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07.09.2016

Amazon Dash Button im Test: Per Knopfdruck Kondome kaufen

Der Amazon-Bestellknopf ist nun auch in Österreich und Deutschland erhältlich. Das simple Gerät eröffnet viele Möglicheiten - für den Nutzer und den Versandhändler.

Es war so absurd, dass es von vielen für einen Aprilscherz gehalten wurde. Amazon kündigte Ende März 2015 den “ Dash”, einen kleinen Knopf für den privaten Haushalt an. Ein Knopfdruck reicht, dann wird ein zuvor ausgewähltes Haushaltsprodukt, beispielsweise Waschmittel, Taschentücher oder Kondome, automatisch bei Amazon bestellt und so schnell wie möglich nach Hause geliefert. Einkaufen für die vernetzte Generation, die sich nicht einmal mehr eine Einkaufsliste schreiben möchte.

Amazon Dash in Bildern

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Amazon Dash

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Mit einem Jahr Verzögerung hat es der “ Dash” nun auch nach Österreich und Deutschland geschafft. Insgesamt 32 verschiedene “Dash”-Buttons von verschiedenen Marken, sei es nun Ariel, Oral-B, Gillette oder Pedigree, werden derzeit angeboten. In den USA sind es mit mehr als 160 verschiedenen “Dash”-Buttons weit mehr. Doch was taugen die günstigen Knöpfe eigentlich, bergen sie Gefahren und lassen sie sich für mehr verwenden als nur für das Bestellen von Haushaltsprodukten? Die futurezone hat sich den “Dash” näher angesehen.

Zum Aufhängen oder Aufkleben

Der “Dash” ist größer, als er auf so manchen Bildern wirkt. Er hat die Maße eines durchschnittlichen Daumens und wiegt knapp 30 bis 40 Gramm. Je nach Modell wird er an der Front mit dem Logo des Unternehmens, dessen Produkte man bestellen kann, versehen. So ist es mit dem getesteten “Dash” der Waschmittel-Marke “Ariel” lediglich möglich, “Ariel”-Produkte zu bestellen.

Der “ Dash” wird mit einem abnehmbaren Rahmen geliefert, mit dem er an einem Haken aufgehängt werden kann, beispielsweise im Bad oder der Küche. Auf der Rückseite befindet sich aber auch ein wiederverwendbarer Klebestreifen, mit dem der Dash an glatten Oberflächen, beispielsweise auf der Waschmaschine, einer Türe oder der Wand befestigt werden kann.

Günstiger mit Risiko

Die Einrichtung ist relativ simpel, erfordert allerdings die App sowie ein Android- oder iOS-Gerät. Über die Einstellungen der App kann der Knopf dann mit dem Konto verknüpft werden. Ein Assistent führt durch die Einrichtung, die knapp fünf Minuten benötigt. Dabei wird der Knopf mit dem Amazon-Konto verknüpft und das WLAN-Passwort eingegeben. Hier überlässt Amazon dem Nutzer die Wahl, ob er das Passwort auch in seinem Konto speichern will, um es an andere Geräte weiterzugeben, beispielsweise einem Kindle. Im Anschluss daran wird bereits eine Lieferadresse sowie das gewünschte Produkt ausgewählt.

Die Auswahl hier ist, je nach Marke, mager. Beim Waschmittel-Hersteller Ariel stehen lediglich 14 verschiedene Produkte zur Auswahl, wobei diese sich meist nur in der Menge voneinander unterscheiden. Zudem ist man an den von Amazon angebotenen Preis gebunden - Angebote von Markplatz-Händlern werden nicht angezeigt. So kann man nie sicher sein, ob man gerade zum günstigsten Preis einkauft. Preislich lagen die bestellten Produkte im Rahmen. Die bestellte 6,5-Kilo-Packung Ariel Waschpulver mit Febreze kostete bei der Bestellung 17,99 Euro, im Einzelhandel war sie im Angebot für 16,49 Euro zu haben. Die Ariel “3 in 1 Pods” waren hingegen mit 7,10 Euro günstiger als das nächstgünstigere Angebot in der Nähe (7,95 Euro).

Keine Mehrfachbestellungen

Eine Preisgarantie gibt es jedoch nicht, der Preis kann sich im Vergleich zur Einrichtung jederzeit ändern, auch zum Nachteil des Konsumenten. Da die Bestellung nach dem Drücken des Buttons nicht bestätigt werden muss, bleibt dem Nutzer so nur mehr das Stornieren, sollte der Preis zu hoch sein. Hier geht man jedoch ein Risiko ein, wie frühere Fälle zeigen. So deaktivierte Amazon des öfteren Kunden das Konto, wenn diese zu oft Produkte retournierten.

Doch was passiert, wenn man den Knopf nach einer Bestellung versehentlich noch einmal drückt? Sogenannte Mehrfachbestellungen sind per Voreinstellung deaktiviert. Das bedeutet, es muss zunächst die vorherige Bestellung erfolgreich zugestellt werden, bevor man erneut mit dem “Dash” einkaufen kann. Dass der Auftrag verweigert wurde, zeigt die LED, die rot statt grün aufleuchtet.

Nicht als Wanze einsetzbar

Der in Österreich und Deutschland ausgelieferte “Dash” ist bereits ein Modell der zweiten Generation, erkennbar an der neuen Produktbezeichnung JK29LP gegenüber dem Vorgänger JK76PL. Amazon hat hier kleine Detailverbesserungen vorgenommen. Der STM32-Mikrocontroller wurde beispielsweise gegen ein Modell von Atmel ausgetauscht, zudem wurde nun ein Bluetooth-Low-Energy-Chip verbaut. Dieser wird zur Einrichtung des “Dash” verwendet.

Bei der ersten Version des "Dash" wurde das Mikrofon, das auch im neuen Modell zu finden ist, zur Einrichtung verwendet. Wie beim Chromecast verschickt die App am Smartphone oder Tablet ein Ultraschall-Signal, über das dem Gerät das WLAN-Passwort und das verknüpfte Amazon-Konto übermittelt wird. Diese Aufgabe übernimmt nun der Bluetooth-LE-Chip, die Ultraschall-Variante dient nur mehr als Ausweichlösung.

Ein Sicherheitsrisiko sollte das Mikrofon dennoch nicht darstellen. Es wäre zwar theoretisch möglich, damit Gespräche aufzuzeichnen, allerdings fehlt es dem " Dash" dafür an technischen Kapazitäten. Der verbaute Mikrocontroller von Atmel verfügt über einen mit 120 MHz getakteten Cortex-M4, der mit maximal 512 Kilobyte Flash-Speicher ausgestattet werden kann. Der im Dash verbaute Speicher ist zudem “Read Only”. Des weiteren bietet die verbaute Alkaline-Batterie nur Energie für vier Stunden dauerhaften Betrieb - eine Wanze mit kurzer Laufzeit.

Eine sicheres Einrichten per WPS ist nicht möglich, der WLAN-Chip unterstützt den Standard nicht. Der Atmel-Chip kann allerdings im 2,4-GHz-Netz funken und unterstützt WLAN-Netze bis zu 802.11n. Wie lange die Batterie des "Dash" durchhält, ist unklar. Dabei hängt es wohl vor allem davon ab, wie oft man die Taste betätigt, denn im Stand-by verbraucht der Knopf kaum Energie (rund zwei Mikroampere). Einige Schätzungen gehen von rund 500 bis 1000 Knopfdrücken aus. Die Lebensdauer hängt somit auch davon ab, wie oft man etwas von Amazon bestellen möchte. Theoretisch kann man jedoch auch die Batterie selbst tauschen. Der "Dash" setzt auf eine einfache AAA-Batterie von Duracell, die im Gegensatz zum Vorgänger einfach eingelegt statt angelötet wurde. Lediglich das Öffnen des Gehäuses stellt sich als schwierig heraus, da die Abdeckung nur mit Gewalt entfernt werden kann und der "Dash" so beschädigt wird.

Spielzeug für Hacker

Der “Dash” lässt sich aber auch für andere Zwecke als das Bestellen von Amazon-Artikeln verwenden. So finden sich auf GitHub mittlerweile zahlreiche Hobby-Projekte, die den Knopf auf kreative Art und Weise einsetzen. Per Hack lässt sich mittlerweile Pizza, Alkohol und Uber bestellen, verlorene Smartphones suchen oder ein Rickroll starten. Die Kreativität der Nutzer ist scheinbar endlos, selbst zum Baby-Tracking wurde der “Dash” bereits eingesetzt. Einige dieser Projekte funktionieren aber möglicherweise nicht mehr. Mit dem neuen Modell gab es einige Änderungen, der Anpassungen am Code erforderlich macht. Zumindest für Windows gibt es mittlerweile eine denkbar einfache Anleitung, mit der der Button zum Ausführen von Programmen oder Öffnen von Links gebracht werden kann.

Amazon hat das Potenzial früh erkannt und bietet mittlerweile mit dem “AWS IoT-Button” einen offiziell programmierbaren “Dash” an. Dieser kann allerdings nur über die Cloud-Dienste von Amazon genutzt werden. Der US-Konzern hofft wohl, dass er damit seine hauseigene Internet-of-Things-Plattform stärken kann. Der Button wird im US-Shop für 20 US-Dollar angeboten, hierzulande ist er noch nicht offiziell verfügbar. Da es aber mittlerweile einen deutschsprachigen Support-Eintrag gibt, besteht die Hoffnung, dass Amazon den “IoT-Button” auch nach Europa bringen könnte.

Die geringe Lebensdauer macht aber den Einsatz für andere Zwecke schwierig. So wäre beispielsweise ein für das Aktivieren der Kaffeemaschine umfunktionierter “Dash” bei täglichem Gebrauch nach ein bis eineinhalb Jahren unbrauchbar.

Knöpfe wollen gedrückt werden

Der “Dash” ist eine Lösung auf der Suche nach einem Problem. Rasches Bestellen war per “1-Click” bereits zuvor möglich, schneller werden die Produkte deswegen auch nicht geliefert. In den USA mag der Knopf in Kombination mit der Lieferung am gleichen Tag bzw. teilweise sogar binnen einer Stunde (Prime Now) Sinn machen, doch in Österreich fehlt die passende Infrastruktur dafür noch. Zudem schränken die Marken-Knöpfe die Auswahl unnötig ein.

Dennoch weckte der Knopf immer wieder in mir den Drang, etwas zu bestellen, auch wenn es nur Waschmittel ist. Amazon dürfte hier einen spielerischen Zugang gefunden zu haben, der Konsumenten leichter vom Kauf von Produkten überzeugen könnte - allerdings mit fragwürdigen Mitteln,

wie Verbraucherschützer kritisieren.
Sollte sich der “ Dash” zum Standard entwickeln - mittlerweile ist er über den“Dash Replenishment Service”schon in Geräten von Whirlpool, Siemens, Bosch, Brother, Grundig, Samsung und Kyocera verbaut - könnten hier goldene Zeiten für den Online-Versandhändler anbrechen.

Der “Dash” ist ab sofort für 4,99 Euro online erhältlich. Zur Zeit ist der Großteil der Dash-Buttons vergriffen, der Großteil ist erst wieder in frühestens zwei Wochen lieferbar. Das Interesse scheint zumindest gegeben zu sein. Amazon verdient “nichts” an den vernetzten Knöpfen, der Kaufpreis wird bei der ersten Bestellung gutgeschrieben. In den USA wurden sie anlässlich des Prime Day sogar für 99 Dollar-Cent verkauft - ein Preis, der kaum die Kosten für die Batterie deckt.