D-Link COVR-2202: Die Blumen sind nicht im Lieferumfang enthalten

© Gregor Gruber

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04/25/2019

D-Link COVR-2202 im Test: Mesh-WLAN mit Blumenvasen

Das COVR-2202 nutzt zwei Stationen statt der üblichen drei, punktet mit einer einfachen Einrichtung und hat einen nervigen Bug.

Routerst du noch oder mesht du schon? Mesh-WLAN-Systeme sind weiter auf den Vormarsch. Sie versprechen stabiles WLAN in alle Zimmer der Wohnung oder des Hauses zu bringen: Ohne die Nachteile von Repeatern oder zusätzliche Geräte, wie etwa Powerline-Adapter, die die Stromleitung zum Verteilen der Daten nutzen.

Dafür benötigen Mesh-WLAN-Systeme aber mehrere Stationen. Meist sind drei die Grundausstattung. D-Link will mit seinem COVR-2202 (ab 270 Euro bei Händlern) dasselbe mit nur zwei Stationen schaffen und verspricht eine Abdeckung von 550 Quadratmetern. Ich habe das System getestet.

Schnelles einrichten

Die Prämisse ist verführerisch. Zwei statt drei Stationen bedeutet: Ein Staubfänger weniger, eine Steckdose mehr frei und einmal weniger Kopfzerbrechen darüber, wo man die Station am besten platziert.

Das beschleunigt den Einrichtungsprozess, der komplett per App gemacht wird. Die App ist hier vorbildlich. Die Schritte sind verständlich erklärt, das Einrichten problemlos. Im Gegensatz zu Netgears Orbi klappte es auch beim ersten Mal, ohne Fehlermeldung. Inklusive Auspacken und Aufstellen ist alles in gut 20 Minuten erledigt gewesen.

Blumenvasen

Wie üblich wird die Hauptstation per LAN-Kabel mit dem Router/Modem verbunden. Die zweite Station benötigt lediglich einen Stromanschluss. Beide Stationen haben zwei Ethernet-Anschlüsse, wobei bei der Hauptstation einer durch das Kabel zum Router belegt ist.

Die Stationen selbst sind Weiß mit kupferfarbenem Akzent. Aufgrund ihrer dreieckigen, hohen Form und Farbe erinnern sie an Designer-Blumenvasen. Durch die eher schlanke Bauform lassen sie sich relativ gut in die Wohnlandschaft integrieren, trotz ihrer beachtlichen Höhe von 20 Zentimetern. Die LED-Beleuchtung lässt sich auf Wunsch deaktivieren, was beim „Verstecken“ der Stationen hilft.

Simple App, nervige Bugs

Die D-Link App setzt nicht nur beim Einrichten auf Simplizität, sondern auch beim Bedienen und Einstellen. Als Zusatzfunktion gibt es das Erstellen von Zeitplänen. Hier kann festgelegt werden, wann welche Geräte im WLAN online sein dürfen. Ansonsten ist die App eher feature-arm. Man kann zwar die Internetgeschwindigkeit messen, allerdings ist dies nicht automatisiert einstellbar und es gibt auch kein Protokoll der vorherigen Messungen.

Dafür gibt es aber einen sehr nervigen Bug. Selbst wenn das Gast-WLAN in der App deaktiviert ist, ist es als offenes WLAN sichtbar. Man kann sich zwar nicht mit Notebook oder Smartphone einloggen, dennoch ist es etwas, was mich stört. Wenn das Gäste-WLAN deaktiviert ist, dann hat das Mesh-WLAN gefälligst nicht die SSID öffentlich zu machen. Und schon gar nicht sollte es als offen angezeigt werden, was unnötig Aufmerksamkeit erregt und Leute geradezu einlädt zu versuchen, sich damit zu verbinden. Update: Laut D-Link wurde der Bug mit dem aktuellen Firmware-Update für das COVR-2202 behoben.

Ebenfalls nicht optimal ist, dass, sobald man eine Einstellung am WLAN geändert hat, das Mesh-WLAN einen Mini-Reboot macht. Schaltet man etwa das Gast-WLAN ab, sind für eine halbe Minute die Stationen nicht erreichbar. Will man in dieser Zeit noch etwas in der App machen, sieht man eine Fehlermeldung, laut der kein kompatibles D-Link-Gerät gefunden wurde. Es wäre doch nicht zu viel verlangt gewesen, in dieser Zeit ein „Bitte warten sie einen Moment, bis die Einstellungen übernommen wurden“-Text einzubauen, anstatt User halb aus der App zu schmeißen.

Verbindungsqualität

Normale Router versagen in meiner Wohnung, da durch diese eine tragende Wand verläuft. Deshalb kann ich nur mit einem Mesh-WLAN alle acht Räume vernünftig mit Internet versorgen. Der Netgear Orbi mit seinen drei Stationen schafft das problemlos. Von 150 möglichen Mbit/s, die UPC hergibt, waren es 149 Mbit/s im schlechtesten Fall.

Das COVR-2202 kann hier fast mithalten. Lediglich in zwei Zimmern werden keine 149 oder 150 Mbit/s geliefert, sondern im schlechtesten Fall 22 Mbit/s. Das sind genau die Zimmer, die beim Orbi durch die dritte Station abgedeckt werden. Zum Vergleich: Ein normaler WLAN-Router ohne Mesh bringt in diese Zimmer, im schlechtesten Fall, nur noch 0,41 Mbit/s.

Das COVR-2202 kann also nicht gänzlich ein System mit drei Stationen ersetzen. Es hat aber genügend Reserven, um mit einer Station weniger einen großen Bereich abzudecken – nur eben nicht mit der maximal möglichen Geschwindigkeit. Wer das unbedingt möchte, kann das COVR-2202 erweitern. Es werden maximal vier Stationen unterstützt. Damit sind aber natürlich die Vorteile des 2er-Setups weg.

Fazit

Das D-Link COVR-2202 (bei Händlern ab ca. 270 Euro) hat ausreichend Leistung, um große Bereiche mit nur zwei Stationen abzudecken. Hat man aber tragende Wände oder andere, WLAN-Strahlen-feindliche Hindernisse zu überwinden, muss man Abstriche bei der maximalen Übertragungsgeschwindigkeit machen.

Als sehr lästig empfinde ich den Bug, der das deaktivierte Gäste-WLAN trotzdem anzeigt (Update: Laut D-Link wurde der Bug mit dem aktuellen Firmware-Update behoben). Dafür ist aber die Einrichtung des Systems per App einfach. Das wird Nutzer freuen, die sich bisher nicht intensiv mit Mesh-WLAN-Systemen auseinandergesetzt haben.

Das COVR-2202 schlägt damit in eine spezifische Nische. Es ist für Kunden, die bereit sind viel Geld für gute Leistung auszugeben, aber gleichzeitig eine bequeme Lösung haben wollen, die wenig Aufwand zum Einrichten erfordert und sich möglichst dezent in der Wohnlandschaft integrieren lässt. Und diese Nische füllt das COVR-2202 gut aus.

 

Technische Daten auf der Website des Herstellers