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12/14/2019

Amazfit GTS: Apple Watch-Kopie aus dem Hause Xiaomi im Test

Ob die optisch ansprechende Amazfit GTS halten kann, was sie verspricht, haben wir uns angesehen.

von Florian Christof

Der Xiaomi-Zulieferer Huami hat mit der Amazfit GTS eine Smartwatch auf den Markt gebracht. Diese erinnert rein äußerlich frappant an die Apple Watch. Für einen Laien sind die beiden Uhren auf den ersten Blick wahrlich schwer zu unterscheiden. Das Preisschild zeigt aber schon den ersten großen Unterschied der beiden Uhren: Die aktuelle Apple Watch Series 5 kostet mindestens 449 Euro. Die Amazfit GTS ist bereits ab 110 Euro zu haben. 

Nimmt man die Amazfit GTS aus der Verpackung, wird aber schnell klar, dass es sich dabei - trotz des niedrigen Preises - nicht um einen billigen Klon aus einem schwindeligen Aliexpress-Shop handelt. Grundsätzlich ist die GTS makellos verarbeitet, die verwendeten Materialien sind hochwertig. 

Hochwertiges Display

Das Aluminiumgehäuse ist sogar dünner als jenes der Apple Watch Series 5. Das AMOLED-Display überzeugt mit seiner hohen Auflösung (348 x 442 Pixel) und einer Pixeldichte von 341 ppi, die ebenso höher ist, als bei der aktuellen Apple Watch. Auch an der Helligkeit sowie an der Farbdarstellung gibt es nichts auszusetzen.

Das mit Corning Gorilla 3 kratzgeschützte Display-Glas ragt leicht über die Ränder des Bildschirms, was der GTS einen modernen Look verleiht. Leider ist allerdings der Screen selbst wesentlich kleiner als das Display-Glas, wodurch der Bildschirm durch einen relativ breiten Rahmen umgeben ist.

Auch mit einem Gewicht von 24,8 Gramm ist die GTS leichter als die Apple Watch und lässt sich angenehm tragen. Das Armband besteht aus Silikon und hat im zweiwöchigen Testzeitraum keine sichtbaren Abnutzungen davongetragen. Auch das Band überzeugt mit einem hohen Tragekomfort.

Akku und Laden

An der Unterseite der GTS-Watch befindet sich ein Herzfrequenzsensor sowie die zwei kleinen Pins zum Aufladen des Akkus. Kabelloses laden ist nicht möglich. Obwohl sich der optische Sensor etwas vom Gehäuse abhebt, wirkt sich das nicht negativ auf den Tragekomfort aus.

Der 220-mAh-Akku soll zwei Wochen durchhalten. Im Testzeitraum hielt der Akku allerdings keine 14 Tage durch, sondern ungefähr 11 Tage. Das liegt allerdings daran, dass Trainingsprogramme und der GPS-Sensor den Akku natürlich mehr belasten, als der herkömmliche Standby.

Geprägt ist das Design der Uhr von einem kleinen Steuerrad, das sich zentral an der rechten Seite befindet. Dreht man am Rad, ergibt sich eigentlich keine Funktion. Drückt man es, weckt man die Uhr auf und kann bei einigen Fitnessfunktionen Rundenzeiten stoppen beziehungsweise pausieren.

Das Betriebssystem

Während das Äußere der Amazfit GTS kaum Wünsche offen lässt, ist die Software der Uhr nicht wirklich zufriedenstellend umgesetzt. Schon beim ersten Herumspielen mit der Uhr wird schnell klar, dass es sich hier mehr um einen Fitnesstracker handelt als um eine echte Smartwatch.

Auf der GTS läuft ein eigenes Betriebssystem, das sich ausschließlich über die dazugehörige Amazfit-App per Bluetooth 5.0 mit dem Smartphone verbinden lässt. Die Amazfit-App am Smartphone dient somit auch als zentrale Steuerstelle für die Uhr.

Anders als man es sich von einer echten Smartwatch erwarten würde, kann man mit der Amazfit GTS etwa keine Musik abspielen. Auch Bezahlen per NFC ist nicht möglich - zumal die die Software das nicht zulassen würde und die Uhr über keine NFC-Antenne verfügt. Das Bedienen von Smartphone-Apps über die Uhr ist ebenso wenig möglich wie etwa das Anzeigen von QR-Codes oder Strichcodes, beispielsweise für Bording- oder Kundenkarten.

Keine Smartwatch

Zudem hat die Uhr Schwierigkeiten, Notifications anzuzeigen. Damit überhaupt Benachrichtigungen vom Smartphone auf der GTS angezeigt werden, muss dies zunächst in der Amazfit-App aktiviert werden. Anschließend greift die App auf die Smartphone-Notifications in der Statusleiste zu und spiegelt sie auf das Display der Uhr - zumindest in der Theorie.

Will man etwa die Musikwiedergabe über die Uhr steuern, ist es notwendig, dass eine passende Notification in der Statusleiste am Smartphone angezeigt wird. Anschließend muss die Uhr aktiviert werden, im Menü muss nach dem Musik-Symbol gesucht werden und dann erst kann man sich um die Steuerung der Wiedergabe kümmern. Das ist derart umständlich, dass man wesentlich schneller ist, wenn gleich das Smartphone zückt. Direkt am Startbildschirm kann die Musikwiedergabe nicht gesteuert werden.

Notifications von Messenger-Diensten, E-Mails oder anderen Apps wurden überhaupt nur willkürlich angezeigt. Manchmal hat das Durchstellen der Benachrichtigungen funktioniert, manchmal nicht. Das Problem mit den Benachrichtigungen zieht sich auch über Erinnerungen und Wecker.

Für Fitnessbegeisterte

Auch wenn die klassischen Smartwatch-Funktionen zu Wünschen übriglassen, ist die Amazfit GTS mit jeder Menge Fitnessfunktionen ausgestattet, beispielsweise Laufen, Gehen, Radfahren, Wandern und klassisches Workout. Da die Uhr wasserdicht ist, kann sie auch Schwimmübungen aufzeichnen. Insgesamt kann man aus zwölf Sportarten wählen.

Die Aufzeichnungen der einzelnen Sportprogramme sind sehr detailliert und lassen kaum Informationen aus. Am besten sieht man sich diese Infos auf der Amazfit-App am Smartphone an.

Wenn jemand seine Trainingsaufzeichnen über die Jahre in Apps wie Runtastic, Strava, Map My Fitness oder Runkeeper angesammelt hat, wird der Umstieg auf eine Amazfit GTS schwerfallen. Denn ein Import der Daten ist nicht möglich. Generell lassen sich solche Fitness-Apps nicht standardmäßig mit den Aufzeichnungen der Amazfit GTS füttern. Nimmt man einen Umweg über Drittanbieter-Apps, kann etwa Strava mit Daten der Uhr versorgt werden. Leider ist das wieder etwas umständlich und mühsam.

Die Uhr selbst verfügt über einen GPS-Sensor, wodurch sie sich von zahlreichen Fitnesstrackern abhebt. Aktiviert man diesen, schwindet die Restakkulaufzeit deutlich schneller, wodurch der Akku keine zwei Wochen mehr durchhält.

Fazit

Rein optisch ist die Amazfit GTS eine wahrlich schöne Uhr mit hohem Tragekomfort in bekanntem Design. Sie ist leicht, makellos verarbeitet und verfügt über ein hochwertiges Display.

Software-mäßig ist die GTS genau das Gegenteil einer Smartwatch: Das eigene Betriebssystem ist in Sachen Funktionalität stark eingeschränkt und hat mit einer echten Smartwatch nicht viel gemein.

Betrachtet man die GTS-Watch als Fitness-Uhr, sieht das schon wieder etwas anders aus: Mit den zahlreichen Trainingsprogrammen, Herzfrequenzsensor und GPS kann die GTS durchaus überzeugen. Auch wenn die GTS keine richtige Smartwatch ist, gelingt ihr der Spaga, zwischen moderner Uhr und Fitnessarmband.

Wer auf der Suche nach einer günstigen Uhr mit smarten Ansätzen ist und diese hauptsächlich zum Aufzeichnen von Fitness- und Sportübungen verwenden will, ist bei der Amazfit GTS richtig.