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07.11.2018

Sony A7 III im Test: An dieser Kamera müssen sich Canon und Nikon messen

Während Canon und Nikon in Kürze mit ihren ersten Vollformat-Systemkameras starten, ist Sony schon längst in Stellung.

2018 ist das Jahr der Systemkameras mit Vollformat-Sensor. Mit Canon und Nikon werden die zwei großen Hersteller von Spiegelreflexkameras (DSLRs) erstmals in dieses Segment vorstoßen. Panasonic hat vor kurzem ebenfalls zwei Vollformat-Systemkameras angekündigt, diese kommen aber erst 2019.

Bei all dem Rummel um die neuen Player, darf man nicht vergessen, wer seit nun fünf Jahren dieses Segment nahezu im Alleingang dominiert hat: Sony. Die Sony A7 III ist das aktuelle Modell, das das Gegenstück zu Canons EOS R und Nikons Z6 ist. Die ebenfalls bereits verfügbare, leistungsstärkere Sony A7R3 ist die Konkurrenz zur Nikons Z7. Ich habe die A7 III getestet um zu sehen, auf was für einen Kampf sich Canon und Nikon einlassen.

Sony A7 III

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Bekannt kompakt

Das Gehäuse der A7 III orientiert sich an dem der A7R3 und ist unverkennbar Sony. Es ist sehr kompakt gehalten, gleichzeitig ist der Griff aber etwas größer als beim Vorgängermodell – das sorgt dafür, dass man es gut in der Hand hält. Bei lichtstarken Objektiven wird es allerdings knapp mit dem Platz. Die Knöchel der rechten Hand stehen dann schon mal am Objektiv an.

Auch der Abstand der Bedienelemente zueinander ist eher knapp, wenn man eine Vollformat-DSLR gewohnt ist, aber typisch für Sony. Tasten wie AF-ON und AEL sind gar etwas klein ausgefallen und bieten nur unzureichendes Feedback, wenn man sie ertasten und ohne hinschauen drücken will. Im Gegensatz zum Vorgängermodell gibt es an der Rückseite keine Schaltwippe mehr, sondern wie bei der teureren A7R3 einen Vier-Wege-Joystick, was eine willkommene Änderung ist. Eine nervige Kleinigkeit: Wird der Fokuspunkt per Joystick verschoben, leuchtet dieser nicht auf, sondern ist gräulich. In manchen Situationen ist der Punkt deshalb schwer zu erkennen.

Anpassen

Die A7 III übernimmt auch das umfangreiche Anpassungs-Menü der A7R3. 13 Knöpfe können belegt werden, manche davon mehrfach, etwa abhängig davon ob man im Foto- oder Videomodus ist. Auch die Funktion ist wieder dabei, mit der durch Gedrückthalten einer Taste mehrere Parameter verändert werden, bis die Taste wieder losgelassen wird. So kann man sich etwa eine „Schnappschusstaste“ machen: Hält man diese gedrückt, wird der Autofokus auf AF-C umgestellt und der Serienbildmodus eingeschaltet, um die Chancen zu erhöhen den richtigen Moment einzufangen.

Das heißt aber auch, dass die Menüs und die Menüführung von der A7R3 übernommen wurden. Wer nicht schon jahrelang mit Sony fotografiert, wird sich ein paar Tage plagen. Das Auseinandersetzen damit zahlt sich aber aus, speziell um die oben genannten Anpassungen vorzunehmen. Ist so die A7 III einmal an die eigenen Bedürfnisse angepasst, ist das Fotografieren effizienter.

Sucher und Display

Alles wurde aber nicht von der A7R3 übernommen – schließlich muss Sony ja die fast 1000 Euro Preisunterschied rechtfertigen. Der elektronische Sucher entspricht leider nicht dem der A7R3 und löst daher nur mit 2,4 MP auf, statt 3,68 MP. Da er auch etwas größer erscheint als beim Vorgängermodell A7 II, sieht man einzelne Pixel leichter. Man kann ihn zwar immer noch verwenden, aber man merkt einfach, dass er nicht Top-Notch ist.

Ähnliches gilt für das Display. Es ist zwar wieder nach oben und unten kippbar, hat aber eine geringe Maximalhelligkeit als das Vorgängermodell. Der Touchscreen kann nicht überzeugen. Es gibt eine merkbare Verzögerung und er kann nur für bestimmte Funktionen, wie etwa die Autofokuspunktwahl, verwendet werden. Durch Menüs kann man damit nicht navigieren. Hier werden Canon und Nikon mit ihren Vollformat-Systemkameras punkten können.

Leistung

Der Sensor der A7 III hat 24 Megapixel und ist rückseitig beleuchtet. Das ist ein sinnvolles Upgrade zum Vorgängermodell, da es besonders die Bildqualität in Situationen mit wenig Licht verbessert. Hinzu kommen die üblichen guten Eigenschaften, die man von anderen Sony Vollformat-Systemkameras kennt: Ein hoher Dynamikumfang, sehr gute JPEGs und RAWs mit wenig Rauschen.

Hinzu kommt ein Bildfolgemodus mit bis zu zehn Fotos pro Sekunde (acht mit Display/Sucher an) und viele Autofokus-Optionen, inklusive des Augen-Autofokus. Der Autofokus deckt 93 Prozent des Bildausschnitts ab, was auch bei der Sport- und Actionfotografie hilft.

Der größere Akku um Vergleich zum Vorgängermodell ist sehr willkommen, das Rating liegt bei 610 Fotos mit Sucher oder 710 Fotos mit Display. Videoaufnahmen verbrauchen mehr Energie, durchschnittlich konnte ich beim Testen mit einer Mischnutzung aber immer über 500 Fotos und mehrere Videos aufnehmen. Der Akku wird per USB-C-Kabel direkt in der Kamera geladen.

Der ISO-Wert reicht bis 51.200 und kann auf 50 – 204.800 erweitert werden. Verkleinert waren auch Aufnahmen mit ISO 12.800 noch ansehnlich. Die A7 III hat einen Doppel-SD-Slot, aber nur einer der beiden ist UHS-II kompatibel. Der andere unterstützt nur UHS-I. Ein Nachteil der Systemkameras ist, dass der Sensor beim Objektivwechseln frei liegt. Die Testkamera, die mir Sony zur Verfügung stellte, hatte schon hartnäckige Flecken am Sensor, die sich nicht mehr abschütteln ließen und entsprechend auf einigen Fotos verewigt sind.

Bildqualität

Sonys jahrelange Erfahrung mit Systemkameras kommt auch der A7 III zu Gute. Obwohl es sich um eine Halbprofi-Kamera handelt, sind die JPGs von Haus aus so optimiert, dass sie für viele Zwecke kaum Nachbearbeitung benötigen. Besonders ambitionierte Amateure, die lieber fotografieren wollen, anstatt Stunden mit Lightroom am Computer zu verbringen, werden das zu schätzen wissen.

Die Schärfeleistung ist sehr gut, das geringe Bildrauschen sorgt für ansprechende Fotos – auch freihändig bei Nacht in Situationen, in denen ich die Canon Vollformat-DSLR nicht Mal ausgepackt hätte. Die Gesichtstöne haben eine gute, natürliche Farbe. Grüntöne gehen etwas ins Bläuliche, was aber noch nicht störend ist.

Der kontinuierliche Autofokus ist bei der Motivverfolgung eine Spur verlässlicher als bei der teureren A7R3. Die nahezu gesamte Abdeckung des Sucherfelds mit Fokuspunkten ist hilfreich und der Autofokus leistet gute Arbeit. Allerdings gibt es eine Unzahl an Modi und Einstellungen. Wer nicht jahrelange Erfahrung mit Sony-Systemkameras hat, sollte etwas Zeit einplanen, um die Fokusmodi kennenzulernen. Und mit etwas Zeit, meine ich viel Zeit.

Sony A7 III Beispielfotos

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Videos

Videos werden in 4K-Auflösung aufgezeichnet. Das Material wird von 5K (30 B/s) bzw. 6K (24 B/s) gesampelt, was für beeindruckende Videos mit guten Details sorgt. Dieses Feature gab es bisher nur in der teureren A9 – nicht mal die ebenfalls teurere A7R3 beherrschte Downsampling bei den Videos. Der Rolling-Shutter-Effekt ist bei schnellen Schwenks bemerkbar, bei den meisten Alltags-Aufnahmen stört er nicht.

Reduziert man die Auflösung auf FullHD, kann die Videoqualität nicht mehr beeindrucken. Hier macht es mehr Sinn, die Videos in 4K aufzunehmen und später am Computer zu 1080p zu konvertieren. Der Autofokus kann im Videomodus gute Resultate liefern, aber nicht mit der Foto-Performance mithalten. Es ist störend, dass die Autofokusmodi bei Foto und Video nicht ident sind.

Fazit

Die A7 III legt die Messlatte für Canon und Nikon hoch. Die Leistung ist hervorragend, die Bildqualität überzeugt. Sie ist derzeit ab 2250 Euro (nur Gehäuse) erhältlich und damit günstiger als die DSLR-Konkurrenz, wie Canons 5D Mark IV und Nikons D850.

Perfekt ist sie aber nicht. Die manchmal träg-wirkende Menüsteuerung, der nicht durchgängig nutzbare Touchscreen und die Autofokus-Leistung im Videomodus, gehören zu den Dingen, die verbesserungswürdig sind. Abgesehen davon ist die A7 III eine echte Allrounderin, die zeigt, dass DSLRs, die sich an ambitionierte Amateure und Halbprofis richten, vermutlich bald aussterben werden. Die Zukunft in diesem Segment gehört den Systemkameras.

 

Technische Daten auf der Website des Herstellers