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08.07.2011

Geräuschunterdrückende Kopfhörer im Test

Mit dem Sommer kommt auch die Reisezeit. Damit man entspannt zum Urlaubsort kommt, möglichst ohne den üblichen Flugzeuglärm gibt es lärmreduzierende Kopfhörer. Die futurezone hat sieben Modelle getestet.

Bei Kopfhörern scheiden sich die Geister. Während einige auf In-Ear-Modelle schwören, sind für andere Around-Ear-Varianten die einzige Option, um Musik zu genießen. Jede Bauform hat Vor- und Nachteile. In-Ear sind die klassischen Ohrstöpsel. Sie sind kompakt und in allen Preiskategorien verfügbar. Noise Cancelling, also die Unterdrückung von Umgebungsgeräuschen, gibt es bei In-Ear-Kopfhörern meist nur in passiver Form. Der spezielle Kopfhörer wird dabei tiefer in den Gehörgang geschoben, als bei einem normalen In-Ear-Modell. Zwar werden bei diesen Varianten meist Gummischützer in drei verschiedenen Größen mitgeliefert, um sie dem Ohr anzupassen, dennoch ist eine längere Nutzung meist wenig komfortabel.

Around-Ear-Modelle umschließen die Ohrmuscheln und blocken bereits so passiv Umgebungsgeräusche. Da kein direkter Druck auf den Ohren ist, sind sie meist bequem zu tragen. Durch die Bauform sind sie aber auch schwerer und größer als In-Ears. On-Ears sind der Mittelweg. Die Kopfhörer liegen auf dem Ohr auf. Das ist meist weniger bequem als Around-Ears, dafür sind sie aber kompakter.

Geräusch-reduziert
Die futurezone testete On-Ear und Around-Ear-Kopfhörer, da diese bei langen Flugreisen bequemer zu tragen sind. Zudem sind sie mit einer aktiven Geräuschreduzierung ausgestattet. Durch Mikrofone erkennen die Kopfhörer Außengeräusche und mischen ein Signal hinzu, das den Störschall eliminiert. Speziell tiefe Geräusche lassen sich so entfernen, wie etwa das Brummen der Flugzeugtriebwerke. Deshalb werden die Kopfhörer umgangssprachlich auch als „rauschunterdrückend“ bezeichnet. Der Nachteil der Technik: Sie benötigt eine Stromquelle, also entweder Batterie oder Akku. Zudem kann die aktive Geräuschunterdrückung die Klangqualität negativ beeinflussen oder ein Grundrauschen entstehen lassen.

Getestet wurden die Kopfhörer mit MP3s (128, 192, 320 Kbit/s) und FLAC-Dateien in verschiedenen Musikrichtungen (Klassik, Rap, Metal, Musical, Pop, Rock, Electronic), Audiobüchern, Filmen und Dokumentation auf verschiedenen Geräten (Smartphone, iPod, iPad, Laptop, portable Spielkonsole). Der Test fand sowohl im Flugzeug statt, als auch bei normalem Straßenlärm und in geschlossenen Räumen bei ruhiger Umgebung sowie mit Hintergrundlärm.

Bose QuietComfort 15

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Bose

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Bose QuietComfort 15
Dieser Around-Ear-Kopfhörer (349 Euro) hat die beste Geräuschreduzierung der Geräte im Test. Ist diese eingeschaltet, wird nahezu jedes konstante Umgebungsgeräusch eliminiert. Für die Straße ist sie fast schon zu gut, da man Personen oder Fahrzeuge überhören könnte. Der QuietComfort 15 ist der lauteste Kopfhörer im Test. Will man also komplett in seiner Musik versinken, ist der QuietComfort 15 die richtige Wahl. Auch in Sachen Klangqualität ist dieser Kopfhörer Testsieger. Die Töne sind, solange man es mit der Lautstärke nicht übertreibt, klar und auch der Bass kann überzeugen. Für Sprache, etwa bei Hörbüchern, kann der Bass aber auch schon zu stark sein. Hier muss man sich mit Equalizer-Software behelfen. Der Tragekomfort ist gut, allerdings sind die Kopfhörer mit einem Gewicht von 207 Gramm nicht leicht.

Im Lieferumfang ist eine Tragetasche, ein zweites Kabel mit Fernbedienung und Mikrofon für Apple iPod und iPhone, sowie ein Adapter für den Flugzeug-Stecker enthalten. Perfekt ist der QuietComfort 15 aber nicht. Er ist nicht zusammenfaltbar und nimmt deshalb mehr Platz im Handgepäck ein. Zudem muss der Kopfhörer eingeschaltet sein, damit die Klangquelle wiedergegeben wird. Zum Betrieb ist eine AAA-Batterie nötig. Ist diese leer und keine Ersatzbatterie eingepackt, gibt’s nichts mehr zu hören. Laut Hersteller hält die Batterie, bei mäßiger Lautstärke, bis zu 35 Stunden.

Bose QuietComfort 3

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Bose QuietComfort 3
Der QuietComfort 3 (398 Euro) ist ein On-Ear-Modell und dadurch etwas kompakter. Zusammenfaltbar ist der QuietComfort 3 aber trotzdem nicht. Lautstärke und Tonqualität sind mit dem QuietComfort 15 nahezu ident. Nur wenn man sehr konzentriert zuhört, ist ein ganz leichter Hall im sonst satten und kräftigen Klang auszumachen. Die aktive Geräuschunterdrückung ist der des Modell 15 ebenbürtig. Ein brummendes, lautes Triebwerksgeräusch wird zum leisen, beim Musikhören kaum wahrnehmbaren, Hintergrundgesäusel. Da die Kopfhörer nur auf dem Ohr aufliegen und es nicht umschließen, ist es nicht ganz so leise wie beim QuietComfort 15.

Der Tragekomfort ist nicht ganz so gut wie beim größeren Modell. Der schmälere Rahmen und das On-Ear-Design geben anfangs das Gefühl, dass der Kopfhörer vom Ohr rutschen kann. Dafür ist er mit 145 Gramm aber auch leichter. Wie beim 15er muss der Kopfhörer eingeschaltet sein, um Ton wiederzugeben. Als Stromquelle kommt ein Akku zum Einsatz der bis zu 25 Stunden Betriebszeit verspricht. Zum Laden des Akkus muss dieser entfernt und in das Ladegerät eingelegt werden – Adapter für vier Regionen sind im Lieferumfang enthalten, ebenso wie eine Tragetasche, Flugzeug-Adapter und ein zweiter Akku.

Sennheiser MM550 Travel

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Sennheiser MM550 Travel
Der MM550 Travel (399 Euro) ist das Schweizer Taschenmesser unter den Kopfhörern im Test. Der Around-Ear-Kopfhörer kann zum leichteren Transport zusammengefaltet werden, wird per Kabel oder Bluetooth verbunden und hat auch Mikrofone für kabellose Telefonie eingebaut. Außerdem gibt es noch Steuertasten für das Auswählen und Pausieren von Songs, Lautstärke und das Abheben und Auflegen. Der Nachteil daran: Am rechten Kopfhörer sind acht Tasten, die teilweise mehrfach belegt sind. Da einige Tasten recht klein ausgefallen sind und man sie nicht sieht, wenn man den Kopfhörer auf hat, muss man sich daran gewöhnen, sie zu ertasten.

Lässt man die „Noisegard-Taste“ zwei Sekunden gedrückt, wird die aktive Geräuschunterdrückung ein- oder ausgeschaltet. Drückt man sie nur kurz, wird „Talk Trough“ aktiviert. Hier wird die Tonquelle stummgeschaltet und Töne von außen durchgelassen – etwa um sich mit dem Nachbarn oder der Flugbegleiterin zu unterhalten, ohne die Kopfhörer abnehmen zu müssen. Die Geräuschunterdrückung ist gut, aber nicht ganz so stark wie bei den Bose-Kopfhörern. Der Tragekomfort ist in Ordnung, im direkten Vergleich mit dem Bose QuietComfort 15 sitzt der MM550 aber etwas enger.

Die Tonqualität sinkt mit der Anzahl der elektronischen Helfer, die man beim MM550 einschaltet. Am besten klingt der Ton, wenn der Kopfhörer ganz abgeschaltet ist. Schaltet man nur den Kopfhörer ein, geht der Sound Richtung Mitte, ohne echte Höhen aber zumindest noch mit etwas Bass. Wird Noise Cancelling aktiviert, ist der Ton neutral, Bass gibt es kaum noch zu hören. Wird dann noch zusätzlich SRS aktiviert, was Surround-Sound simulieren soll, wird die Wiedergabe leiser und der Ton schal. Zudem neigt der MM550 dazu bereits bei etwas mehr Lautstärke bei den Höhen zu übersteuern. Das neutrale Tonprofil macht den MM500 gut für Hörbücher, Videospiele mit vielen Dialogen und für Filme.

Der MM550 wird mit einem Akku betrieben (bis zu zehn Stunden ohne aktive Geräuschunterdrückung, bis zu acht Stunden mit), der auch ausgewechselt werden kann. Der Akku kann über einen MicroUSB-Anschluss im Kopfhörer oder außerhalb geladen werden. Im Lieferumfang sind ein Ladegerät mit vier Steckern enthalten, eine Tragetasche, ein 6,3mm-Klinken-Adapter und ein Flugzeug-Adapter.

AKG K480 NC

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AKG K480 NC
Der K480 (149 Euro) ist ein faltbarer On-Ear-Kopfhörer und dadurch recht kompakt. Was der eigentliche Kopfhörer an Größe einspart, kommt aber durch das Modul wieder hinzu, dass die AAA-Batterie für die Geräuschunterdrückung enthält. Will man die Kopfhörer pur nutzen, kann man ein normales Kabel (im Lieferumfang enthalten), anstatt des zwischengestalteten Moduls nutzen. Mit 125 Gramm ohne Modul ist der Kopfhörer leicht ausgefallen, allerdings sitzt er auch ziemlich eng. Während bei anderen Modellen im Test der Bügel nur leicht für einen bequemen Sitz ausgezogen werden musste, passt der K480 nur in der größten Einstellung.

Der Kopfhörer geht weniger laut als die Modelle von Bose und Sennheiser, was aber immer noch ausreichend ist. Der Klang ist tiefenlastig und klingt fast schon zu dumpf. Das resultiert zwar in mehr Bass als beim Sennheiser-Kopfhörer (aber weniger als bei Bose), lässt aber Hörbücher und Filme nicht ganz so gut klingen. Bei Action-Videospielen stört der Hang zur Tiefe weniger. Die Geräuschunterdrückung ist schwächer als bei Sennheiser und Bose. Wird sie aktiviert, wird der Ton etwas lauter, der Klang aber nicht verändert.

Im Lieferumfang ist eine Tragetasche, ein Flugzeug-Adapter und ein 2,5mm- und 6,3-mm-Klinke-Adapter enthalten.

Gear4 GP01nc

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Gear4 GP01nc
Der Zubehörsteller hat erst kürzlich sein Sortiment um Kopfhörer erweitert. Der GP01nc (80 Euro) ist ein faltbares On-Ear-Modell. Bei den verwendeten Materialien dominiert Plastik, das sich nicht besonders hochwertig anfühlt und knirscht. Der Tragekomfort ist nicht besonders hoch: Der Bügel drückt am Kopf, die Kopfhörer an den Ohren. Die AAA-Batterie für die aktive Geräuschunterdrückung ist in einer kleinen Einheit am Kabel untergebracht. Dort kann auch die Lautstärke per Drehrad geregelt werden. Die Geräuschunterdrückung funktioniert nur mäßig – sie macht aus tiefen Brummen ein hohes Rauschen. Wirklich leiser wird es dadurch aber nicht.

Der Klang tendiert zur Mitte. Bei Höhen übersteuert der GP01nc schnell, ein wenig Bass kann man bei entsprechenden Songs raushören. Die Maximal-Lautstärke liegt zwischen Sennheiser und AKG. Das Maximum wird man aber kaum ausloten können, da das Übersteuern den Musikgenuss einschränkt.

Audio-Technica QuietPoint ANH-ANC7b

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Audio-Technica QuietPoint ANH-ANC7b
Der ANC7b (227 Euro) erinnert starkan den Bose QuietComfort 15, kommt aber nicht ganz an das Original heran. Der Tragekomfort ist ähnlich gut, jedoch sind die Ohrschalen eine Spur kleiner, was im direkten Vergleich am Ohrläppchen spürbar ist. Im Gegensatz zu Bose funktioniert der ANC7b auch ausgeschaltet bzw. ohne eingelegte AAA-Batterie. Der Ton ist dann aber sehr dumpf.

Die Dämpfung der Hintergrundgeräusche ist besser als bei Sennheiser, aber nicht so gut wie bei Bose. Dasselbe gilt für den Ton: Die Bässe sind weniger satt als bei Bose und die Höhen klingen weniger sauber. Etwas störend, zumindest für den Sitznachbarn im Flugzeug, ist der austretende Ton. Obwohl es eine Around-Ear-Konstruktion ist, dringt relativ viel Sound nach außen.

Im Lieferumfang ist eine Tragetasche, ein Kabel mit 1m Länge und eines mit 1,6m Länge, ein 6,3mm Klinken-Adapter und ein Flugzeug-Adapter enthalten.

Audio-Technica QuietPoint ATH-ANC1

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Audio-Technica QuietPoint ATH-ANC1
Der On-Ear-Kopfhörer ANC1 (107 Euro) sitzt ähnlich schlecht, wenn nicht noch schlechter, als das Modell von Gear4. Die Hörer liegen nicht gut auf dem Ohr und am Bügel ist keine Dämpfung angebracht. Zumindest kann man ihn falten, wodurch der Kopfhörer sehr kompakt wird. Der dünne Bügel macht keinen stabilen Eindruck. Dafür funktioniert aber die Geräuschdämmung recht gut und entschärft das tiefe Brummen der Flugzeugtriebwerke.

Der ANC1 funktioniert auch bei ausgeschalteter Lärmreduzierung, der Klang wird dann aber dumpf und flach. Die AAA-Batterie für die Geräuschdämpfung ist in einem Modul am Kabel untergebracht. Der Klang ist mittelmäßig. Zwar gibt es durchaus Bass, die Höhen behagen dem Gehör allerdings gar nicht.

Fazit
Leistungssieger ist der Bose QuietComfort 15, aufgrund seiner Geräuschdämpfung und des besten Klangs. Abschreckend ist jedoch der hohe Preis. Die Kopie von Audio-Technica wäre empfehlenswert, wenn sie 150 Euro oder weniger kosten würde – 227 Euro sind schon leicht über der Schmerzgrenze.

Das Sennheiser MM550 wiederum bietet am meisten Funktionen, die Tonqualität entspricht aber nicht dem UVP von 399 Euro. Das beste Preis/Leistungsverhältnis der Kopfhörer im Test hat am ehesten der AKG K480 – solange man bevorzugt moderne Musik hört und nicht Filme oder Serien damit schauen will.