Netzpolitik
31.05.2017

Wegen Schulprüfungen: Äthiopien schaltet Internet ab

Um zu verhindern, dass Fragen und Antworten wichtiger Abschlussprüfungen online veröffentlicht werden, drehte Äthiopien kurzerhand das Internet im Land ab.

Äthiopien hat am Dienstag offenbar den Zugang zum Internet gekappt. Das berichtet Quartz, das sich dabei auf Medienberichte und Tweets beruft. Demnach war ab Dienstagabend – Äthiopien liegt zwei Stunden vor der mitteleuropäischen Sommerzeit – das Internet für zumindest zwölf Stunden nicht verfügbar. Damit sollte verhindert werden, dass die Aufgaben wichtiger Prüfungen als Leak im Internet landen. Derzeit nehmen knapp 1,2 Millionen Schüler der zehnten Schulstufe an den Abschlussprüfungen teil. Weitere 288.000 Schüler der zwölften Schulstufe bereiten sich auf jene Prüfung vor, die sie zum Studium an einer Universität berechtigen.

Wie lange die Sperre dauerte ist unklar. Während die Behörden von zwölf Stunden sprachen, beklagten zahlreiche Personen auch darüber hinaus Probleme. Googles Transparenzreport zeigt den plötzlichen Traffic-Abfall ebenfalls an. Die äthiopischen Behörden haben immer wieder derartige Maßnahmen ergriffen: Im Juli 2016 wurden vorübergehend Plattformen wie Facebook, Twitter oder der Messenger Viber blockiert. Zuvor wurden Fragen einer Prüfung online veröffentlicht.

Weit verbreitete Maßnahme

Auch in anderen Ländern, beispielsweise dem Irak oder Algerien, wurden ähnliche Maßnahmen ergriffen. Im Irak wurden im Vorjahr drei Tage lang in Folge das Internet während der Prüfungen abgedreht, um den Schülern das Schummeln zu erschweren. Derartige Maßnahmen sind nur in Ländern möglich, in denen das Internet noch nicht so tief verwurzelt ist. Lediglich 2,9 Prozent der rund 99 Millionen Einwohner Äthiopiens haben Zugriff auf das Internet. Die Regierung überwacht die Aktivität der Nutzer stark und reagiert auf kritische Veröffentlichungen mit Haftstrafen.