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08.01.2015

Flache Quantenpunkte statt gebogenen TV-Geräten

Auf der CES vollziehen mehrere Hersteller den Schwenk zu Quantenpunkt-Displays. Auch der Hype um die gebogenen Fernseher scheint verflogen zu sein.

Die Fernseher-Hersteller schöpfen 2015 erstmals wieder Hoffnung. Die Durststrecke nach dem abflauenden Boom um HD-Flat-TVs soll dieses Jahr endlich enden, Experten rechnen mit 251 Millionen verkauften Geräten weltweit. Das entspricht einem Plus von zwei Prozent.

Verantwortlich dafür sind vor allem Modelle mit der farbenreichen Bildschirm-Technologie OLED sowie dem noch schärferen Ultra-HDTV, das vier mal so viele Pixel wie Full HD darstellen kann. Dennoch versuchen die Hersteller weiterhin, mit neuen Superlativen noch mehr aus dem Markt herauszuholen.

Günstiger als OLED, teurer als LED

Samsung verspricht beispielsweise mit seinen neuen „SUHD“-Modellen bis zu 64 Mal mehr Farben als zuvor, sowie einen Kontrast, der mit den immer noch kostspieligen OLED-Flat-TVs vergleichbar ist. Doch hinter Samsungs „SUHD“ verbirgt sich eine bereits länger bekannte Technologie, die auch von einigen anderen Herstellern, wie LG, TCL und Sony, eingesetzt wird.

Sogenannte Quantenpunkt-Bildschirme setzen auf Nanokristalle, die je nach ihrer Größe Licht in verschiedenen Farben abgeben können. Das Ergebnis ähnelt den OLEDs, Nachteile wie die hohen Herstellungskosten sowie die kurze Lebensdauer entfallen.

Damit soll die günstigen, aber qualitativ stagnierenden LCD-Flat-TVs mit LED-Hintergrundbeleuchtung abgelöst werden. Die Farbvielfalt und das kräftige Schwarz von Plasma- und OLED-Bildschirmen konnte so nie erreicht werden. Nachteil ist, dass für die Herstellung von Quantenpunkt-Bildschirmen meist auf das giftige Cadmium zurückgegriffen wird. Samsung und LG geben jedoch an, darauf zu verzichten.

Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Preis, sowohl LG als auch Samsung halten sich derzeit bedeckt. Es darf jedoch erwartet werden, dass sie teurer als aktuelle LED-Flat-TVs, aber günstiger als OLED-Modelle sein werden. Bei OLED-Fernsehern wurde erst vergangenes Jahr die Preisgrenze von 10.000 Euro unterschritten.

Dünn statt gebogen

2014 dominierten vor allem gebogene Bildschirme die CES, heute machen einige Hersteller bereits teilweise wieder einen Rückzieher. LG will künftig seine OLEDs auch als klassischen Flat-TV anbieten, Samsung setzt seine Hoffnungen auf „Bendables“, die auf Knopfdruck vom flachen in den gebogenen Zustand wechseln können.

Gebogene Fernseher sollen Kinoleinwände imitieren, doch der Nutzen ist umstritten. Doch auf der CES zieht derzeit mit dem Sony X90C ein flaches Modell alle Blicke auf sich. Der dünnste 4K-Fernseher der Welt ist mit nur 4,9 Millimetern schmaler als das iPhone 6.

Weltrekord

Den mit Abstand größten 4K-Fernseher präsentierte der chinesische Konzern TCL, der mit dem gebogenen 110-Zoll-Modell sogar einen Guinness-Weltrekord aufstellte. Wann und zu welchem Preis der Fernseher auf den Markt kommen wird, gab TCL jedoch nicht bekannt.

Sony X90C in Bildern

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Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Sony X90C

Hier macht wiederum Sharp ein verführerisches Angebot, das in den USA einen 4K-Fernseher für unter 1000 US-Dollar anbieten will. Hierzulande hat sich lediglich der chinesische Hersteller Hisense auf diesen Preiskampf eingelassen und bietet 4K-Modelle für unter 1000 Euro an.

Warten auf 4K-Blu-rays

So reizvoll hochauflösende 4K-Fernseher sein mögen, die Inhalte fehlen nach wie vor. Abhilfe könnte schon bald in Form eines 4K-Blu-ray-Players auf den Markt kommen. Panasonic zeigte auf der CES einen ersten Prototypen, bereits im dritten Quartal soll ein fertiges Produkt angekündigt werden.

Derzeit wird noch über die Spezifikation für den Blu-ray-Standard debattiert, spätestens kommendes Weihnachten sollen erste 4K-Blu-rays im Handel sein. Bis dahin bleiben Streaming-Dienste wie Netflix sowie Festplatten-Zuspieler die einzigen Quellen für 4K-Inhalte.

Android TV startet

Auch Googles Fernseher-Betriebssystem Android TV soll ab diesem Jahr verfügbar sein. Sony, Sharp und Philips liefern in den nächsten Monaten erste Fernseher mit der Android-Oberfläche aus. Die Partnerschaft soll die App-Entwicklung für Smart TVs erleichtern, Google will wiederum den hauseigenen Play Store vermarkten und mehr Filme und Musik verkaufen.

Es ist nicht der erste Versuch des US-Konzerns, das 2010 vorgestellte Google TV fand aber nur wenig Unterstützung in der Branche. Doch nicht nur Google drängt auf diesen Markt, auch Mozilla ( Firefox OS) und der Set-Top-Box-Hersteller Roku bieten TV-Herstellern ihre Software an. Samsung (Tizen) und LG (webOS) versuchen ihr Glück mit ihren eigenen Lösungen.

Netflix-Gütesiegel

Doch nicht nur mit technischen Innovationen will man locken. Streaming-Dienste wie Netflix erfordern keinen Fernseher mehr, Tablet oder Browser reichen bereits aus. Um die Zuschauer wieder vor den Fernseher zu bringen, kooperieren die Hersteller künftig mit Netflix. Bei nahezu allen Pressekonferenzen von TV-Herstellern war Greg Peters, Chief Streaming Officer bei Netflix, vertreten und präsentierte stolz das neue Netflix-Gütesiegel.

Nur Fernseher, die als „ Netflix Recommended TV“ geführt werden, sollen das beste Streaming-Erlebnis bieten. Sony, Sharp, Vizio und LG machen den Anfang weitere Geräte sollen folgen. Was sich genau hinter dem „besten Streaming-Erlebnis“ verbirgt, verriet Netflix jedoch nicht.

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Disclaimer: Redakteure der futurezone berichten vor Ort von der Consumer Electronics Show in Las Vegas. Die Reisekosten werden von der futurezone GmbH selbst sowie von Samsung und der CEA übernommen.