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Test GlocalMe: Weltweites Roaming ohne SIM-Karte.

GlocalMe
GlocalMe - Foto: GlocalMe
GlocalMe verspricht einfaches und günstiges Daten-Roaming in mehr als hundert Ländern der Welt. Ob das Gerät hält was es verspricht, haben wir uns angesehen.

In der EU hat sich die nervige und kostspielige Sache mit dem Roaming offenbar bald aufgehört. Bei einem Aufenthalt außerhalb Europas bleibt das Roaming-Problem aber weiter bestehen.

Wer - so wie in meinem Fall - Drei-Kunde ist, hat mit den entsprechenden Tarifen leider keine Möglichkeit, ein Datenroamingpaket für die USA zu erstehen. Gerade bei einer Dienstreise ist es fast unerlässlich, permanent erreichbar zu sein. Also habe ich mir für einen fünftägigen USA-Aufenthalt das Datenroaming-Gadget GlocalMe G2 angeschafft.

Das Smartphone-ähnliche Gerät verspricht unkompliziertes und kostengünstiges 4G-Daten-Roaming per Cloud-SIM in mehr als hundert Ländern. Benötigt wird dafür lediglich das Gerät (rund 150 Euro), das mit Guthaben aufgeladen wird.

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Foto: GlocalMe

Cloud-SIM

Wie die Cloud-SIM-Technologie von GlocalMe beziehungsweise dessen Partner uCloudlink genau funktioniert, wird nicht an die große Glocke gehängt. Auf deren Homepage ist lediglich zu erfahren, dass das G2 mithilfe der Cloud-SIM auf eine SIM-Farm zurückgreift, in der die SIM-Karten der einzelnen Telekomanbieter hinterlegt sind. Dadurch kann GlocalMe in den verschiedenen Ländern auf unterschiedliche Netze zurückgreifen.

"Die Cloud SIM Technologie funktioniert anhand eines Algorithmus - das Gerät sendet ein Signal an den zentralen Cloud-Server, der dann wiederum das beste und preiswerteste Netzwerk in der Umgebung aufspürt - so kann garantiert werden, dass der Nutzer die schnellste und stabilste Internetverbindung bekommt", heißt es dazu von GlocalMe auf futurezone-Nachfrage.

In der Praxis

Obwohl das G2 meist eine 4G-Verbindung angezeigt hat, fühlte sich die Verbindungsgeschwindigkeit oft wesentlich langsamer an. Speedtest-Messungen ergaben auch, dass die Downloadgeschwindigkeit nicht über 8 Mbps hinauskam, die Upload-Geschwindigkeit erreichte maximal 3,20 Mbps. Der Ping lag bei den Messungen stets jenseits der Marke von 100 Millisekunden.

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Foto: GlocalMe

Während des viertägigen USA-Aufenthalts hat das G2 jedenfalls tadellos funktioniert. Es war ohne gröbere Ausfälle und zu einem vergleichsweise günstigen Preis möglich permanent online zu sein. In nicht ganz vier Tagen sind rund 800 Megabyte über den G2 an mein Smartphone bzw. Laptop gewandert.

Die WLAN-Verbindung zwischen dem G2 und dem Smartphone bzw. dem Laptop war tadellos stabil. Im Hotelzimmer war die Reichweite des WLAN-Netzes ausreichend, um auch am anderen Ende des Zimmers online sein zu können. Als ich unterwegs war, hatte ich den GlocalMe-Hotspot entweder in der Manteltasche oder tief verpackt im Rucksack, was einer stabilen Verbindung nichts anhaben konnte.

Ausflug nach Mexiko

Das gebuchte GlocalMe-Guthaben gilt für Regionen, in diesem Fall für USA, Kanada und Mexiko. Das bedeutet, dass es vorkommen kann, dass nicht die nationalen Netze verwendet werden, sondern die der Nachbarländer.

Und das ist tatsächlich passiert. So hat sich das Gerät plötzlich als Mexikaner ausgegeben und war über ein mexikanisches Mobilfunknetz verbunden. Dadurch wurde nicht nur die Übertragungsgeschwindigkeit deutlich reduziert, es waren auch manche Online-Dienste etwas verwirrt. Meinen Accounts bei Instagram und Facebook kam das spanisch vor: Ich wurde sicherheitshalber ausgeloggt und konnte mich erst nach einer erneuten Zwei-Faktor-Authentifizierung wieder anmelden.

Preisvergleich und Konkurrenz

Um das G2 mit Guthaben aufzuladen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder entscheidet man sich für die Pay-As-You-Go Option und lädt Guthaben auf, das man dann in sämtlichen Ländern - also länderübergreifend und ortsunabhängig - nutzen kann, oder man kauft zeitlich beschränkte Datenpakete, die entweder auf ein Land oder eine Region, beispielsweise Europa, begrenzt sind. Ein Datenguthaben für ein Gigabyte in der Region Nordamerika - also USA, Kanada und Mexiko - kostet für die Dauer von 30 Tagen zwölf Euro. Aufladen kann man das Guthaben mit der dazugehörigen Smartphone-App oder über die GlocalMe-Website. 

Das Gerät selbst kostet 154 US-Dollar und ist aktuell nicht einfach zu bekommen. Der Nachfolger des G2, der GlocalMe U2 kostet auf Amazon 149 Euro. Dieser unterstützt deutlich mehr Frequenzbereiche als der Vorgänger und kann auch eine microSIM-Karte aufnehmen. Das Konkurrenzprodukt, der Skyroam Global Hotspot, der in etwa dasselbe verspricht wie das G2, kostet 99 US-Dollar.

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Foto: GlocalMe

Skyroam bietet mit einem 99 US-Dollar teurem Device ein recht ähnliches Angebot wie GlocalMe mit dem G2. Bei Skyroam werden unlimitierte Tagespässe ab einem Preis von acht US-Dollar beworben. Bei KnowRoaming kostet der notwendige SIM-Sticker 30 US-Dollar, unlimitierte Datenpakete sind ab 7,99 US-Dollar am Tag zu haben.

Mobilfunker Drei bietet nach wie vor keine Roamingpakete für die USA an. Bei T-Mobile kostet ein siebentägiges 800 Megabyte großes Roamingpaket für die USA, Europa und Türkei 15 Euro; oder man zahlt fünf Euro für 50 MB pro 24 Stunden in den USA. A1 verlangt für ein Daten-Roamingpaket außerhalb der EU zwischen 29,90 und 129,90 Euro (100 Megabyte bis 750 Megabyte).

SIM-Karte als Alternative?

Im Vergleich zu einer SIM-Karte des jeweiligen Gastlandes wird es GlocalMe preislich wohl nicht aufnehmen können. Je nachdem wie lange man sich in einem Land aufhält und wie oft man es besucht, kann das G2 aber durchaus seine Vorteile ausspielen: Eine SIM-Karte anzuschaffen ist - vor allem bei einem Kurzaufenthalt - oft gar nicht so einfach und mit einigen Mühen verbunden. Außerdem verfällt die Gültigkeit von Prepaid-SIM-Karten, wenn man sie länger nicht benutzt. Wer bereits eine SIM-Karte für ein bestimmtes Land besitzt, kann einen der beiden SIM-Karten-Slots am G2 dafür verwenden.

Wie es in den einzelnen Ländern aussieht, müsste man von Fall zu Fall prüfen, da sich Tarife und angebotene Roamingpakete schnell ändern können. Vor allem durch die von der EU geplante Abschaffen der Roaming-Gebühren in Europa, wird sich wohl einiges ändern.

Das Gerät

An der rechten Seite befinden sich drei Knöpfe: Lauter, Leiser und Ein/Aus. Auf der gegenüberliegenden Seite ist ein Micro-USB-Anschluss zu finden sowie zwei SIM-Karten-Slots. Am unteren Ende befindet sich ein regulärer USB-Anschluss vom Typ A, an dem Geräte zum Laden angeschlossen werden können.

Der mobile Router lässt sich auch als Powerbank nutzen, der 6000 mAh starke Akku bietet ausreichend Energie für ein bis zwei Smartphone-Aufladungen. Der Akku wird per microUSB oder USB wieder befüllt. Am Display des G2 wird angezeigt, wie viel vom Datenvolumen bereits vebraucht wurde bzw. wie viel Guthaben noch übrig ist.

Das G2 hat ungefähr die Größe eines iPhone 4, ist aber wesentlich dicker und hat deutlich mehr Gewicht. Es wiegt 353 Gramm, ist 117 Millimeter lang, 64 Millimeter breit und 21 Millimeter stark. Da der Bildschirm ohnehin nur für Konfigurationszwecken verwendet wird, fällt die schlechte Displayqualität nicht negativ auf.

Die Bedienung des G2 ist denkbar einfach. Nachdem die Konfiguration einmal erledigt ist, braucht man im Alltagsbetrieb eigentlich nichts mehr machen, außer vielleicht ein- und ausschalten. Als Betriebssystem läuft auf dem G2 eine veränderte Android-Version.

Fazit

Für Vielreisende und Globetrotter ist das GlocalMe G2 ein praktischer und durchaus empfehlenswerter Wegbegleiter, da man damit permanent zu einem vergleichsweise günstigen Preis online sein kein, ohne sich um einzelne Roamingpakete oder SIM-Karten zu kümmern. Was das klobige Gerät betrifft, würde man sich eine abgespeckte Version wünschen. Auch der einmalige Anschaffungspreis des G2 beziehungsweise des Nachfolgers U2 von rund 150 Euro ist etwas hoch gegriffen.

Ob Roaming via GlocalMe tatsächlich billiger ist, muss jeder für sich anhand seiner individuellen Ansprüche entscheiden. Weniger aufwändig als der Kauf von SIM-Karten und die Verwaltung einzelner Roamingpakete ist das Reisen mit GlocalMe jedenfalls.

(futurezone) Erstellt am 20.03.2017, 06:00

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