu KEINEN konkreten Gesprächen mit Cambridge Analytica, noch zu irgendeiner Form der Zusammenarbeit und folglich - logischerweise - auch zu keinem Einsatz in irgendeiner Kampagne oder irgendeiner dahingehenden Überlegung.“

Die ersten Medienberichte, dass sich Cambridge Analytica illegal Daten von Facebook-Nutzern beschafft und diese für die US-Präsidentenkampagne genutzt worden waren, waren schon am 11. Dezember 2015 (ebenfalls im Guardian) aufgetaucht. „Als Campaigning Bureau verpflichten wir uns seit unserer Gründung höchsten Datenschutzstandards“, heißt es seitens Maderthaner. Dieser hatte vor kurzem angekündigt, selbst persönlich "Schluss mit Politik" machen zu wollen. Das Campaigning Büro als Unternehmen bleibt in dem Bereich tätig.