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Aufgedeckt Snowden: NSA ließ Syrien offline gehen.

Edward Snowden ist die aktuelle Ausgabe des US-Magazins Wired gewidmet
Edward Snowden ist die aktuelle Ausgabe des US-Magazins Wired gewidmet - Foto: REUTERS/HANDOUT
In einem Interview hat Edward Snowden über die NSA-Pläne für eine automatisierte Cyberabwehr gesprochen. Auch ein Schnitzer des Geheimdienstes im Jahr 2012 war Thema.

Erneut brisante Geheimdienst-Informationen hat ein ausführliches Wired-Interview mit Edward Snowden zutage gebracht. So behauptete Snowden etwa, die USA, respektive die NSA sei Ende 2012 dafür verantwortlich gewesen, dass praktisch ganz Syrien drei Tage lang vom Internet abgekoppelt wurde. Durch einen Fehler eigener Hackerspezialisten, welche das Netzwerk eines großen syrischen Internetproviders für Überwachungsmaßnahmen infiltrieren sollten, sei der Hauptrouter des Providers versehentlich unbrauchbar gemacht worden ("bricked").

Handout of former National Security Agency contrac
Foto: REUTERS/HANDOUT
Die NSA-Mitarbeiter hätten noch versucht, das Prozedere rückgängig zu machen und eigene Spuren zu verwischen, seien aber nicht wirklich erfolgreich gewesen, so Snowden. Unmittelbar nach dem Angriff ging praktisch das ganze Land offline, was damals dem syrischen Staatschef Bashar al-Assad angelastet wurde, als Maßnahme im Kampf gegen die Opposition. Tatsächlich dürfte die syrische Telekommunikationsbehörde nach dem mutmaßlichen Angriff der NSA auch alle anderen Provider bzw. IP-Adressblöcke abgekoppelt haben, um das Land vor weiteren Attacken zu schützen.

Dass nicht die NSA bzw. die USA für den Vorfall beschuldigt wurden, führt Snowden darauf zurück, dass die Behörden offenbar zu beschäftigt gewesen waren, das Netzwerk wieder herzustellen und abzusichern, als sich mit allem verfügbaren Personal auf die Suche nach dem Angreifer zu machen.

Automatische Cyberabwehr

Weiters berichtete Snowden darüber, dass die NSA ihrerseits an einem eigenen Programm zur automatischen Abwehr von Internetangriffen arbeitet. Das System mit dem Namen MonsterMind solle „sofort und automatisch ausländische Cyberangriffe gegen die USA neutralisieren“, so Snowden. In dem Bericht wird das Programm als digitale Version der  geplanten „Star Wars“-Initiative aus den 80er Jahren beschrieben, mit dem Präsident Ronald Reagan Atomraketen abfangen lassen wollte. Eine Sprecherin des Geheimdienstes nahm auf Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters zu dem mutmaßlichen Programm nicht Stellung.

Snowden zufolge könnte MonsterMind eines Tages auch so aufgerüstet werden, dass es automatisch - also ohne menschlichen Befehl - zurückschlägt. Welche Form das annehmen könnte, sagte er dem Magazin zufolge nicht. Da in vielen Fällen der Ursprung eines Cyberangriffes verschleiert werde, könnte ein solcher Gegenschlag Unschuldige treffen und sogar einen Krieg auslösen, warnte er. Allgemein sei MonsterMind eine große Gefahr für die Privatsphäre, weil alle Datenströme erfasst werden müssten - „von jedem, jederzeit“. Damit würde das Programm auch gegen die US-Verfassung verstoßen.

(futurezone/reuters) Erstellt am 13.08.2014, 19:01

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