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04/25/2017

Samsung Galaxy S8+ im Test: Gesund gewachsen

Die größere Version des Galaxy S8 liegt trotz 6,2-Zoll-Display besser in der Hand als das S7 Edge. Um das Note 7 zu ersetzen, fehlt aber das gewisse Etwas.

Seit zwei Jahren gibt es Samsungs Spitzenmodelle immer im Doppelpack. Das S6 und S7 wurden von den teureren Edge-Varianten begleitet, deren Displays an den Rändern gebogen waren. In der achten Generation darf auch das normale S8 ein gebogenes Display haben, was ein S8 Edge obsolet macht.

Stattdessen gibt es das S8+. Es ist nicht nur größer als das reguläre Modell, sondern mit einem UVP von 899 Euro auch teurer. Ich habe getestet, wie viel mehr Smartphone man für 100 Euro Aufpreis bekommt.

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung Galaxy S8+

Samsung S7 Edge, Galaxy S8, S8+ und LG G6 (v.l.n.r.)

Samsung Galaxy S8, S8+ und S7 Edge (v.l.n.r.)

Samsung Galaxy S8, S8+ und S7 Edge (v.l.n.r.)

Beinahe Zwillinge

Das + beim S8+ steht für ein Upgrade in der Display-Diagonale und Größe des Akkus. Statt 5,8 Zoll gibt es 6,2 Zoll, statt 3.000 mAh sind es 3.500 mAh. Um es in Zahlen auszudrücken: Für 12,5 Prozent Aufpreis gibt einen knapp 17 Prozent größeren Akku und einen sieben Prozent größeren Bildschirm.

Kamera, Speicher, RAM, Prozessor und andere Komponenten sind vom + nicht betroffen, sondern ident mit denen des S8. Dasselbe gilt für die Software. Deshalb werde ich mich in diesem Test auf die größenrelevanten Unterschiede und den sich aufdrängenden Vergleich zum Note 7 beschränken. Den Bericht über die allgemeinen Funktionen und Features findet ihr hier im Test des Samsung Galaxy S8.

Getarnter Riese

Durch das gestreckte Display-Verhältnis von 18,5:9 und der tiefschwarzen Rahmenfarbe (beim S7 Edge war es Dunkelgrau), sieht das S8+ kleiner aus, als es eigentlich ist. Dass es nicht wirklich rahmenlos ist, erkennt man trotzdem sofort: Ein solcher Blickfang wie das Xiaomi Mi Mix, bei dem das Display komplett bis zum oberen Rand reicht, ist es nicht.

Überhaupt ist das S8+ sehr zurückhaltend. Mir gefällt das Understatement, das Dezente des schwarzen Geräts, auf dessen Front nicht einmal der Samsung-Schriftzug zu sehen ist. Der schwarzbeschichtete Aluminiumrahmen und der völlige Verzicht auf Chromzierelemente lassen das S8+ rund und aus einem Guss wirken. Im direkten Vergleich sieht das S7 Edge aus, als wäre es ein abgelehnter Prototyp für das S8+, nur eine Vorstufe, ein Zwischenschritt zum gewünschten Endergebnis.

Zu rund für ein Note

Das Display ist weniger stark gebogen als beim S7 Edge, so wie es schon beim Note 7 war. Der Übergang von Glas zu Rahmen ist fast nahtlos, viel besser als beim S7 Edge und auch ein wenig besser als beim Note 7.

Abgesehen von dem Stylus scheint das S8+ also ein adäquater Ersatz für das Note 7 zu sein: Wozu sollte Samsung also noch ein Note 8 bringen? Der Unterschied liegt in den Ecken, genauer gesagt an der Rundung der Ecken.

Das Note 7 ist eine Spur eckiger und hebt sich damit etwas von der üblichen S-Serie ab. Es sieht ein ein bisschen ernster, seriöser und effizienter aus. Das ist Geschmackssache, traf aber den Nerv von Millionen Kunden, die dem Note jahrelang gegenüber der S-Serie den Vorzug gaben. Wem es nur um das größere Display geht und nicht um die kleinen Designunterschiede, kann zum S8+ greifen anstatt auf das Note 8 zu warten.

Handlichkeit

Trotz größeren Displays ist das S8+ nur minimal breiter als das S7 Edge, aber 5mm breiter als das normale S8. Für die einhändige Verwendung ist es nur bedingt geeignet. Wer tatsächlich nur eine Hand entbehren kann, kann wie bei früheren Samsung-Modellen die App-Fenster verkleinern und eine verkleinerte virtuelle Tastatur zur linken oder rechten Seite des Displays stellen.

Der Fingerabdruck-Scanner an der Rückseite ist beim normalen S8 schon suboptimal, beim größeren S8+ ist er noch schwerer zu erreichen. Halte ich das Smartphone in der rechten Hand, komme ich mit dem Zeigefinger halbwegs gut hin, kreuze dabei aber die Kameralinse. Halte ich das S8+ in der linken Hand, ist es unangenehm, den linken Zeigefinger zum Sensor zu strecken.

Die Gesichtserkennung ist nur eine mäßige Alternative, da bei besonders starken Hintergrundlicht, wenig Licht oder Haaren im Gesicht die Erkennung nicht mehr funktioniert. Der Iris-Scanner ist verlässlicher, erfordert aber einen zusätzlichen Schritt, da aus dem Lockscreen ein Wischen nötig ist. Die Gesichtserkennung hingegen springt sofort an, aus dem Always-On-Display heraus die Standby-Taste oder zweimal der Home-Button gedrückt wird. Unverständlich: Ein gleichzeitiges Verwenden von Gesichtserkennung und Iris-Scanner ist nicht möglich (Gesicht und Fingerabdruck hingegen schon), obwohl ohnehin der Iris-Scanner erst durch zusätzliches Wischen im Lockscreen aktiviert werden muss.

Bequemeres Thumbing

Im Zweihand-Betrieb ist das S8+ seinem Vorgänger überlegen. Da der Rahmen nicht hervorsteht, wie es beim S7 Edge der Fall ist, drücken keine fühlbaren Kanten in die Handflächen. Wie schon beim Note 7 ist das Display auch weniger stark nach außen gebogen. Besonders beim Thumbing fiel mir das positiv auf, da ein unabsichtliches Drücken der Tasten mit Teilen der Hand, die seitlich das Smartphone berühren, seltener vorkommt als beim S7 Edge.

Das gilt auch für andere Tätigkeiten am S8+, gänzlich gefeilt ist man aber nicht davor. Versucht man etwa mit dem Daumen der haltenden Hand etwas oben am Display zu erreichen, berührt der Handballen den Bildschirm. Es wäre schön wenn Samsung hier endlich eine softwareseitige Erkennung einbauen würde, damit solche unabsichtlichen Berührungen nicht zu ungewollten Eingaben führen. Bei Apple gibt es so eine Funktion bereits seit dem 2012 erschienenen iPad mini.

Bixby blockiert

Von Samsungs Entscheidung dem Assistenten Bixby eine eigene Taste zu spendieren, bin ich nicht begeistert. Ohne Sprachfunktion ist es für mich nicht einmal eine Spielerei und damit keine eigene Hardware-Taste wert.

Die Taste kann derzeit nicht einmal ohne Weiteres mit anderen Funktionen belegt werden. Dazu benötigt man Root-Zugriffe oder Apps von Drittanbietern. Das ist schade, denn die Bixby-Taste würde sich von der Positionierung gut als alternative Power/Standby-Taste eignen, besonders für User, die ihr Smartphone bevorzugt in der linken Hand halten.

Kein Akku-Vorteil

Im Test lief bei mir das S8+ bei durchschnittlicher Nutzung 1,5 Tage und einen Tag bei erhöhter Nutzung, jeweils mit Always-On-Display und Gesichtserkennung. Damit gibt es keinen nennenswerten Laufzeit-Vorteil zum S8. Die Nutzungsdauer deckt sich mit derer des S7 Edge, dessen Akku um 100 mAh größer beim S8+ ist.

Beim Note 7, das ebenfalls einen 3.500-mAh-Akku hatte, konnte ich zwei Tage Laufzeit herausquetschen (ohne, dass der Akku zu brennen begonnen hat). Beim S8+ würde ich mich nicht trauen in der früh mit einem Akkustand von 50 Prozent das Haus zu verlassen, ohne Ladegerät im Rucksack.

Fazit

Der Schritt vom Galaxy S7 Edge zum Galaxy S8+ ist eine gelungene Evolution. Dass ich nicht in Begeisterungsstürme deswegen ausbreche liegt daran, dass dieser Schritt voriges Jahr vom Note 7 vorweggenommen wurde. Da war zwar der Rahmen noch größer, die exzellente Verarbeitung und das besser gebogene Display gab es aber bereits.

Das macht das S8+ zu dem Smartphone, das ich mir erhofft hatte: Ein größeres Display und die tolle Verarbeitung des Note 7, ohne dessen Stylus und mit weniger Rahmen. Hätte ich die Wahl zwischen S8 und S8+, würde ich aufgrund meiner ausreichend großen Hände und dem Drang zum großen Bildschirm (vielleicht habe ich ja etwas zu kompensieren…) zum Plus greifen. Das Gegenargument des höheren Preises zählt in diesem Fall kaum. Das normale S8 ist mit 799 Euro (UVP) schon ordentlich teuer. Wer das Geld dafür hat und ausgeben will, kann sich ziemlich sicher auch das S8+ um 899 Euro leisten.

Verbesserungspotenzial gibt es dennoch. Der Rahmen könnte oben und unten noch kleiner ausfallen, der Fingerabdruck-Scanner sollte mittig unter die Kamera wandern oder noch besser an der Front im Display integriert werden. Außerdem sollte Samsung die Bixby-Taste frei belegbar machen. Android-Usern eine Hardware-Taste für eine Funktion aufzuzwingen, die sie womöglich gar nicht verwenden, ist für Samsung eine Ressourcenverschwendung und für die User einfach nur ungut.

Um diese Detailverbesserungen zu sehen, müssen wir möglicherweise nicht ein Jahr bis zum S9+ warten. Das Note 8, dessen Ankündigung für Herbst erwartet wird, könnte bereits mit ein paar der geforderten Verbesserungen beinhalten.