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Mobile Betriebssysteme

iOS 6: Ohne Risiko gegen Android und WP8

Weltweit laufen mehr als 400 Millionen Geräte auf Apples mobilem Betriebssystem iOS, mehr als 500 Millionen mobile Geräte haben Googles Android installiert, und Microsofts Windows Phone Plattform ist mit 5,2 Prozent Marktanteil noch kleiner als etwa RIMs BlackBerry. Derzeit herrscht vor allem ein direkter Wettbewerb zwischen iOS und Android, aber bis 2016 soll Windows Phone an iOS vorbeiziehen - analysieren zumindest die Marktforscher von IDC.

Wie auch immer das Rennen um den Mobile-OS-Markt ausgeht, fest steht schon jetzt: Die konkurrierenden Angebote gleichen sich in Sachen Funktionsumfang immer stärker an - aktuell bei iOS 6, Android 4.1 und Windows Phone 8 zu beobachten.

Navigation: Turn-by-Turn und Sprachausgabe wird Standard

Wie aus dieser Feature-Liste zu iOS 6 und dem großen iOS-6-Test der futurezone hervorgeht, wird die neue, Apple-eigene Karten-App "Turn-by-Turn"-Navigation, Verkehrsinformationen und lokale Suche nach 100 Mio. "Points of Interest" unterstützen. Die Möglichkeit, Kartenbereiche offline zu speichern (im Ausland und Funklöchern ziemlich wichtig) gibt es aber nicht.

Damit hinkt iOS 6 seinen Rivalen Android und Windows Phone hinterher. Ersterer bietet Navigationsfunktionen und Offline-Karten schon länger an, und Microsoft hat für Windows Phone 8 Nokias Karten-Lösung (inkl. Offline-Karten, Turn-by-Turn, etc.) lizensiert, die damit nicht nur auf den Finnen-Smartphones, sondern auch auf WP8-Geräten von Samsung oder HTC laufen wird.

Social Media: Facebook ist nichts Außergewöhnliches

Die Facebook-Integration von iOS 6 ist für interessierte Nutzer zwar praktisch (Adressbuch-Abgleich mit Facebook-Freundesliste, Apps liken, Statusmeldungen und Fotos einfach sharen), doch wirklich einzigartig ist sie nicht. Immerhin lautet Mark Zuckerbergs erklärtes Ziel, sein Online-Netzwerk möglichst überall zu integrieren.

Als Microsoft-Partner ist Facebook dementsprechend tief in WP8 integriert, und auch bei Android gibt es verschiedenste Möglichkeiten, Facebook im Betriebssystem und in Apps zu nutzen. Ob Facebook ähnlich wie Twitter von der iOS-Integration profitieren kann (sie brachte dem Kurznachrichten-Dienst Millionen neue Nutzer und Tweets), bleibt abzuwarten.

Personalisierung: Apps, Widgets oder lieber Kacheln?

In Sachen User Interface sieht iOS 6 nicht anders aus als seine Vorgänger - lediglich beim iPhone 5 kann man vier zusätzliche App-Symbole pro Screen festlegen - weswegen das iPhone bereits als "Longphone" parodiert wird. Das bedeutet: Um an die Infos in der App (z.B. SMS, Facebook-Update, E-Mail, usw.) zu kommen, muss man nach wie vor die App selbst öffnen.

Nicht so bei der Konkurrenz: Bei Android setzt Google mit "Jelly Bean" verstärkt auf Widgets, die Informationen "live" einblenden und sehr einfach in Form und Größe angepasst werden können.  Bei Windows Phone 8 gibt es die "Tiles" (Kacheln), die in drei verschiedenen Größen zur Verfügung stehen. Anders als bei der Konkurrenz kann man bei WP8 aber kein Hintergrundbild einstellen (das ist vielen Nutzern wichtiger, als man vielleicht denken würde), sondern nur eines von mehreren Farbschemata für die Tiles einstellen.

Generell sind die User Interfaces Geschmacks- und Gewöhnungssache. Innovativ ist Apple hier nicht, dass man aber weiter auf die App-Symbole setzt, stellt die vielen Millionen Nutzer nicht vor die Aufgabe, eine neue Darstellung erlernen zu müssen.

Sprachsteuerung: Siri hat Gesellschaft bekommen

Für iOS 6 wurde die iPhone-Trademark Siri, die noch nicht wirklich bei den Anwendern angekomen ist, deutlich aufgemotzt. Sportergebnisse, Tweet- und Facebook-Update-Diktate, Lokalsuche, Restaurantinformationen, Kinosuche, all das klingt sehr nützlich - nur: Diese Features werden für österreichische Nutzer vorerst nicht zur Verfügung stehen.

Währenddessen treibt Google seinen digitalen Sprachassistenten bei Android weiter stark voran und lässt Smartphones mit ihren Besitzern reden. Außerdem wird die semantische Suchfunktion "Knowledge Graph" immer stärker in mobile Funktionen integriert, was man auch beim mitlernenden Tagesassistenten

merkt. Außerdem hat etwa Hersteller Samsung seine "S Voice"-Sprachausgabe im Programm.

Microsoft bietet bei Windows Phone 8 ebenfalls Sprachsteuerung an - ob diese mit Siri und Google mithalten kann, muss aber erst im Praxistest angeschaut werden.

Hands-on: Wenn das iPhone 4S zurückredet

Browser: Synchronisierte Seiten auch bei Safari

Mit den "iCloud Tabs" schafft Apple die Möglichkeit, offene Webseiten zwischen iOS-Geräten (also meistens einem iPhone und einem iPad) zu synchronisieren. So kann man dort weitersurfen, wo man am anderen Gerät aufgehört hat - übrigens auch auf Mac-Computern.

Für Android-Nutzer ist das nichts Besonderes: Sie können offene Tabs ebenfalls zwischen verschiedenen Chrome-Versionen synchronisieren, und da Chrome auch für iOS verfügbar ist, kann man sogar Apple-Geräte in den Reigen aufnehmen.

Windows Phone 8 ist hier nach derzeitigem Stand der Dinge im Rückstand. Trotz der immer noch starken Präsenz des Internet Explorer bietet man bei WP8-Geräten, die ja eine mobile Version des IE haben, nicht an.

Passbook: Keine echte digitale Geldbörse

Dass Apple den Nahfunk NFC nicht in das iPhone 5 integriert hat (die futurezone erklärte bereits, warum nicht), hat für einiges Unverständnis in der Branche gesorgt. Stattdessen hat man offensichtlich vor, mit Passbook eine Art digitale Geldbörse zu schaffen, in die man digitale Versionen von Bordkarten, Gutscheinen, Mitgliedskarten oder Konzerttickets packen kann. Welche Firmen das in Österreich unterstützen werden, bleibt abzuwarten. Direkt zahlen wird man damit aber nicht können.

Android unterstützt NFC bereits, und Google hat mit "Google Wallet" schon den Versuch unternommen, das Handy zur Geldbörse zu machen (wenn auch mit bis dato geringem Erfolg). Bei Windows Phone 8 ist NFC-Support ebenfalls an Bord, und weil Microsoft dabei auf Sicherheitsstandards setzt, die Kreditkartenfirmen bevorzugen, könnte WP8 hier die Nase vorne haben.

Content: Smartphones brauchen Musik und Fotos

Mit "Shared Photostreams" führt Apple eine nette Verteilungsmöglichkeit von Fotos ein. Neue Schnappschüsse können automatisch an andere iOS-User geteilt werden, damit Nicht-iOS-Nutzer die Fotos sehen können, werden sie auf einer Webseite hinterlegt und dieser via Link zugänglich gemacht.

Auch diese iOS-Funktion ist nicht wirklich ein Alleinstellungsmerkmal. Android baut stark auf Google+ und Auto-Upload zur Verteilung von Fotos, und bei WP8 können Fotos automatisch in den SkyDrive-Speicher geladen und von dort weiterverteilt werden.

In Sachen Musik hat Apple zwar weiter seinen mächtigen iTunes Store im Rücken - doch Nokia hat mit einem eigenen Streaming-Dienst, der exklusiv für Lumia-Kunden kostenlos angeboten wird, zumindest am Papier die Nase ein wenig vorne. Und auch Google und Amazon sind in Sachen Musik-Streaming nicht faul und bauen ihre Angebote kontinuierlich aus.

Apps: Das Um und Auf in Sachen Funktionen?

Niemals unterschätzen sollte man das App-Angebot der mobilen Betriebssysteme. Da hat iOS mit 700.000 Apps nicht nur rein zahlenmäßig die Nase vorne (Google Play Store: 600.000, Windows Phone Marketplace: 100.000), sondern auch strategisch. Noch immer gibt es viele App-Entwickler, die sich dafür entscheiden, ihre Software zuerst für iOS zu veröffentlichen. Apple-Nutzer kommen so schneller an neue mobile Services (z.B. Instagram, Pinterest).

Mit der Marktdurchdringung von Android änderte sich das gerade in den letzten Monaten, und in absehbarer Zeit wird Googles Play Store die größte Auswahl an Apps bieten können. Hier liegt es nun vor allem an Microsoft, die wichtigen App-Anbieter von der eigenen Plattform zu überzeugen.

Fazit: Mobile OS werden immer gleicher

Abgesehen davon, dass sich die mobilen Betriebssysteme von Apple, Google und Microsoft in Sachen Funktionsumfang immer ähnlicher werden, wird im Vergleich auch klar: iOS ist definitiv nicht (mehr) "das fortschrittlichste mobile Betriebssystem der Welt" - dieser Titel steht seit dem großen Update auf Ice Cream Sandwich (4.0) noch am ehesten Android mit modernem Design, Widgets, Face Unlock und Google Now zu - auch wenn nur eine Minderheit der Nutzer wegen der starken Fragmentierung auch in den Genuss der aktuellsten Version kommen.

Auch Microsoft hat gezeigt, dass es innovativ sein und mit WP8 eine Alternative zu den beiden Großen anbieten kann - das sich deutlich von den Rivalen abhebende User Interface und die Verzahnung mit Windows 8 (Stichwort Apps) spricht eine deutliche Sprache.

Fraglich ist aber, ob die Nutzer die Funktionsvielfalt bei Android bzw. die Eigenständigkeit von WP8 als Umstiegsgründe gelten lassen. Viele der mehr als 400 Millionen iOS-Nutzer sind das Betriebssystem gewohnt und wollen gar keine Widgets und Kacheln. Für jedes Bedürfnis unterwegs ein buntes Symbol - vielen wird das reichen, um bei Apple zu bleiben.

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iOS 6 steht ab 19. September (voraussichtlich 19:00) für iPhone 3GS, 4, 4S, iPod touch (4. und 5. Generation) sowie iPad 2 und das neue iPad zum kostenlosen Upgrade zur Verfügung. Ab 28. September ist das Betriebssystem auch auf dem iPhone 5 in Österreich zu haben.

Android 4.1 ist aktuell auf Geräten wie dem Samsung Galaxy Nexus, dem Nexus-7-Tablet und Nexus S verfügbar, im Oktober soll es auch auf andere Geräte von Herstellern wie Samsung oder HTC kommen.

Windows Phone 8 wird voraussichtlich Ende Oktober starten, sofern Microsoft den Zeitplan einhalten kann.  Nokias Lumia 920 kommt aber erst im Jänner nach Österreich, über einen Starttermin von Samsungs ATIV S gibt es noch keine Infos.



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Jakob Steinschaden

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