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Netzpolitik
09/10/2019

Wie Menstruations-Apps Daten mit Facebook teilen

Viele Frauen zeichnen digital auf, wann sie ihre Menstruation haben. Doch viele dieser Apps teilen die Daten mit Dritten.

von Barbara Wimmer

Früher haben Frauen Stricherl auf einem Kalender gemacht, um ihre Periode zu tracken, heutzutage tragen viele Frauen diese Daten bequem in einer App ein. Einen genauen Überblick über ihre Periode zu haben, ist für viele Frauen wichtig. Neben natürlicher Verhütung geht es dabei vor allem um eine genaue Kenntnis des eigenen Zyklus. „Wann sind meine fruchtbaren Tage?“ stellt für viele Frauen die wichtigste Frage dar - und zwar sowohl wenn sie schwanger werden wollen, als auch, wenn sie das nicht wollen.

Doch die Apps, die Frauen zum Tracken ihrer Menstruation verwenden können, wollen oft viel mehr Daten, als nur das klassische Stricherl, wann die Regel stattfindet. Gesammelt werden von den Apps häufig Daten über den Gesundheitszustand, das Sex-Leben sowie die Stimmung. Viele dieser Daten sind so sensibel, dass man sie mit niemand anderem teilen würde - oder würdet ihr eurer Mutter, oder eurem Arbeitgeber sagen, wann ihr das letzte Mal ungeschützten Sex hattet? Coding Rights hat ausführlich dokumentiert, was für heikle Daten von den Menstruations-Apps gesammelt werden.

Wer teilt die Daten mit Facebook?

Die britische NGO Privacy International hat nun einen ausführlichen Test darüber gemacht, wie Menstruations-Apps mit den Daten ihrer Nutzerinnen umgehen und mit wem sie diese teilen - und insbesondere welcher Anbieter diese mit Facebook teilt. Genauer untersucht haben sie die beliebten Apps: Period Tracker by Leap Fitness Group, Period Tracker Flo by Flo Health, Period Tracker by Simple Design Ltd, Clue Period Tracker by Biowink, Maya by Plackal Tech, MIA by Mobapp Development Limited, My Period Tracker by Linchpin Health, Ovulation Calculator by Pinkbird, Period Tracker by GP International LLC, Mi Calendario by Grupo Familia.

Dabei ist rausgekommen, dass Period Tracker by GP International LLC keine Daten mit Facebook teilt, alle anderen untersuchten Apps sehr wohl. Besonders negativ aufgefallen sind die Apps Maya by Plackal Tech und MIA by Mobapp Development Limited.

Besonders viele heikle Daten

Die Maya App, die bisher von rund fünf Millionen Menschen runtergeladen und installiert worden ist, teilt bereits mit Facebook, wenn man die App nur öffnet - und zwar ohne dass man zuvor etwas angekreuzt oder Nutzungsbestimmungen zugestimmt hat. Dabei ist die App besonders datenhungrig und man kann etwa angeben, wann die Brüste spannen, wann der Blutdruck zu hoch ist, wann man besonders viel Akne hat, Verstopfung, wann man unter Schlaflosigkeit leidet, etc. Zudem lässt sich eintragen, ob man die Pille nimmt und wie man sich fühlt: Sexy, romantisch, ängstlich oder ruhig zum Beispiel. Weiters lässt sich eintragen, wann man Sex gehabt hat und ob dieser ungeschützt oder geschützt stattgefunden hat. All diese Daten werden bei dieser App automatisiert an Facebook übertragen.

Das Unternehmen hinter dieser App sitzt in Indien. Laut Privacy International ist es mehr als fraglich, ob das Unternehmen diese Daten in dieser Ausführlichkeit sammeln darf, geschweige denn sie mit Dritten teilen darf.

Verstoß gegen EU-Gesetze

Doch auch die Apps My Period Tracker by Linchpin Health mit mehr als einer Million Downloads, die App Ovulation Calculator by Pinkbird mit mehr als 500.000 Downloads und die App Mi Calendario by Grupo Familia mit mehr als einer Million Downloads übertragen Daten bereits an Facebook, wenn man die App nur öffnet. Damit wird die EU-Datenschutzverordnung verletzt und die Unternehmen verstoßen gegen die EU-Gesetzgebung.

„Nicht die Nutzerinnen sollen sich darüber sorgen müssen, mit wem die App, die sie ausgewählt haben, die Daten teilen, sondern die Verantwortung soll bei den Unternehmen liegen, ihren rechtlichen Verpflichtungen nachzukommen“, erklärt Privacy International in einer Zusammenfassung der Analyse. Die Hersteller müssten bereits bei der Entwicklung daran denken, was für einen Schaden sie Menschen damit zufügen könnten und Datensammlungen limitieren - vor allem von sensiblen Daten.

Daten über Schwangere sind viel wert

Das könnte sich allerdings als schwierig erweisen. Daten über schwangere Frauen sind nämlich Gold wert: Unternehmen zahlen bis zu 1,50 US-Dollar für Daten von Schwangeren, während Daten zu anderen Personen nur rund 10 Cent wert sind. Das Vermerken vom Ausbleiben der Periode in der App könnte zumindest ein Indiz dafür sein, dass eine Frau schwanger ist. (Es gibt dafür freilich auch andere, medizinische Gründe). Schwangere sind bei Werbefirmen eine besonders beliebte Zielgruppe.

„Letztlich fehlt es an Zyklus-Apps, die mit offener und freier Software gebaut sind, und deren Sicherheit und Genauigkeit ohne weiteres nachgeprüft werden können. Gerade was den Bereich Gesundheit betrifft, gibt es hier praktisch keine vernünftigen Angebote“, sagte etwa die Forscherin Marie Kochsiek im Gespräch mit netzpolitik.org über Menstruations-Apps.

"Drip" als Alternative

Frauen, die derartige Apps nutzen, sollten nun zumindest darüber Bescheid wissen, dass ihre Daten bei vielen Anbietern nicht geheim bleiben. An der Liste von Privacy International kann man sich zumindest grob orientieren, welche App halbwegs privatsphärefreundlich bleibt - oder aber man steigt wieder um auf die bewährte Stricherlliste. Kochsiek lieferte die Idee für eine derartige Zyklus-App, die Open-Source ist und vom Bloody Health Collective entwickelt wird. Die Beta-Version von "drip" gibt es bereits.