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Mobilfunk
04/29/2015

HoT drei Monate nach dem Start bei 167.000 Kunden

Hofer und Ventocom sind mit dem Start der Mobilfunk-Marke HoT zufrieden. Noch heuer wird es LTE und ein Roaming-Angebot geben, die Rufnummernmitnahme wurde vereinfacht.

von Martin Stepanek

Drei Monate nach dem Start haben die Verantwortlichen der neuen Mobilfunkmarke HoT von Hofer eine erste Zwischenbilanz gezogen. Diese fällt erwartungsgemäß positiv aus. Laut Ventocom-Chef Michael Krammer, der hinter dem Markenlaunch steht, konnten in den ersten drei Monaten 167.000 Kunden gewonnen werden. Dabei handle es sich nicht um einmal eingelegte SIM-Karten, sondern aktive Kunden, die auch bezahlte Aktivitäten durchgeführt haben. 65 Prozent der Kunden nutzen den HoT flex-Basistarif, bei dem pro Minute und SMS sowie pro Megabyte abgerechnet wird.

Hot flex am beliebtesten

Krammer erklärte dies damit, dass viele Kunden ihre Bindungsfrist bei bestehenden Mobilfunkverträgen abwarten und dann auf Tarifpakete wie HoT fix mit inkludierten Minuten und Daten umsteigen würden. Das Datenpaket um 6,90 Euro pro Monat wird nur von sechs Prozent der Kunden genutzt. Besonders erfreulich ist laut Krammer, dass bereits 30.000 Kunden die automatische Aufladung mit hinterlegten Kreditkarten oder Einzugsermächtigungen nutzen.

Der Trend zur Online-Aufladung sei stark spürbar. 53.000 Aufladungen wurden im Netz durchgeführt, im vergangenen Monat seien zudem erstmals mehr Aufladungen online als über gekaufte Bons in Hofer-Geschäften abgewickelt worden. Vereinfacht wurde zudem die Rufnummern-Mitnahme, die nun ebenfalls komplett online durchgeführt werden kann. "Den von der Behörde vorgeschriebenen Weg der Portierung ohne Verkaufsgeschäft abzuwickeln, war eine große Herausforderung und auch eine Lernkurve. Wir haben den Prozess nun so in die Online-Welt umgesetzt, dass alles mit wenigen Klicks funktioniert. Die anderen Mobilfunker machen diesbezüglich bisher keine Probleme", sagte Krammer bei einem Pressegespräch in Wien.

Viele portierte Nummern

Der Erfolg von HoT lasse sich auch an der Anzahl der mitgenommenen Nummern ablesen. Von knapp 48.000 portierten Nummern im ersten Quartal 2015 seien 44 Prozent der Kunden zu HoT gewechselt. Damit habe man fast so viele Kunden von einem Mobilfunker-Wechsel überzeugen können wie alle anderen Mobilfunker zusammen, so Krammer. "Gerade im SIM-only-Bereich haben die etablierten Anbieter bereits mit neuen Preismodellen reagiert. Und Bestandskunden werden teilweise mit aggressiven Lockangeboten zum Bleiben im Vertrag animiert", sieht Krammer erste Auswirkungen des HoT-Starts auf die Branche.

Was die Zukunft des Hofer-Mobilfunkers angeht, zeigte sich Krammer recht zugeknöpft. Man werde noch 2015 LTE anbieten, ob dies im Rahmen eines eigenen Tarifs oder eines Zusatzpakets stattfinden wird, werde derzeit noch geprüft. Fix ist allerdings, dass spätestens im Mai Roaming-Pakete angeboten werden. Diese zielen weniger auf Geschäftsleute als auf Urlauber ab, so Krammer zur futurezone. Die Ausführungen von Krammer deuteten darauf hin, dass Roaming-Pakete befristet dazugebucht werden können - genaueres dazu werden Ventocom und Hofer in Kürze bekanntgeben. Das Angebot soll das ganze Jahr nutzbar sein.

Weiteres Mobilfunkangebot geplant

Neben der weiteren Entwicklung der Hofer-Marke will Ventocom als virtueller Netzbetreiber im Netz von T-Mobile 2015 eine zweite neue Mobilfunkmarke im Markt einführen. Mit welchem Partner dieses Angebot umgesetzt wird, wollte Krammer noch nicht verraten. Es handle sich aber definitiv nicht um einen Partner aus dem Handel, da man mit Hofer in dem Bereich bereits ausgelastet sei. Als mögliche Branchen nannte Krammer Versicherungen, Banken, Medienhäuser und auf Nachfrage auch Sportvereine. Seit einiger Zeit wird spekuliert, dass etwa auch Rapid, dessen Präsident Krammer ist, mit einem Mobilfunkangebot experimentieren könnte.

Die Rolle von Mobilfunkern in der Branche sieht Krammer nicht zuletzt durch Player wie Ventocom differenziert. "Dadurch, dass wir Marketing und Vertrieb an Partner wie Hofer auslagern, sind wir viel flexibler als Mobilfunkanbieter. Normalerweise gehen 25 Prozent des Umsatzes für diesen Bereich drauf. Auch der starke Fokus auf den Online-Verkauf zeigt, dass ganz neue Geschäftsmodelle möglich sind", sagte Krammer auf Nachfrage der futurezone. Beschwerden der Mobilfunker, wonach diese für den teuren Netzaufbau aufkommen müssten, die überwiegenden Nutznießer aber nur Content-Anbieter wie Google und Facebook seien, kann Krammer nicht nachvollziehen.

"Wenn die Datennutzung durch attraktive Dienste stimuliert wird und dies zu einer starken Nutzung der Mobilfunk-Angebote führt, dann haben immer alle etwas davon. Das ist höchsten die Frage, wie man als Mobilfunkanbieter die richtigen Preismodelle wählt", meinte Krammer. Gefährlich werde es nur, wenn die marktdominierenden Content- und Applikationsanbieter selbst zu Netzbetreibern werden. "Google als Mobilfunker halte ich schon für bedenklich. Auch wenn ich absolut kein Anhänger von Regulierung bin - aber wenn solche Komplettmonopolisierungen drohen, dann müssen die Behörden einschreiten", so Krammer.