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04.03.2015

Ein NFC-Chip so klein wie eine Micro-SD-Karte

Der österreichischen ams AG gelang ein Durchbruch bei der NFC-Miniaturisierung. Nun ist es möglich, die Funktechnologie auch in Wearables wie Smartwatches zu integrieren.

Das Unternehmen aus Unterpremstätten bei Graz gehört zu jenen, deren Teile in nahezu jedem Smartphone zu finden sind – die ams AG (bis 2012 hieß das Unternehmen austriamicrosystems) entwickelt analoge Halbleiterbauelemente, die in Sensoren, Energiemanagement-Systemen sowie bei Drahtlostechnologien zum Einsatz kommen. Nun gelang der ams AG ein Durchbruch in Sachen NFC-Chip.

Der Mini-NFC-Chip

In Kooperation mit ST microelectonics hat ams einen „NFC Booster-Chip“ entwickelt – einen NFC-Chip, dessen Antenne so klein ist, dass sie sogar auf einer Micro SD-Karte Platz hat, also auf eine Fläche von 8mm x 6mm passt. „Früher musste eine Antenne so groß wie ein Mobiltelefon sein und nahm die gesamte Rückseite eines Smartphones ein“, erklärt Thomas Riener, Marketing- und Strategie-Chef bei der ams AG. „Unsere Entwicklung zeigt, dass sich auch mit einer sehr kleinen Antenne Transaktionen gut und leicht durchführen lassen.“ Die ams-Lösung macht zudem möglich, dass Mobiltelefone mit NFC nachgerüstet werden können.

NFC-Chips für Wearables

Das ist insofern spannend, weil derzeit viele neue mobile Bezahlmethoden im Entstehen sind – ob Apple Pay, SamsungPay oder auch das in Österreich entwickelte Kwallet setzen auf NFC. Der Durchbruch der kleinen NFC-Antennen kommt zu einem günstigen Zeitpunkt, da NFC auch in Wearables – also smarten Uhren, Armbändern etc. – integriert werden kann. „Wir sind da bei einigen sehr spannenden Projekten dabei“, sagt Riener. „Ja, es sind auch Uhren dabei“, ergänzt er auf Nachfrage. Mit dem NFC Booster-Chip könnten etwa Smartwatches in mobile Fahrscheine oder auch in Bezahlkarten verwandelt werden.

Apple unter den Kunden

Mit welchen Kunden die ams AG kooperiert und welche Hersteller auf die NFC-Lösung von ams setzen, darf er nicht verraten. Anhand der Smartphones, die am Messestand zu sehen sind, kann man davon ausgehen, dass Samsung, Huawei oder auch HTC unter den Kunden sind. Vermutlich auch Apple, denn die ams AG hat auch im Silicon Valley eine Niederlassung und die befindet sich quasi gegenüber der Apple-Zentrale in Cupertino.

Enormes Wachstum

Die ams AG hat weltweit 1700 Mitarbeiter (1000 davon in Österreich) und befindet sich in einer ordentlichen Wachstumsphase, im vergangenen Jahr wurden weltweit 300 Mitarbeiter aufgenommen. Das Unternehmen machte 2014 einen Umsatz in der Höhe von 464 Millionen Euro, was ein Zuwachs um 23 Prozent verglichen mit 2013 ist. ams sieht sich übrigens nicht als Konkurrent von Infineon, das ebenfalls in Graz an NFC-Lösungen arbeitet. Infineon konzentriert sich stark auf Sicherheitslösungen im NFC-Bereich, also Cryptografie-Lösungen bei Bank- oder Kreditkarten-Chips.

Neues Produkt "Noise Cancellation"

In Barcelona stellte ams übrigens noch eine weitere Innovation vor. Für Huawei hat man geräuschunterdrückende Ohrstöpsel entwickelt, die künftig jedem Huawei-Smartphone beiliegen – beimHuawei Mate 7wird es bereits ausgeliefert.

Der Unterschied zu den bestehenden Noise Cancellation-Systemen, wie sie etwa Bose oder auch Sennheiser anbietet ist, dass die ams-Technologie auf einer analogen Geräuschunterdrückung basiert, die mit weniger Strom auskommt und von einem Chip „organisiert“ wird, der das analoge Signal nachbildet. Bei der digitalen Geräuschunterdrückung analysiert ein Microcontroller die Geräuschwelle und schickt eine Gegenwelle aus, die die Geräuschwelle sozusagen aufhebt/neutralisiert. Dafür ist hoher Energiebedarf notwendig, wodurch die digitalen Noise-Cancellation-Systeme große Batterien/Akkus benötigen. Die ams-Lösung kommt mit sehr kleinen Akkus aus.