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Smartphone BlackBerry Passport im Test: Exot mit Schwächen.

Foto: Thomas Prenner
Nach einigen sehr schwierigen Jahren versucht BlackBerry mit ungewöhnlichen Formen wieder im Smartphone-Geschäft Fuß zu fassen. Die futurezone hat den Passport getestet.

Totgesagte leben länger - noch gilt dieser Ausspruch auch für den angeschlagenen Smartphone-Pionier BlackBerry, auch wenn der Konzern zuletzt tief in die roten Zahlen rutschte. Auch mit eher kuriosen Meldungen ließ BlackBerry aufhorchen und schaffte es, dass der US-TV-Star Kim Kardashian auf einer Konferenz über ihre Liebe zu den legendären Smartphones spricht. Man machte jedoch auch wieder mit dem Schlagzeilen, was eigentlich zum Kerngeschäft gehört, nämlich neuen Smartphones. Der BlackBerry Passport sorgte aufgrund der eigenwillige quadratischen Form bereits bei seiner Ankündigung für Aufsehen. Die futurezone hat das Gerät mit dem eigenwilligen Bildschirmverhältnis und der Hardware-Tastatur getestet.

BlackBerry Passport
Foto: Thomas Prenner

Das Äußere und die Bedienung

Wenn man dem Passport eines nicht absprechen kann, dann ist es sein Wiedererkennungswert. Es gibt wohl kein Smartphone am Markt, das auch nur annähernd so geformt ist, wie der neue BlackBerry. In der Praxis liegt das Handy trotz der exotischen Form erstaunlich gut in der Hand. Mit einem Gewicht von knapp 200 Gramm ist der Passport zwar kein Leichtgewicht, durch die gute Handhabung fällt das Gewicht im Alltag jedoch nicht unangenehm auf. Die Verarbeitung des Passport kann sich durchaus sehen lassen, das Gerät wirkt hochwertig und widerstandsfähig. Durch die mattschwarze Rückseite ergibt sich der typische Business-Look, den wohl ein großer Teil der BlackBerry-Kunden erwartet. Der Rahmen in Alu-Optik macht ebenfalls einiges her. Negativ fällt der relativ große Spalt zwischen Display und Gehäuse auf, der sich nach einiger Zeit als Staub- und Schmutzfänger entpuppt.

An der Oberseite befindet sich der Power-Button sowie der Anschluss für Kopfhörer, rechts liegen die Tasten zur Regelung der Lautstärke sowie eine Stumm-Taste, die auch den Sprachassistenten aufruft. Durch das gut neun Zentimeter breite Gehäuse, ist es bei einhändiger Bedienung mit dem Daumen kaum möglich, wirklich an alle Stellen des Touchscreens zu kommen, aus diesem Grund wird man den Passport zumeist zweihändig bedienen.

Die Tastatur

Ein Markenzeichen für BlackBerry ist nach wie vor die Hardware-Tastatur. Dieses Feature hält auch beim Passport wieder Einzug. Das QWERZ-Keyboard ist mit 29 Tasten ausgestattet und beinhaltet alle Buchstaben des Alphabets, abgesehen von Umlaute und dem scharfen S. Zusätzlich ist noch ein Backspace, Leerzeichen und Enter vorhanden. Alle weiteren Tasten, wie Zahlen, Satzzeichen und Sonderzeichen tauchen je nach Bedarf am Touchscreen, direkt über dem Hardware-Keyboard auf.

Beim Alltag mit der Tastatur wird einmal mehr deutlich, dass der Passport ein Zweihand-Gerät ist. Hält man das Handy etwa in der rechten Hand, schafft man es mit dem Daumen nur mit größter Mühe, die linken Tasten Q, A und Y zu erreichen.

BlackBerry Passport
Foto: Thomas Prenner

Das Schreibgefühl mit den Tasten erweist sich im Test als durchaus positiv. Die Druckpunkte sind klar fühlbar und die Form und Größe führen dazu, dass man nach kurzer Eingewöhnungsphase sicher und vor allem schnell tippen kann. Wünschenswert wäre jedoch gewesen, wenn BlackBerry der Tastatur eine zusätzliche Reihe mit Satzzeichen spendiert hätte. Jene braucht man sehr oft und es fühlt sich unnatürlich an, Punkt, Komma oder Fragezeichen oberhalb der normalen Tasten anzutippen. Zwar gewöhnt man sich auch daran, schneller wäre das Tippen jedoch mit dezidierten Tasten für die Satzzeichen.

Die Tastatur arbeitet standardmäßig auch mit Wortvervollständigung. Vorschläge, welches Wort man wohl gerade Tippen will, finden sich am Touchscreen ganz oben. In der Praxis ist diese Vorschlagfunktion zwar durchaus in Ordnung, mit vergleichbaren Android-Keyboards kann sie jedoch nicht ganz mithalten.

Die Tastatur ist nicht nur Tastatur, sondern auch Touchpad. Streicht man mit dem Finger über die Tasten, kann man in Apps wie dem Browser scrollen. Dieses kleine Feature erweist sich im Alltag als überaus clevere Ergänzung zum Touchscreen. Gerade beim Surfen ist es angenehm, scrollen zu können, ohne, dass der Finger dabei ins Blickfeld rutscht.

Das Display

Das Display des BlackBerry ist exakt quadratisch und weist eine Auflösung von 1440 x 1400 Pixel auf. Die Diagonale beträgt dabei 4,5 Zoll, wodurch man auf eine durchaus beeindruckende Pixeldichte von 453PPI kommt. Auch in der Praxis fällt das Display als überaus scharf auf. Helligkeit und Kontraste sind in Ordnung, wenngleich man sich draußen bei Sonnenschein oft wünscht, dass das Display eine Spur heller wäre. Die Farbdarstellung des Passport ist angenehm neutral und sorgt für ein fast lupenreines Weiß und natürliche Fotos. Auch als Touchscreen macht das Passport-Display eine gute Figur. Die Beschichtung sorgt dafür, dass die Finger angenehm sanft über das Glas gleiten und die Reaktionsgeschwindigkeit geht auch mehr als in Ordnung.

BlackBerry Passport
Foto: Thomas Prenner

Das quadratische Format ist im Alltag zwar gewöhnungsbedürftig, gleichzeitig in vielen Situationen auch durchaus angenehm. Gerade dann, wenn man längere Texte oder E-Mails liest, ist das quadratische Format sehr angenehm. Auch das Surfen auf Webseiten, die eigentlich für den Desktop ausgelegt sind, funktioniert mit dem Passport deutlich besser als mit einem rechteckigen Display. Nachteile hat man bei mobilen Apps, die eindeutig auf das Hochformat optimiert sind. Dazu zählt etwa Facebook, bei dem man mit dem Passport deutlich mehr scrollen muss.

Das Innenleben und der Akku

Im Inneren ist der Passport mit High-End-Hardware ausgestattet, die man unter anderem auch von einigen Android-Flaggschiffen kennt. Herzstück ist ein Snapdragon 801 von Qualcomm, der mit 2,26 GHz getaktet ist. Für die Grafik ist ein Adreno 330 verantwortlich, RAM sind drei GB vorhanden. Interner Speicher sind 32GB verbaut, was allerdings noch per microSD-Karte aufgestockt werden kann.

Der Akku hat eine Kapazität von 3450mAh, was im Test immer ausgereicht hat, um mit dem Smartphone durch den Tag zu kommen. Selbst an Tagen, an denen der Passport intensiv genutzt wird, kommt man Abends nicht in Stromnot. Nutzt man das Gerät weniger intensiv, schafft man es ab und an auch zwei Tage, ohne an die Steckdose zu müssen.

Die Kamera

Passend zum Display macht auch die Kamera des Passport standardmäßig quadratische Fotos mit einer Auflösung von 3120 x 3120 Pixel. Alternativ kann man das Fotoformat der Kamera auch auf 4:3 und 16:9 ändern. Maximal werden Fotos mit 4128 x 3096 Pixel geschossen.

BlackBerry Passport
Foto: Thomas Prenner

Die Qualität der Fotos geht in Ordnung, sofern man es schafft, richtig zu fokussieren. Gerade auf kürzere Distanzen präsentiert sich der Autofokus des Passport mehr als störrisch und sorgte so für unscharfe Aufnahmen. Auch in Sachen Geschwindigkeit zählt der Fokus nicht zu den schnellsten seiner Klasse.

 

Die Qualität der Fotos geht insgesamt dennoch in Ordnung, die Aufnahmen sind selbst bei suboptimalen Licht kontrastreich und ansprechend. der Funktionsumfang ist eher übersichtlich. Neben dem Automatikmodus kann man noch zwischen den Modi Aktion, Whiteboard, Nacht sowie Stand oder Schnee wählen. Wahlweise kann man auch einen HDR-Modus aktivieren.

Die Software

Der Passport ist mit BlackBerry OS 10.3 ausgestattet, das alle wichtigen Grundfunktionen eines modernen Smartphone-Betriebssytems bietet. Von früheren Blackberrys kennt man etwa den BlackBerry Hub, der E-Mails, Nachrichten sowie Benachrichtigungen von Online-Netzwerken wie Facebook und Twitter sammelt und in einer Liste darstellt. Vom Hub aus kann man auch direkt auf den entsprechenden Netzwerken einen Beitrag verfassen. In der Hub-Übersicht werden auch Notifications des Betriebssystems, wie etwa Update-Anforderungen, angezeigt.

Kommt man von iOS, Android oder Windows Phone braucht es dennoch einige Zeit, bis man sich in dem System gut zurechtfindet. Wie schon bei den früheren BlackBerrys navigiert man sich vorwiegend mittels Fingerwischen durch die Funktionen und Menüs. Will man etwa einen Überblick aller offenen Apps, streicht man von der unteren Kante des Displays in die Anzeige. So kommt man auch zur Übersicht aller installierten Apps, indem man von rechts nach links wischt. Wischt man von der oberen Kante in die Anzeige, bekommt man Schnelleinstellungen wie WLAN, Bluetooth, etc. zu Gesicht, ähnlich wie bei Android oder iOS.

Da das App-Angebot für BlackBerry immer noch sehr bescheiden ist, ist es seit einiger Zeit möglich, auch Android-Apps auf dem System zu installieren. Das Unternehmen ist eine Partnerschaft mit Amazon eingegangen, wodurch der Amazon-App-Store auf dem Passport vorinstalliert ist. Rund 300.000 Apps warten dort auf die BlackBerry-Kunden. Während man populäre Apps wie Spotify und Minecraft dort findet, fehlt aber auch viel. So gibt es etwa keine Netflix-App und natürlich keine einzige Google-App wie Gmail oder den Kalender. Jene können auch nicht per Installationsdatei (APK) nachinstalliert werden, da die Google-Apps den Hintergrundprozess Google Play Services benötigen. Über Drittanbieter-Lösungen ist es zwar dennoch möglich, diese Apps auf seinen BlackBerry zu bekommen, reibungslos laufen sie aber in den meisten Fällen nicht und auch das Aktualisieren stellt die User dabei vor Probleme.

Insgesamt laufen die Android-Apps auf dem BlackBerry mittelmäßig bis okay. Einfache Apps wie etwas Spotify sorgen meistens für keine Probleme, während etwa Spiele nicht immer so rund laufen, wie man es eigentlich erwarten würde.

Großer Fokus wird bei BlackBerry auf die Sicherheit gelegt. Daten des Passport können wahlweise mit 256-bit AES-Verschlüsselung gesichert werden. Außerdem können für einzelne Apps Berechtigungen, wie etwa der Zugriff auf den jeweiligen Standort, gesetzt bzw. reguliert werden.

BlackBerry Passport
Foto: Thomas Prenner

Fazit

BlackBerry hat mit dem Passport ein eigenwilliges Gerät mit viel Wiedererkennungswert abgeliefert, das in einigen Punkten durchaus positiv überraschen kann. Die Form des Smartphones kommt einem besonders dann zugute, wenn man lange Texte auf dem Smartphone lesen will, die Tastatur ist dann hilfreich, wenn man viel schreiben will.

Die Tastatur hinterlässt beim Test einen zwiegespaltenen Eindruck. Das Vorhandensein eines physischen Keyboards ist in vielen Situationen praktisch und auch der doppelte Einsatz als Tastatur und Touchpad ist bemerkenswert clever. Ärgerlich ist, dass etwa Satzzeichen fehlen, wodurch man auch nach einiger Eingewöhnungsphase beim Tippen einiges an Zeit liegen lässt.  

Zwiegespalten fällt auch das Urteil für die Software aus. Einerseits bietet das OS in Sachen Sicherheit und Grundfunktionen teilweise mehr, als die Konkurrenz. Will oder muss man allerdings viele verschiedene (Android-)Apps installieren, ist man schnell am Limit des Gerätes. Auch der Umstand, dass die installierten Android-Apps immer wieder eher schlecht als recht laufen, frustriert im Alltag manchmal.

Insgesamt ist der Passport ein exotisches Gerät, das durchaus das Potenzial hat, einige Fans zu finden. BlackBerry hat somit auch einen Weg eingeschlagen, der durchaus Zukunft haben könnte. Durch das Besinnen auf das, wofür man das Unternehmen kennt und auf eine Marke mit hohem Wiedererkennungswert könnte der Konzern in der Gunst der Kunden wieder aufsteigen.

Alle technischen Details zum BlackBerry Passport gibt es auf der offiziellen Webseite.

 

Disclaimer: Der BlackBerry Passport und eine Test-SIM wurden der futurezone für einen begrenzten Zeitraum von A1 zur Verfügung gestellt.

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  • Wird BlackBerry überleben?


(futurezone) Erstellt am 10.11.2014, 06:00

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