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29.06.2011

24symbols: Lesen in der Wolke

Das spanische Start-up 24symbols will mit Online-Büchern, die mit Werbung oder im kostenpflichtigen Abo angeboten werden, den Markt für E-Books aufrollen. Rund 12.000 Nutzer testen das Angebot bereits. Ende Juni geht 24symbols mit einem Premium-Angebot und einer Applikation für das iPad an den Start.

Online-Musikangebote wie Spotify oder Simfy und Film-Streaming-Dienste wie Netflix haben es vorgemacht. Nun drängt auch im E-Book-Bereich ein Start-up mit einem Cloud-Angebot auf den Markt. Der von dem Unternehmen Bestsharer aus Madrid betriebene "Bücher-Streaming"-Dienst 24symbols bietet seinen Nutzern kostenlos Zugriff auf digitale Bücher in der Wolke. Dafür werden in die Texte Werbungen eingeblendet.

Ende Juni geht ein Premium-Angebot an den Start, das für rund Euro im Monat (19,99 Euro für drei Monate, 59,99 Euro für ein Jahr) werbefreies Lesen und die Offline-Lektüre der digitalen Bücher erlaubt. Eine iPad-App steht kurz vor der Veröffentlichung. Auch Anwendungen für Smartphones sind geplant. "Wir arbeiten daran, digitale Bücher überall und auf allen Endgeräten verfügbar zu machen", sagt Justo Hidalgo, einer der Gründer des Start-ups der futurezone.

12.000 Beta-Tester
Seit Ende März ist der Dienst, dessen Namen sich von den 24 Buchstaben des griechischen Alphabets ableitet, in einer Browser-basierten Beta-Version verfügbar. Rund 12.000 Nutzer testen laut Hidalgo das Angebot bereits. Sie können ihre Leselisten mit Freunden auf der 24symbols-Plattform teilen, Textstellen markieren, mit Anmerkungen versehen und Auszüge aus den Büchern auf Facebook und Twitter posten.

24symbols biete ein "natürliches" Umfeld für Bücherempfehlungen, die auch viral verbreitet würden, sagt Hidalgo. Das komme letztlich auch Buchhändlern zugute. "Nutzer, die bestimmte Bücher mögen, verschenken sie häufig in gedruckter Form an Freunde", so der 24symbols-Mitgründer. Während des Beta-Tests habe es zahlreiche Belege dafür gegeben. In dem online veröffentlichten Geschäftsmodell (PDF) des Start-ups wird auch bereits der Vertrieb gedruckter Bücher über die Plattform angedacht.

Angebot überschaubar
Noch ist das Angebot an E-Books bei 24symbols überschaubar und beschränkt sich vorwiegend auf spanischsprachige Titel. Ab Ende Juni sollen rund 1000 englischsprachige Bücher dazukommen. Neben Klassikern und Büchern, deren Schutzfrist bereits abgelaufen ist, werden auch aktuelle Titel abrufbar sein, kündigt Hidalgo an. E-Books in weiteren Sprachen, darunter auch Deutsch, sollen im Laufe des Sommers folgen: "Wir sind bereits mit deutschen Verlegern im Gespräch."

Abrechnung nach gelesenen Seiten
Verlage und Autoren werden nach der Anzahl der gelesenen Seiten an den Umsätzen beteiligt. Sie erhalten - je nach Anteil am Gesamtvolumen - 70 Prozent der Einnahmen aus Werbung und Abo-Verkauf. 30 Prozent verbleiben bei dem Unternehmen.

Derzeit arbeitet 24symbols mit kleinen und mittleren Verlagen aus Spanien, Portugal und den Niederlanden zusammen. Verträge mit internationalen Verlagen stehen laut dem Gründer kurz vor der Unterzeichnung. "Einige Verlage waren sehr schnell von unserem Modell überzeugt", erzähtl Hidalgo. "Sie sehen uns als alternativen Kanal und hoffen vor allem von den Nutzer-Empfehlungen zu profitieren." Viele Verlage seien aber auch vorsichtig: "Sie befürchten eine Kannibalisierung ihres Geschäfts."

Informationen über das Leseverhalten
Verlegern und Autoren werden auch detaillierte Informationen über das Leseverhalten der 24symbols-Nutzer in Aussicht gestellt. "Sie können sehen, wieviele Nutzer ihre Bücher lesen, wie oft Auszüge über Online-Netzwerke verbreitet und wieviele Seiten in den Büchern gelesen werden", erläutert Hidalgo. "Verleger können so besser verstehen, wie ihre Bücher tatsächlich gelesen werden."

Ob solche Modelle letztlich dazu führen, dass Bücher anders geschrieben werden - etwa wenn sich herausstellt, dass an einer bestimmten Stelle das Interesse der Leser massenhaft nachlässt - bleibt abzuwarten. Macy Halford, Kolumnistin beim "New Yorker", stellt bereits erste Spekulationen an: Mit Diensten wie 24symbols wachse auch der Druck auf die Leser, schreibt Halford: "Jeder Gang auf die Toilette während der Lektüre könnte Auswikrungen darauf haben, was geschrieben und gedruckt wird."

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