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03.10.2018

E-Golf im Test lässt Vorfreude auf die elektrischen VW-Autos aufkommen

Der elektrische Golf besticht durch Fahrspaß und umfangreichen smarten Funktionen. Wir haben getestet, wie sich der elektrische VW im Alltag bewährt.

Der E-Golf von Volkswagen unterscheidet sich rein optisch kaum von seinem Bruder mit Verbrennungsmotor. Rein äußerlich erkennt man den elektrischen Golf nur durch die entsprechende Aufschrift und den blauen Akzenten im Frontbereich. Auch im Inneren ist kaum ein Unterschied auszumachen. Der E-Golf wurde also nicht als Elektroauto konzipiert. Er ist vielmehr ein normaler Golf, der quasi statt dem Tank und dem Verbrennungsmotor einen Akku und einen Elektromotor verpasst bekommen hat.

Ein Blick auf die Instrumententafel verrät allerdings schnell, dass es sich hier um ein E-Auto handelt. Wo beim herkömmlichen Golf die Drehzahlanzeige ist, befindet sich beim E-Golf die entsprechende elektrische Leistungsanzeige sowie die Restreichweitenanzeige.

Startet man den E-Golf ist ein leises Motorengeräusch zu vernehmen. Dieses stammt allerdings nicht vom Motor, sondern entspringt den Lautsprechern und wird künstlich erzeugt. Aber wer will schon ein künstliches Motorengeräusch wenn man in einem E-Auto sitzt. Daher lässt es sich auch schnell per entsprechenden Knopf im Bereich des Ganghebels deaktivieren.

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Erste Ausfahrt

Beim Fahren fällt dann schnell auf, dass alle Umgebungsgeräusche, sei es das Abrollgeräusch, ein kleines Schlagloch oder die Bremsen, bedeutend besser zu hören sind, als wenn der Verbrennungsmotor diese an sich recht leisen Geräusche übertönt.

Zum Fahren ist der E-Golf äußerst angenehm, da gibt es nichts auszusetzen. Durch den Eingangelektromotor zieht er beim Losfahren kräftig und ohne Unterbrechung an, bis man die "Reisegeschwindigkeit" erreicht hat. Ein Ampelduell zu gewinnen ist ein leichtes Spiel. Auch ein Überholvorgang auf der Landstraße, bei dem man von 70 auf 100 beschleunigt, ist mit dem E-Golf aufgrund seiner Leistungsstärke ein Kinderspiel. Das Drehmoment wird von VW mit 290 Nm angegeben, die Maximalleistung mit 100 kW, was rund 136 PS entspricht.

Beim Abbremsen wird rekuperiert, sprich die daraus gewonnene Energie zurück in den Akku gespeist. Wie stark die Rekuperation greift, lässt sich stufenweise am Lenkread regeln.

Generell verfügt der E-Golf über drei Fahrmodi: Normal, Eco und Eco+. Bei den zwei Eco-Modi wird Leistung aus dem Motor genommen und die Beschleunigung sowie die Höchstgeschwindigkeit reduziert, die Reichweite hingegen wird dadurch erweitert.

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Innenraum

Der Innenraum des E-Golf ist dominiert durch zwei große Displays - die Instrumentenanzeige und der touchfähige Infotainmentscreen in der Mittelkonsole. Daneben gibt es noch zahlreiche physische Tasten, die hauptsächlich für die Regulierung der Klimaanlage beziehungsweise der Heizung dienen.

Der Drehzahlmesser auf der linken Seite der Instrumentenanzeige ist beim E-Golf durch die entsprechende Energieanzeige ersetzt. Dort wird neben der Restreichweite und dem Ladezustand des Akkus auch der aktuelle Energiehunger sowie die Rekuperationsleistung angezeigt.

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Praktische Displays

Das Feld zwischen Tachometer und Energieanzeige ist variable bespielbar. Dort können Assistenzsystem, Fahrdaten, Infotainmentinformationen oder allgemeine Infos zum Fahrzeug angezeigt werden. Am eindrucksvollsten, aber auch am praktischsten ist dort die Navigationsanzeige. Beim Navigieren muss der Blick des Fahrers dann nicht mehr auf die Mittelkonsole gesenkt werden, was gerade im Stadtgebiet äußerst sinnvoll ist.

Das Lenkrad ist vollgepackt mit Knöpfen und Bedienelementen, die die notwendigsten Einstellungsmöglichkeiten abdecken. Tempomat und andere Assistenzsysteme, aktuelle Fahrdaten, Musikwiedergabe sowie Telefongespräche können direkt am Lenkrad geregelt werden. Außerdem kann hier auch die Stärke der Rekuperation eingestellt werden. Gerade beim Bergabfahren kann dadurch die Energierückgewinnung als effiziente Motorbremse genutzt werden.

Infotainment

Das Infotainmentsystem im E-Golf lässt kaum Wünsche offen. Das allgemeine Menü ist selbsterklärend, kommt in Kachel-Design und lässt sich auch während der Fahrt einfach und schnell bedienen. Dort können umfangreiche Daten zum Energieverbrauch der letzten Fahrten ausgelesen werden. Ebenso sind dort sämtliche Einstellungsmöglichkeiten des Fahrzeugs zu finden.

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Wer mit einem Smartphone fährt, kann sich per Bluetooth mit dem Auto koppeln und damit die Musikanlage beschallen oder Telefonieren. In der Mittelkonsole befindet sich ebenso ein USB-Port. Wird das Smartphone damit verbunden, lädt der Akku und das Smartphone kann als Audio-Quelle verwendet werden.

Android Auto

Außerdem besteht per USB-Verbindung die Möglichkeit das Smartphone mittels Android Auto mit dem Fahrzeug zu koppeln. Dann wird der reduzierte Android-Screen des Handys auf das Display in der Mittelkonsole gespiegelt. Zur Auswahl stehen dann, Navigieren, Telefon und Musik, sowie einige relevante Infos wie etwa das Wetter. Bei der Musikwiedergabe kann beispielsweise auf Spotify oder TuneIn zurückgegriffen werden.

Äußerst praktisch bei Android Auto ist, dass die Zieleingabe über Google Maps funktioniert. Es ist also nicht notwendig, eine vollständige Adresse samt Postleitzahl einzugeben. Wie man es vom Online-Dienst her kennt, reicht etwa die Suche nach Ortsnamen oder Geschäftsbezeichnungen. Auch die letzten Sucheingaben werden angezeigt, welche in der Regel durchaus relevant sein können.

Leider ist die Anzeige von Android Auto auf das Display in der Mittelkonsole beschränkt. Auf der Instrumententafel können Android-Auto-Infos nicht angezeigt werden, auch nicht die Navigation per Google Maps.

E-Golf im Internet

Wer das entsprechende Online-Zusatzpaket kauft, stattet das Auto mit einer Internetverbindung aus und kann auch einen WLAN-Hotspot errichten. Optional kann auch mit dem Smartphone ein Hotspot eingerichtet werden, über den sich das Auto dann mit dem Internet verbindet. Um die Funktionen des Car-Net in vollem Umfang nutzen zu können, ist nämlich eine aktive Internetverbindung notwendig.

Unter dem Car-Net auf dem Infotainmentscreen im Fahrzeug kann die Wettervorhersage für den aktuellen Standort, sowie für das Navigationsziel angezeigt werden. Dort können auch Nachrichten per RSS-Feed importiert, Sonderziele verwaltet, Routen importiert und Informationen zu Parkplätzen und Ladestationen angezeigt werden.

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Per App das Auto steuern

Car-Net ist aber nicht auf den Touchscreen in der Mittelkonsole beschränkt. Für dieses VW-Service stehen auch eine App sowie ein Online-Portal für den Desktop zur Verfügung. Praktisch ist etwa, dass man sich am Desktop speziellen Routen erstellen kann, welche sich dann über Car-Net ins Fahrzeug importieren lassen.

Über das Online-Portal lassen sich auch umfangreiche Daten und Statistiken über das Fahrzeug abrufen: Neben den aktuellen Infos über Restreichweite und Parkposition des Fahrzeugs, sind dort auch die vergangenen Fahrdaten, durchschnittlicher Verbrauch sowie Sicherheitseinstellungen verfügbar.

Hier kann man auch seine geplanten Abfahrtszeiten einstellen, sodass das Fahrzeug entsprechend und pünktlich vorgeheizt wird. Wird der Akku gerade geladen, wird dies samt Restladedauer im Car-Net ausgewiesen.

Die dazugehörige Car-Net-App ist allerdings recht behäbig, mit langen Ladezeiten und beschränktem Funktionsumfang. Aber auch in der App erhält man einen schnellen Überblick über die wichtigsten aktuellen Angaben zum Auto, etwa Ladezustand oder Restladedauer.

Assistenzsysteme

Die Rückfahrkamera hilft beim Ausparken den Überblick zu behalten. Der Abstandsmesser in Kombination mit dem Tempomat funktioniert einwandfrei und beschränkt die Fahrtätigkeit weitgehend auf das Lenken. Ist man einen intelligenten Tempomat nicht gewohnt, bekommt man bei dieser Funktion anfangs ein mulmiges Gefühl. Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase wird man das Feature allerdings lieben lernen.

Der Spurhalteassistent ist zwar eine praktische und sicherheitstechnisch bestimmt sinnvolle Sache, in der Praxis - vor allem zu Beginn - aber ebenso eine etwas ungewöhnliche Angelegenheit. Der Spurhalteassistent tritt nicht an, einem gewissen "Autopilot" Konkurrenz zu machen und das Fahrzeug selbständig von A nach B zu bringen. Vielmehr ist er als Sicherheitsfunktion zu verstehen, die den Fahrer davor bewahrt, in einer unachtsamen Sekunde von der Straße abzukommen.

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Reichweite

VW gibt die nominale Reichweite des E-Golf mit 300 Kilometern an. Lädt man das Fahrzeug vollständig auf, wird als Reichweite 288 Kilometer angezeigt. Um auf die 300 Kilometer zu kommen, muss beim Fahrmodus von "Normal" auf "ECO+" gewechselt werden. Aktiviert man die Klimaanlage, wird die angezeigte Reichweite gleich um ein gutes Dutzend Kilometer reduziert. Wie sich der E-Golf im Pendlerdasein bewährt, haben die Kollegen von motor.at bereits ausführlich getestet und festgehalten.

Bei einem Ausflug in den Wienerwald mit vollbesetzten Fahrzeug dient die Reichweitenanzeige nur mehr als grober Richtwert: Beim zügigen Bergauffahren reduziert sich die Reichweite rasch und lässt erste Reichweitenängste aufkommen. Beim längeren Hinabfahren und entsprechenden Bremsvorgängen, gewinnt man unter anderem durch die Rekuperation wieder an Reichweite dazu - die Reichweitenangst lässt nach. Eine verlässliche Angabe der Restreichweite ist dadurch nur mehr grob gegeben.

Bei dem 125 Kilometer langen Ausflug reduzierte sich die Reichweitenanzeige von 240 auf 120 Kilometer, was am Ende dann doch einer recht genauen Berechnung entspricht. Würde die Reichweitenanzeige etwas gelassener auf den unmittelbaren Verbrauch reagieren, wäre das Fahren über längere Strecken wesentlich entspannter. Als durchschnittlichen Verbrauch zeigt das Fahrzeug 12 kWh/100km an. Im innerstädtischen Verkehr steigt der durchschnittliche Verbrauch auf rund 16 kWh/100km.

Laden

Der Ladevorgang am E-Golf selbst ist denkbar einfach: Auto per Ladekabel mit der Ladestation verbinden und fertig. Der Ladevorgang wird automatisch optimiert und in der Regel selbständig gestartet.

Der Golf kann an einer herkömmlichen Steckdose, an einer Wallbox oder an öffentlichen Ladestationen geladen werden. Obwohl die meisten Ladestationen über entsprechende Ladekabel verfügen, empfiehlt es sich natürlich selbst Ladekabel mitzuführen.

Dankbarerweise wurde vom KURIER-Medienhaus im hauseigenen Parkdeck eine Wallbox zur Verfügung gestellt, sodass das Fahrzeuge in der Früh angeschlossen wurde und sich im Laufe des Arbeitstages vollständig aufgeladen hat.

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Smatrics-Ladestation am Gaudenzdorfergürtel

Smatrics-Ladestation am Gaudenzdorfergürtel

Smatrics-Ladestation

Smatrics-Ladestation

Ladebuchse am E-Golf

Ladebuchse am E-Golf

Ladekabel sollte man stets dabei haben

Smatrics-Ladestation am Gaudenzdorfergürtel

Smatrics-Ladestationen

Unterwegs wurde das Fahrzeug an Ladestationen von Smatrics aufgeladen. Nachdem man von Smatrics eine Ladekarte erhalten hat, ist das Laden an den Ladestationen selbsterklärend und denkbar einfach. Ladekabel anschließen, Karte vorhalten und den Start des Ladevorgangs bestätigen. An den meisten Smatric-Ladestationen kann man sich neben der Ladekarte auch mit der entsprechenden Smartphone-App authentifizieren. Praktisch ist, dass über die App angezeigt wird, ob eine bestimmte Ladesäule gerade besetzt ist. 

Bei der Smatrics-Station am Gaudenzdorfergürtel wurde der Akku des E-Golf mit einer CCS-Ladedose mit bis zu 50 kW in etwas weniger als 40 Minuten von 42 auf hundert Prozent vollständig aufgeladen. VW gibt an, dass per CCS-Ladestationen der Akku von quasi Null auf 80 Prozent in 45 Minuten geladen werden kann.

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In der Praxis

Die Mobilität mit einem E-Auto ist in der Praxis nicht dieselbe wie mit einem Verbrenner. Während man mit einem Verbrennungsmotor solange durch die Landschaft gondelt, bis sich eine Tankstelle anbietet, verlangt das E-Auto nach entsprechender Planung. Kann man das Fahrzeug regelmäßig am Arbeitsplatz oder in der eigenen Garage aufladen, erübrigt sich die halbe Planungsaufgabe.

Wer das Fahrzeug unterwegs aufladen muss, wird sich vorab erkundigen, ob am Weg entsprechende Ladestationen verfügbar sind. Sind keine Schnellladestationen, bei denen man mit 50 kW laden kann, vorhanden, wird die Planung schon etwas schwieriger. Denn an einer Wallbox oder an einer Wechselstrom-Ladestation mit 11 kW dauert eine Vollladung etwas mehr als fünf Stunden.

Bei den meisten Ladestationen kommt erschwerend hinzu, dass das Fahrzeug nach Beendigung des Ladevorgangs umgeparkt werden muss. Das Auto an einer öffentlichen Ladestation anschließen, während man eine mehrstündige Wanderung unternimmt, ist also nicht drin. Ebenso wenig kann daher das Fahrzeug etwa über Nacht an einer öffentlichen Ladestation angeschlossen werden. Wie lange der Ladevorgang noch dauert, zeigt die Car-Net-App oder die App des Ladestationsanbieters.

Preis

Der Preis des E-Golf beginnt laut VW-Website bei 39.390 Euro beziehungsweise bei 305 Euro monatlich. Im Vergleich zum herkömmlichen Golf ist dies ziemlich genau das Doppelte. Wer ein bisschen Sonderausstattung dazu nimmt, findet sich beim E-Golf schnell im Bereich von 45.000 Euro wieder.

Hier spielt der E-Golf dann doch in der gehobenen Mittelklasse: Ein Zoe von Renault ist laut Renault-Website bereits ab 24.990 Euro zu haben, ein Nissan Leaf ab 35.600 Euro.

Auch wenn die Reichweite bei einem Tesla Model 3 mit der größeren Akku-Variante höher ist als beim E-Golf braucht sich der elektrische Volkswagen keineswegs vor der Konkurrenz aus Übersee verstecken.

Nicht zu vergessen ist das umfangreiche Support-Ökosystem aus Händlern und Werkstätten, gegenüber jungen Playern am Automobilmarkt ein wesentlicher Vorteil ist. Vor allem wenn eine Panne oder ein Notfall auftritt, wird man dieses Support-Netzwerk zu schätzen wissen.

Ausblick

Der E-Golf ist eben kein Elektrofahrzeug, das von Grund auf für E-Mobility konzipiert wurde. Das erste "richtige" E-Auto von Volkswagen soll kommendes Jahr vorgestellt werden und voraussichtlich ab 2020 zu haben sein. 

Erst kürzlich hat der Volkswagen-Konzern seinen E-Antriebs-Baukasten für die kommenden Elektrofahrzeuge präsentiert. Die modulare Plattform wird bei Kompaktwagen ebenso die Basis bilden wie bei SUVs oder Vans.

Fazit

Natürlich wünscht man sich, dass die maximale Reichweite wesentlich mehr als 300 Kilometer beträgt, für Pendler und die allermeisten Alltagsstrecken reichen aber selbst die 300 Kilometer. Das größte Problem der Elektromobilität bleibt die öffentliche Ladeinfrastruktur.

Beim E-Golf kommt der Fahrspaß nicht zu kurz, das Infotainmentsystem lässt kaum Wünsche offen und der Innenraum sowie das Äußere sind geschmackvoll und zeitgemäß modern gestaltet.

Mit den großen Displays im Auto und der Verwaltung per App und Online-Portal sowie den umfangreichen Konnektivitätsmöglichkeiten im Fahrzeug selbst, ist Volkswagen längst im 21. Jahrhundert angekommen. Der E-Golf lässt Vorfreude auf die kommende elektrische I.D.-Familie von VW aufkommen, die dann von Grund auf neu gedacht und auf Elektromobilität ausgelegt sind.