Netzpolitik
18.11.2013

Österreichs Haupt-Netzknoten wird nicht ständig überwacht

Die Betreiber des Vienna Internet eXchange (VIX) schließen eine Echtzeit-Überwachung des Netzknotens aus. Das heißt nicht, dass der Internetverkehr im Land sicher ist.

"Ich kann nach derzeitigem Kenntnisstand ausschließen, dass der Datenfluss am VIX durch in- oder ausländische Behörden überwacht wird. Wir haben großes technisches Know-how und hätten das bemerkt", erklären die Betreiber des VIX auf Anfrage der futurezone. Zugriff auf die technischen Geräte der Betreiber habe keines der am VIX eingemieteten Unternehmen, die darüberhinaus allesamt öffentlich bekannt seien, heißt es weiter. Die Standorte des VIX befinden sich im ersten und im 21. Bezirk in Wien. 100-prozentige Gewissheit können aber auch die Betreiber des VIX nicht geben. "Hintertüren in der Hardware können wir nicht völlig ausschließen und rund um die Uhr bewacht wird der VIX auch nicht", so ein Manager, der anonym bleiben möchte.

Das Profil hat kürzlich spekuliert, dass der VIX ein möglicher Standort für eine in den Snowden-Dokumenten erwähnte Abhörstation der US-Geheimdienste in Wien sein könnte. Diese Vermutungen werden zusätzlich von Berichten aus Deutschland angefacht, wo der Bundesnachrichtendienst den dortigen Datenverkehr am VIX-Pendant in Frankfurt überwachen soll. "Auf den ersten Blick ist der VIX die offensichtlichste Lösung für eine Überwachungsstation in Österreich", bestätigt auch ein hochrangiger Telekommunikations-Manager, der nicht genannt werden will, gegenüber der futurezone. Bei genauerer Betrachtung ergäben sich aber auch andere Möglichkeiten. "Die Leitungen selbst sind ein leichtes Ziel. Sämtliche Kommunikation - selbst Mobilfunkdaten - muss früher oder später durch Leitungen, die vergleichsweise einfach angezapft werden können. Dann wären Nachrichtendienste gar nicht auf den VIX angewiesen", so der Telko-Experte. Die Betreiber der Netz müssten nicht notwendigerweise über solche Abhör-Vorgänge Bescheid wissen.

Daten nicht sicher

Auch am VIX gilt das als plausibel. "Das Internet nutzt öffentliche Infrastruktur, die öffentliche Straßen quert", so die Aussage. Die Zusammenarbeit mit den inländischen Behörden sei in Österreich gesetzlich streng geregelt. "Wir haben hier einen vernünftigen Weg gefunden. Einen Zugriff auf Daten in Echtzeit kann es bei uns nicht geben", so der VIX-Vertreter weiter. Dass Daten, die von österreichischen Behörden erfasst werden, an internationale Partner weitergegeben werden, darf nicht erst seit der Anzeige von Peter Pilz als sicher gelten. "Nachrichtendienste in kleinen Ländern wie Österreich sind auf die Informationen gut ausgestatteter Partner aus den USA und anderen Ländern angewiesen, um akkurate Lagebilder erstellen zu können. Das geht aber nur, wenn auch manchmal etwas zurückgegeben wird", so ein Geheimdienst-Insider, der ebenfalls ungenannt bleiben will, gegenüber der futurezone.

Darauf verlassen werden sich die ausländischen Partnerdienste aber nicht. "Die Amerikaner sind auch selber in Österreich tätig. Satelliten, Telefongespräche und Internetverkehr können technisch sicher überwacht werden. Das war schon zu Zeiten der Festnetztelefonie standard", so der Experte. Dazu kommt, dass der österreichische Datenverkehr nicht innerhalb der Landesgrenzen bleibt. Da Dienste in anderen Ländern erwiesenermaßen ihre Knotenpunkte und im Falle von Großbritannien die Haupt-Glasfaserleitungen überwachen, ist der Datenverkehr in Österreich von vornherein nicht sicherer als anderswo. Panik davor, dass die NSA jede Mail von unbescholtenen Bürgern mitliest, sei deshalb aber nicht angebracht, so der Geheimdienst-Insider: "Wer ins Visier eines Geheimdienstzs gerät, hat ohnehin keine Chance mehr auf unbeobachtete Kommunikation. Alles was in großer Menge abgegriffen wird, kann ohnehin nur oberflächlich auf Auffälligkeiten untersucht werden."