© Gregor Gruber

Test
04/18/2014

Tolino vision: Deutscher Kindle-Konkurrent rüstet auf

Deutsche Buchhändler schicken mit dem tolino vision einen neuen Flaggschiff-E-Reader gegen den Kindle des US-Konkurrenten Amazon ins Rennen. Die futurezone hat ihn getestet.

von Patrick Dax

Mit dem E-Reader tolino shine sind die deutschen Buchhändler Thalia, Club Bertelsmann, Hugendubel und Weltbild vor etwas mehr als einem Jahr gemeinsam mit der Deutschen Telekom angetreten, um dem übermächtigen US-Konkurrenten Amazon im deutschsprachigen Raum die Stirn zu bieten. Laut jüngsten Zahlen des Marktforschungsinstituts Gfk dürfte das gelungen sein. In Deutschland wurden für die tolino-Partner zuletzt 37 Prozent Marktanteil ausgewiesen, während Amazons Marktanteil auf 43 Prozent sank.

Nun hat der tolino shine einen großen Bruder bekommen. Der tolino vision soll die Lücke zum Kindle Paperwhite schließen, der nach einem Update im vergangenen Herbst neue Maßstäbe am E-Reader-Markt setzte.

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

Kompaktes Design

Vom tolino shine unterscheidet sich der vision durch ein neues, kompakteres Design. Die neue tolino-Generation zeigt sich mit einer kantenlosen Vorderseite, die von einem dünnen Rand eingefasst wird. Erstmals kommt auch ein kapazitiver Touchscreen zum Einsatz. Der Rand des Gerätes ist, ebenso wie die Rückseite, rutschhemmend beschichtet. Der E-Reader liegt dadurch sicher in der Hand. Insgesamt wirkt die Verarbeitung solide.

Der tolino vision wiegt gerade einmal 178 Gramm und misst 163 x 114 x 8,1 Millimeter. Damit ist er merklich leichter, kleiner und dünner als sein US-Konkurrent, der mehr als 25 Gramm mehr wiegt und auch geringfügig größer ist.

Neue Generation des E-Ink-Display

Wie auch die jüngste Generation des Kindle Paperwhite verfügt der tolino vision über ein E-Ink Carta-Display mit integrierter Beleuchtung, das gegenüber dem E-Ink Pearl-Display verbesserte Lesbarkeit bei Sonnenlicht und gesteigerte Kontraste liefert. Die Auflösung des 6-Zoll großen Touchscreens beträgt 1.024 x 758 Pixel. Das Lesegerät verfügt auch über einen schnelleren Prozessor (1.000 MHz Freescale i.MX6 mit 512 MB RAM) als sein Vorgänger. Er ist also - wie man so schön sagt - schneller und kontrastreicher geworden.

Der 4 GB große Speicher (2 GB für den User verfügbar) kann mittels Micro-SD-Karte auf 32 GB erweitert werden. Käufern des tolino stehen - bei Anmeldung bei einem der beteiligten Buchhändler - darüber hinaus 25 GB Speicherplatz in der Cloud zur Verfügung. Die maximale Größe einer Einzeldatei, die dort abgelegt werden kann, wird mit 500 MB angegeben.

Unterstützt werden die Formate EPUB (mit und ohne Adobe-Kopierschutz), PDF und TXT. Über WLAN kann das Gerät mit dem Internet bzw. mit Online-Shops verbunden werden. Die Akkulaufzeit beträgt laut Herstellerangaben bis zu sieben Wochen. Da das Gerät der futurezone nur etwa eine Woche zur Verfügung stand, konnte dies nicht überprüft werden.

Ausgeliefert wird der tolino vision nur mit einem Micro-USB-Kabel, mit dem der E-Reader am Notebook oder PC aufgeladen werden kann. Ein Netzteil kann - wie auch bei anderen Herstellern üblich - extra bezogen werden und kostet rund zwölf Euro. Dass das Kabel aus Stoff ist, ist ein nettes Detail.

Tolino Vision

Tolino Vision

Tolino Vision

In punkto Bedienung und Nutzerführung unterscheidet sich der tolino vision kaum von seinem kleinen Bruder, dem tolino shine. Mittels einer Taste (oben links) kann er ein- und ausgeschalten, bzw. aus dem Ruhezustand geweckt werden. Die integrierte Beleuchtung kann mit einer rechts oben angebrachten Taste aktiviert bzw. deaktiviert werdern. Unten mittig befindet sich ein Touch-Button mit dem der Start-Bildschirm aufgerufen werden kann.

Kontrastreich

Kontraste und Lesbarkeit sind bei voller Beleuchtung auch bei Sonnenlicht durchaus zufriedenstellend. Der Bildschirm wird durch die integrierte Beleuchtung gleichmäßig ausgeleuchtet. Mitunter sind jedoch Spuren der Leuchtdioden im unteren Bildschirmbereich zu sehen, der Textbereich wird davon aber nicht berührt. Manche Wörter oder Buchstaben wirken mitunter heller als andere, was auf kleinere Darstellungsfehler zurückzuführen sein dürfte.

Im direkten Vergleich mit dem Kindle Paperwhite bleibt der tolino vision jedoch zurück. Der Kindle Paperwhite wartet mit merklich schärferen Kontrasten auf. Auch die bei E-Ink-Displays üblichen Ghosting-Effekte - bei denen Schatten von vorher aufgerufenen Seiten im Hintergrund nachwirken - sind beim vision stärker sichtbar als bei seinem US-Konkurrenten. Alles in allem ist die Darstellung beim tolino vision dennoch im oberen Bereich angesiedelt.

Flüssiges Leseerlebnis

Keine merklichen Unterschiede zum Kindle gibt es beim Umblättern und bei den Reaktionszeiten beim Touchscreen. Das Umblättern geht flüssig vonstatten. Die Touchscreen-Tastatur und das Aufrufen von Kontextmenüs (Markieren, Notizen, Nachschlagen, Übersetzen) und Einstellungen aus dem Text funktionieren ohne Verzögerungen und sorgen für ein flüssiges Leseerlebnis.

Neue Funktionen

Auf Software-Seite gibt es einige neue Funktionen. So ist etwa das Einrichten einer Zahlensperre für den Bildschirm möglich. Auch zwischen Deutsch und Englisch kann gewechselt werden.

Wie auch bereits bei jüngeren Versionen des Vorgängermodells shine, das im Herbst ein größeres Update erfuhr, verfügt die Software der tolino-Lesegeräte über mittlerweile bei E-Readern gängige Lesefunktionen. So können etwa Notizen hinzugefügt, Wörter im Wörterbuch nachgeschlagen oder übersetzt werden und Textstellen mithilfe von "Anfassern" markiert werden. Praktisch ist auch die Umwandlung von PDFs in Fließtext, die größere Dateien jedoch nicht immer bewältigen kann.

Auf andere Funktionen - etwa das Nachschlagen bei der Wikipedia oder Wortstatistiken, wie sie etwa der Kindle mit der X-Ray-Funktion bietet oder Vokabeltrainern wird bei der tolino-Software verzichtet. Sie werden nicht allen Nutzern fehlen.

E-Books von mehreren Anbietern

E-Books können am leichtesten über den Shop des Herstellers, von dem das Gerät bezogen wurde, per WLAN heruntergeladen werden. Im unteren Drittel der Start-Seite findet sich ein Link zum jeweiligen Anbieter, sowie Buch-Empfehlungen.

Der futurezone wurde das Testgerät von Thalia zur Verfügung gestellt. Die Anmeldung bei dem Buchhändler funktionierte problemlos, auch der Download verlief reibungslos. Nutzerkonten und Bibliotheken der tolino-Partner - in Österreich sind dies neben Thalia auch Weltbild.at und Donauland - können aber auch im Cloudspeicher, der bei der Registrierung des Geräts aktiviert wird, zusammengeführt werden. So kann über die Cloud auf alle Titel, die bei tolino-Partner gekauft bzw. heruntergeladen wurden, automatisch zugegriffen werden.

Daneben können über Micro-SD-Karte oder USB-Verbindung mit einem Rechner auch Titel anderer Anbieter im EPUB-Format auf den E-Reader und auch auf den damit verbundenen Cloud-Speicher gespielt werden. Das funktionierte im Test - etwa im Falle eines von einer kleinen Wiener Buchhandlung bezogenen E-Books im EPUB-Format - klaglos. Kommt dabei Kopierschutz zum Einsatz, ist es zur Lektüre notwendig, das Lesegerät mit der entsprechenden Adobe ID zu autorisieren. Das gilt auch für das Ausleihen von E-Books aus öffentlichen Bibliotheken, bei denen ebenfalls Adobe DRM (Digital Rights Management) angewendet wird.

Bei Amazon gebräuchliche Formate .azw und .mobi können am tolino nicht gelesen werden - umgekehrt ist es auch nicht möglich am Kindle E-Books im EPUB-Format zu lesen.

Der tolino vision verfügt auch über einen integrierten Browser. Der ist aber - wie bei allen Geräten mit E-Ink Display nicht wirklich zu empfehlen und wird wohl nur selten zur Anwendung kommen.

Fazit: State-of-the-Art-Reader

Der tolino vision ist ein Gerät, das dem State of the Art bei E-Readern entspricht, und das sich auf seine Kernkompetenzen konzentriert. Gegenüber dem Vorgängermodell tolino shine, weist er ein verbessertes Display sowie schnellere Reaktionszeiten, jedoch kaum neue Features auf. Mit 129 Euro kostet er 30 Euro mehr als sein kleiner Bruder, der auch weiterhin angeboten wird.

Mit dem US-Konkurrenten Kindle, der ebenfalls ab 129 Euro erhältlich ist, fällt er in punkto Display im direkten Vergleich zurück. Der Kindle ist was Kontraste betrifft merklich besser. Er verfügt auch über mehr Funktionen - wie etwa Wortstatistiken oder Vokabeltrainer.

Für den tolino vision spricht seine vergleichsweise Offenheit. Wer sich nicht an einen E-Book-Anbieter binden möchte ist mit tolino-Geräten oder anderen Readern, die das EPUB-Format unterstützen - etwa von Kobo oder Sony - sicherlich besser bedient.

Technische Daten

Modell
tolino vision

Display
6-Zoll, E-Ink Carta Display (16 Graustufen), 1024 x 758 Pixel

Speicher
4 GB, 2 GB verfügbar, mit Micro-SD-Speicherkarte auf bis zu 32 GB erweiterbar

Abmessungen
163 x 114 x 8,1 mm

Gewicht
178 Gramm

Unterstützte Formate
EPUB (mit und ohne Adobe DRM), PDF , TXT

Zubehör
Micro USB-Kabel

Konnektivität
WLAN (802.11 b/g/n)

Preis
129 Euro

Link
Detaillierte Angaben auf der Website des Herstellers

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