© Gregor Gruber

Produkte
01/28/2019

Huawei Honor View 20 im Test: Das Handy mit dem Loch im Display

Das View 20 ist das erste Smartphone mit Selfie-Loch in Europa, will aber auch mit der 48-Megapixel-Hauptkamera überzeugen.

von Florian Christof

Apple hat mit iPhone X aus dem Notch ein Stilelement gemacht. Nahezu alle Hersteller folgten und schickten ebenso Smartphones mit der markanten Einkerbung ins Rennen. Nach etwas mehr als einem Jahr scheint sich der viel gehasste Notch nun wieder langsam aus der Smartphone-Welt zu verabschieden.

Ersetzt wird der schwarze Balken durch ein kleines Loch im Bildschirm, hinter dem sich die Selfie-Kamera versteckt. Und das ist gut so, wie das Honor View 20, das erste in Europa präsentierte Smartphone dieser Art, zeigt.

Ein Loch für Selfies

Obwohl das Selfie-Loch in der oberen rechten Ecke nicht viel weniger Bildschirmfläche wegnimmt, als dies etwa bei einem schmalen Tropfen-Notch der Fall ist, wirkt die kreisrunde Aussparung wesentlich leichter und unauffälliger. In der Praxis stört das Selfie-Loch kaum. Auf diese Weise kann sich das 6,4 Zoll LC-Display - nahezu - in seiner vollen Größe zeigen. Honor selbst spricht von einer Screen-to-Body-Ratio von 91,8 Prozent.

Da das Selfie-Loch nicht weiter in den Bildschirm ragt als die Notification-Leiste, stellt die Aussparung bei den meisten Apps kein Hindernis dar. Bei manchen Full-Screen-Apps kann es allerdings passieren, dass das Kameraloch etwas verdeckt, wie sich im Test gezeigt hat. Hauptsächlich ist dies bei der Betrachtung von Fotos oder Gaming-Apps der Fall.

48 MP Kamera

Honor-Chef George Zhao wurde bei der Präsentation des View 20, die in Paris stattgefunden hat, nicht müde zu erwähnen, dass das View 20 das iPhone Xs Max nicht nur in Sachen Screen-Design, sondern auch bei der Kameraqualität in den Schatten stellt. Mehrere Demonstrationen auf der Bühne sollten das beweisen.

Der erste Eindruck der Hauptkamera ist tatsächlich äußerst vielversprechend: Der 48-MP-Sensor von Sony ist in der Lage selbst bei nicht allzu guten Lichtverhältnissen erstklassige Bilder zu schießen.

Wie sich im Test gezeigt hat, ist das View 20 in der Lage die fotografierte Szenerie zu erkennen und die Fotos entsprechend anzupassen. Egal ob in der Nacht, bei Kunstlicht oder bei gutem Lichtverhältnissen - unterm Strich zählt die Kamera des Honor View 20 zu den besten Smartphone-Kameras. Auch der Portrait-Modus, bei dem ein künstlicher Bokeh-Effekt mit Tiefenschärfe erzeugt wird, funktioniert einwandfrei. Das Objekt oder das Gesicht im Vordergrund wird dabei ohne Fehler oder schwammigem Rand erkannt und hervorgehoben.

Durch das Single-Kamera-Setup muss man beim Honor View 20 auf eine Weitwinkellinse ebenso verzichten, wie auf eine optische Zoom-Funktion. Das will Honor durch die hohe Auflösung von 48-Megapixel ausgleichen.

Auch die Selfie-Kamera, die ohne zusätzlichen Sensoren auskommt und sich in dem 4,5 mm großen Kameraloch verbirgt, nimmt qualitativ hochwertige Fotos auf, die kaum Wünsche offenlassen.

3D-Kamera

Unterstützt wird das Single-Kamera-Setup von einem KI-Algorithmus sowie von einer 3D-ToF-Linse, die dabei hilft, räumliche Informationen zu sammeln, Objekte zu erkennen und die Fotos entsprechend zu verbessern. Das sei wesentlich effizienter als ein Kamera-Setup mit mehreren Linsen, wie der Honor-Chef gegenüber Journalisten erklärt.

Zur Anwendung kommt die 3D-Kamera hauptsächlich bei AR-Anwendungen. Unter anderem kann Honor dabei mit 3D-Emojis aufwarten. Ähnlich wie Apples Animojis imitieren die 3D-Emojis die Kopfbewegungen und Gesichtsausdrücke des Nutzers. Auch bei Gaming-Apps nutzt Honor die 3D-Kamera. Derzeit werden die Spiele Fancy Skiing sowie Fancy Darts unterstützt und können mithilfe von 3D-Motion gesteuert werden.

Display von Rand zu Rand

Der LCD-Screen kann mit seiner Farbdarstellung mit einem OLED-Bildschirm natürlich nicht mithalten. Die Farben werden im Gegensatz zu einem OLED blasser und nicht so natürlich dargestellt. Für einen LCD-Bildschirm gibt es aber dennoch kaum etwas auszusetzen, zumal sich in den Einstellungen die Farbdarstellung eines OLED-Screens imitieren lässt, was an und für sich recht gut funktioniert.

Das Display besticht vor allem durch seine Größe und kommt durch das randlose Design - dank des Kameralochs - wesentlich besser zur Geltung als mit einem schwarzen Balken-Notch.

Betriebssystem

Das View 20 kommt mit Android 9.0 Pie. Beim Betriebssystem setzt Honor auf sein eigenes Magic UI, was dem EMUI-Betriebssystem von Huawei sehr stark ähnelt - nur mit leicht geänderten, etwas bunteren Farben.

Vorinstalliert sind eine Reihe von Honor- beziehungsweise Huawei-Apps. Überraschenderweise lassen sich die meisten davon deinstallieren. Positiv ist, dass die Bloatware-Apps nicht weiter aufdringlich sind und einem versuchen ins Honor- beziehungsweise Huawei-Ökosystem zu ziehen.

Praktisch ist die durch Android 9.0 eingeführte Screentime-Management-Funktion. Dabei bekommt man ein besseres Gefühl für seine Smartphone-Gewohnheiten und sieht welche Apps am häufigsten beziehungsweise wie lange verwendet werden. Außerdem kann man versuchen mithilfe von Gamification seine Screentime zu reduzieren und bestimmte, zeitfressende Apps weniger häufig zu verwenden. Wenn dieser spielerische Zugang nicht die gewünschten Erfolge bringt, kann die Verwendung einzelner Apps auch limitiert werden.

Technische Spezifikationen

Angetrieben wird das Honor View 20 von Huaweis Kirin 980, der auch beim aktuellen Huawei-Spitzenmodell Mate 20 (Pro) zum Einsatz kommt. Das Huawei P20 und P20 Pro setzen noch auf den Vorgänger, den Kirin 970. Auf dem Kirin-Chip ist auch eine Dual-NPU (Neural Processing Unit) für künstliche Intelligenz integriert, welche wohl hauptsächlich bei den Kameraanwendungen zum Einsatz kommt.

Bei der Leistungsfähigkeit spielt das View 20 in der oberen Liga mit. Wie die Benchmark-Ergebnisse zeigen, kann es mit anderen Flaggschiff-Modellen nicht unbedingt mithalten, gehört aber stets zur Spitzenklasse.

Das View 20 verfügt über sechs beziehungsweise acht GB RAM. Für den internen Speicher hat man die Wahl zwischen 128 und 256 GB. Geladen wird per USB-C, eine kabellose Lademöglichkeit gibt es nicht.

Ein klassischer 3,5mm-Kopfhöreranschluss steht ebenso zur Verfügung wie ein IR-Modul, sodass das View 20 auch als Universalfernbedienung verwendet werden kann.

Handhabung und Verarbeitung

Das Honor View 20 liegt trotz seiner Größe gut in der Hand und der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite ist mit dem Zeigefinger gut zu erreichen. Der Sensor reagiert zuverlässig und quasi ohne Verzögerung. Auch wenn es bei einem LCD-Bildschirm gar nicht möglich wäre, bin ich froh, dass Honor hier den Fingerabdruckscanner nicht in das Display integriert hat.

In-Display-Fingerprintscanner vermitteln natürlich mehr futuristisches Gefühl, wie aber meine Erfahrungen mit dem Xiaomi Mi 8 Pro und dem OnePlus 6T gezeigt haben, ist die Technologie einfach noch nicht ganz ausgereift: Die Fehlerrate ist noch wesentlich höher und es tritt eine deutlich wahrnehmbare Verzögerung beim Entsperren auf.

Was die Verarbeitung angeht, kann das Honor View 20 durchaus als sauber bezeichnet werden. Auch an der Handhabung gibt es nichts auszusetzen. Das Gerät fühlt sich einfach hochwertig an.

Nicht nur die Vorderseite des View 20 zeiht Aufmerksamkeit auf sich, sondern auch die schimmernde Glasrückseite. Bewegt man das Gerät, reflektiert die Rückseite das Licht in einer V-Form und schimmert je nach Betrachtungswinkel.

Akku

Die Kapazität des Akkus beträgt 4000 mAh. Obwohl der LCD-Bildschirm mehr Energie benötigt als ein OLED, hält das View 20 recht lange durch. Im Test hat sich gezeigt, dass es mit Leichtigkeit über einen Tag kommt, bevor es wieder an die Steckdose muss.

Honor spricht davon, das Smartphone innerhalb von 30 Minuten auf 55 Prozent aufzuladen. Mein Test hat gezeigt, dass sich das View 20 tatsächlich rasch aufladen lässt: Bei 14 Prozent Restakku an die Steckdose zeigt die Anzeige nach zehn Minuten bereits 34 Prozent. Nach 20 Minuten an der Steckdose war das Smartphone von 14 Prozent auf 54 Prozent geladen. 

Fazit

Im Test hat sich gezeigt, dass die kreisrunde Aussparung für die Selfie-Kamera der willkommene nächste Evolutionsschritt in Sachen Smartphone-Design ist. Da das Loch nicht so prominent in der Mitte platziert ist, wirkt es weniger störend als etwa ein Tropfen-Notch. Das rahmenlose Design beziehungsweise der große Screen kommen dadurch voll zur Geltung.

Abgesehen vom Notch-losen Design ist die 48-MP-Kamera das Highlight des Honor View 20. Für ein Handy in diesem Preissegment zählt das Kamera-Setup des View 20 zur Elite der Smartphone-Kameras, das sich mit den Besten der Besten misst.

Wer vor allem ein Smartphone mit Selfie-Loch haben will, kann beim Honor View 20 ohne Bedenken zugreifen. Auch abseits der beiden herausragenden Funktionen stellt das View 20 ein solides Smartphone zu einem Preis von 599 Euro dar.

 

Disclaimer: Die Reise zur Präsentation des Honor View 20 in Paris wurde vom Hersteller bezahlt.