Netzpolitik
20.02.2018

Warum die IT-Probleme des Ministeriums nicht trivial sind

Die technischen Probleme rund um die Volksbegehren sorgen für Unverständnis. Die Ursachen sind jedoch vielschichtig.

Warteschlangen in Behörden, Totalausfälle des Online-Systems - die technischen Probleme rund um die aktuellen Volksbegehren sorgen in der Bevölkerung für Unmut und Unverständnis. Nach massiven Problemen am Montag verlief der Dienstag bei den Eintragungsstellen ruhiger. "Es wurde die ganze Nacht massiv an der Optimierung des Systems gearbeitet. Momentan funktioniert alles und läuft stabil, obwohl der Zulauf zu den Volksbegehren auch am Dienstag groß war. Wir tun alles, um diese Kapazitäten halten zu können", erklärte Alexander Marakovits, Sprecher des Innenministeriums, auf Anfrage der futurezone.

Einfach Kapazitäten dazuschalten

Die Aussage des Ministeriums, dass Engpässe nicht einfach von heute auf morgen aus der Welt geschafft werden können und auch weitere technische Probleme nicht ausgeschlossen sind, hatten ebenfalls für Diskussionen gesorgt. Der IT- und Netzwerkexperte Otmar Lendl vom österreichischen CERT.at (Computer Emergency Response Team) äußert dafür Verständnis: "Wenn es darum geht, sensible Bürgerdaten wie das Melderegister in einem Netzwerk bereitzustellen, kann man aufgrund von Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen nicht einfach auf externe Cloud-Lösungen von US-Anbietern wie Google und Amazon zurückgreifen, die im Bedarfsfall einfach die Kapazitäten erhöhen."

Dazu komme, dass ein derartiges System nicht isoliert funktioniere, sondern in komplexen Abhängigkeiten mit anderen Anwendungen und Datenbanken stehe. "Wenn man an der einen Schraube dreht, hat das auch Auswirkungen auf alle anderen. Hier Optimierungen vorzunehmen, ist ganz und gar nicht trivial", erklärt Lendl. Man müsse sich nur die technischen Probleme ansehen, mit der die US-Regierung unter Präsident Obama zum Start der Gesundheitsreform konfrontiert war. "Das in den Griff zu bekommen, dauerte Monate und gelang nur unter enormem finanziellen Aufwand und dem Beiziehen von Topexperten aus dem Silicon Valley."

Technikexperten gesucht

Nicht zuletzt aufgrund des Einsparungsdrucks, dem viele Ministerien ausgesetzt sind, tut sich der öffentliche Sektor zunehmend schwer, am freien Markt Technikexperten zu finden. Die Privatwirtschaft lockt vielfach mit lukrativeren Gehältern. Auch kein Geheimnis ist, dass Gesetzesvorlagen, die etwa die Umsetzung eines neuen Melderegister-Systems vorschreiben, auf politischer Ebene verabschiedet werden. Die technische Durchführbarkeit zu bestimmten Stichtagen steht bei derartigen Entscheidungen selten im Vordergrund.

Im aktuellen Fall könnte dem offenbar neu eingeführten System auch zum Verhängnis geworden sein, dass ein echter Testlauf kaum möglich war. "Wenn ich als Unternehmen eine Webseite oder einen Webshop betreibe, dann wächst die Last auf das dahinterstehende Computersystem mit der Anzahl der Kunden. Die Technik kann folglich nachjustieren, wenn es zu einem Engpass kommt. Im Fall der Volksbegehren musste das System praktisch von heute auf morgen quasi aus dem Leerlauf heraus mit einer Höchstlast klarkommen. Das ist eine enorme Herausforderung", erklärt Lendl.