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Riesen-Ansturm auf Twitter-Alternative Mastodon

Die Übernahme von Twitter durch Elon Musk führte zu einem regelrechten Aufschrei von Nutzer*innen. Viele kündigten an, dem sozialen Netzwerk den Rücken kehren zu wollen - aus unterschiedlichen Gründen.

Ein Dienst, der als ernstzunehmende Alternative gilt, ist Mastodon. Einige Nutzer*innen sind der Meinung, dass das eher wie ein „Medikament“ klingt als wie eine neue Social-Media-Plattform. Andere wollen Mastodon zumindest eine Chance geben.

Server-Probleme wegen des Ansturms

Am Montag waren auf jeden Fall sehr viele Server überlastet. Zahlreiche Nutzer*innen mussten sich daher in Geduld üben, um den für sie neuen Dienst auszuprobieren.

Einige Prominente haben es jedoch noch am Montag geschafft, sich neue Accounts anzulegen, darunter etwa Jan Böhmermann (@janboehm@mastodon.social), dem auf Mastodon bereits 2.300 Nutzer*innen folgen. Insgesamt verzeichnet Mastodon aktuell rund 4,4 Millionen weltweit aktive Nutzer*innen. Zum Vergleich: Bei Twitter sind es 217 Millionen.

Mastodon gibt es seit 2016

Doch was ist Mastodon eigentlich? Den Microblogging-Dienst gibt es bereits seit 2016 und er wurde vom deutschen Entwickler Eugen Rochko geschaffen. Oberflächlich betrachtet sieht Mastodon ähnlich aus wie Twitter, funktioniert aber ganz anders. Statt eines zentralen Servers läuft Mastodon auf vielen verschiedenen, unabhängigen Servern. Von beliebig vielen Administratoren können sogenannte „Instanzen“ betrieben werden.

Die User*innen unterschiedlicher dezentral organisierter Instanzen können dennoch miteinander kommunizieren. Jede der Instanzen wird aber von untereinander unabhängigen Administratoren verwaltet, die eigene Themen und Regeln festlegen können (etwa: keine Nazis). Communities können etwa ihre eigenen Moderationsregeln festlegen.

Beispiele für Instanzen: Es gibt etwa eigene Instanzen für Wiener*innen. Auch die EU hat neulich eine eigene Mastodon-Instanz namens EU Voice eingerichtet, die sich im Pilotbetrieb befindet.

Werbefrei und spendenfinanziert

Mastodon gibt es auch als Smartphone-App und kann damit ganz bequem von diesem aus bedient werden. Die Nutzung ist kostenlos und es gibt, anders als bei Twitter, keine Werbung. Nutzer*innen können die Betreiber*innen ihrer Instanz mit einer Spende unterstützen, wenn sie mit der Plattform zufrieden sind. Bei Mastodon verdient jedenfalls kein Konzern etwas, außerdem ist es darauf ausgelegt, dass keine Algorithmen in die Kommunikation eingreifen.

Mastodon ist außerdem Teil des „Fediverse“, des Federated Universe (förderiertes Universum), das aus einer Bündelung alternativer sozialer Netzwerke besteht. Solche gibt es auch für Fotos und Videos.

Zukunftsprognose

Doch wie erfolgreich kann dieses Netzwerk wirklich werden? Wie gesagt gab es am Montag zahlreiche Serverprobleme, weil einfach zu viele Menschen gleichzeitig nach einer Alternative gesucht haben. Das war auch so, als WhatsApp-Nutzer*innen zu Signal gewechselt waren - und hat sich dann rasch wieder eingependelt.

Mastodon ist für viele etwas gewöhnungsbedürftig und nicht alles durchschaut man als neue*r User*in am ersten Tag. Viele werden wohl erst abwarten, wie es mit Twitter wirklich weitergeht, bevor sie dem für sie bequemen Netzwerk den Rücken kehren - sei es, weil Donald Trump zurückkehren, oder Musk einen Abo-Dienst einführen könnte.

Diejenigen, die sich bereits einen Account angelegt haben, haben jetzt zumindest die erste Hürde genommen - und können jederzeit zu Mastodon zurückkehren, sollten sie mit Twitter einmal wirklich endgültig Schluss machen wollen.

Hier geht's außerdem zu unserem futurezone-Test von Mastodon.

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Barbara Wimmer

shroombab

Preisgekrönte Journalistin, Autorin und Speakerin. Seit November 2010 bei der Kurier-Futurezone. Schreibt und spricht über Netzpolitik, Datenschutz, Algorithmen, Künstliche Intelligenz, Social Media, Digitales und alles, was (vermeintlich) smart ist.

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