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27.05.2014

Zu braves Spitzenmodell LG G3 ausprobiert

Die futurezone hat das LG G3 angetestet. Funktionen wie das Quad-HD-Display und der Laser Fokus machen sich zwar am Datenblatt gut, sind aber in der Praxis unauffällig.

Mit etwas Verspätung steigt nun auch LG in den Ring, um mit Sony und Samsung um den Titel „bestes Android-Spitzenmodell“ zu kämpfen. Die futurezone hat ein Vorserienmodell des LG G3 angetestet.

Obwohl das G3 ein 5,5-Zoll-Display hat, ist es nur geringfügig größer als Samsungs S5 (5,1 Zoll). Das liegt daran, dass die Ränder oben, unten und seitlich kleiner als bei der Konkurrenz sind. Zusammen mit der leicht abgerundeten Rückseite schafft es das G3, trotz der beachtlichen Bildschirmdiagonale, gut in der Hand zu liegen und elegant statt wuchtig auszusehen.

LG G3 im Hands-On

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Die verschiedenen Farben im Metallic-Look täuschen darüber hinweg, dass das G3 kein Aluminium-, sondern ein Plastik-Gehäuse hat. Deshalb ist man fast ein wenig enttäuscht, wenn man es zum ersten Mal in die Hand nimmt. Man erwartet Metall zu spüren, bekommt aber glattes Plastik in die Finger, das ein wenig an frühere Samsung-Modelle, wie das S3 und S4, erinnert. Die Plastik-Rückseite des Galaxy S5 fühlt sich hochwertiger als die des G3 an.

Bullaugen-Cover

Das liegt unter anderem daran, dass die Struktur der S5-Rückseite ein besseres Gefühl vermittelt, als die glatte Rückseite des G3. Das QuickCircle-Case des G3 hat eine strukturierte Rückseite. Ist das Case angebracht, fühlt sich das LG Smartphone besser an.

Das Cover mit dem kreisrunden Sichtfenster hat einen gewissen Retro-Charme, dürfte aber nicht jedermanns Geschmack treffen. Besonders gut kommt das QuickCircle-Case zur Geltung, wenn eine analoge Uhr eingeblendet wird.

Das Case macht das G3 unterscheidbar zu anderen Smartphones. Ansonsten ist das Design nämlich fast schon zu brav und erwachsen. Es fehlt das gewisse Etwas, dass das Gerät sofort als LG G3 identifizierbar macht.

Rückseitige Tasten

Das G3 hat zwar ein Unterscheidungsmerkmal, allerdings an der Rückseite. Dort sind, wie beim G2, die Standby- und Lautstärkentasten untergebracht. Diese sind an das brave Design angepasst und auf den ersten Blick nicht als Tasten erkennbar. Das ist zwar elegant, aber senkt eben auch den Wiedererkennungswert.

Die Tasten sind sehr flach und nicht so leicht zu drücken wie beim Vorgängermodell G2. Wahrscheinlich setzt LG deshalb wieder auf Knock-Funktionen, wie das Aufwecken des Smartphones aus dem Standby-Modus durch Antippen des Displays.

Das G3 kann so auch entsperrt werden. Man tippt etwa zwei Mal links unten und ein mal rechts oben auf das schwarze Display um das Gerät zu entsperren, anstatt ein Entsperrmuster zu zeichnen.

Es gibt noch weitere kleine aber feine Software-Ergänzungen. So kann etwa die Höhe der Onscreen-Tastatur (und damit die Größe der Tasten) verstellt werden. Will man das vorgeschlagene Wort einfügen, wischt man mit einem Daumen auf der Tastatur nach oben. So muss man nicht den Griff verändern, um das Wort oberhalb der Tastatur auszuwählen. Ebenfalls praktisch: Wischt man mit dem Daumen auf der Leertaste nach links oder rechts, wird so der Cursor bewegt. Das geht präziser als durch das Tippen auf den geschriebenen Text, um dort den Cursor zu platzieren.

Quad-HD-Display

Das 5,5-Zoll-Display mit der Quad-HD-Auflösung 2.560 x 1.440 Pixel sieht sehr gut aus. Mit dem freien Auge ist allerdings kein nennenswerter Unterschied bei der Schärfe zu erkennen, wenn man es mit dem FullHD-Display des Samsung S5 vergleicht.

Die Farbdarstellung ist natürlich ohne blass zu wirken. Weiß sieht sauber aus, Schwarz ist beim Super-AMOLED-Display des S5 besser.

Am ehesten spielt das Display seine Stärken beim Betrachten von 2K- und 4K-Videos aus. Beim Ansehen von Fotos war kein nennenswerter Vorteil zum FullHD-Display des S5 erkennbar.

Laser Fokus

Der Laser Fokus ist eigentlich eine Infrarot-Leuchte. Sie ist vergleichbar mit dem Fokus-Hilfslicht von Digicams, nur dass sie für das menschliche Auge nicht sichtbar ist.

Beim ausprobierten Vorserienmodell konnte der Laser Fokus noch nicht beeindrucken. Im direkten Vergleich mit dem Vorgängermodell G2 gab es keine nennenswerten Unterschiede bei der Geschwindigkeit des Fokussierens. Für den Schnelltest wurden beide Modelle nebeneinander gehalten und gleichzeitig von einem Motiv zum nächsten geschwenkt. Wenn das G3 einen Bruchteil bei einem Motiv schneller war, war dafür das G2 beim nächsten Motiv minimal flotter.

Das angepriesene, „schnelle Fokussieren zeitgleich mit dem Auslösen“ ist anders als erwartet. Wie viele andere Smartphones auch, fokussiert das G3 ständig automatisch. Hat es ein Motiv in der Display-Mitte erfasst, zeigt es bis zu neun Fokus-Punkte an, ähnlich wie bei einer DSLR. Tippt man einen dieser Punkte an, wird sofort ausgelöst. Tippt man allerdings woanders hin, wird erst fokussiert und dann ausgelöst. Im Test war dies nicht wahrnehmbar schneller als bei anderen, aktuellen Smartphones.

LG G3 im Vergleich

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Auch ohne Laser schnell

Bei der Geschwindigkeit des Fokussierens, egal ob in der Bildmitte oder an den Rändern, machte es keinen Unterschied, wenn der Laser mit dem Finger abgedeckt wurde. Ein LG-Mitarbeiter erklärte dies damit, dass der Autofokus, der in dieser Form auch schon beim G2 eingesetzt wurde, so gut ist, dass er auch ohne Laser Fokus schnell und präzise ist.

Auf die Frage, wozu man dann überhaupt einen Laser Fokus benötige, machte er nochmal den bereits oben beschriebenen Fokus-Vergleich zwischen G3 und G2. Dieser zeigte, dass beide Smartphones gleich schnell fokussieren.

Vielleicht lag dies aber auch an der Ausleuchtung des Veranstaltungsortes. Es ist denkbar, dass der der Laser Fokus erst bei schummrigen Licht und Nachtaufnahmen brilliert – Lichtsituationen, bei denen viele Smartphones an ihre Grenzen stoßen.

Die Selfie-Faust

Wie versprochen funktioniert dafür die Selfie-Funktion. Hält man die offene Hand neben das eigene Gesicht, wird am Display ein Rahmen rundherum eingeblendet, ähnlich wie bei der Gesichtserkennung. Ballt man die Faust, beginnt ein Countdown von Drei herunterzuzählen. Man muss nur darauf achten, die offene Hand weit genug vom Smartphone entfernt zu halten. Ist sie zu nahe, sodass am Display etwa nicht mehr die Finger sichtbar sind, erkennt das G3 die Hand nicht.

Das G3 kann auch Videos in der UHD/4K-Auflösung aufzeichnen. Im Hands-On sahen die Videos während er Aufnahme etwas ruckelig aus, dies wird beim finalen Modell aber möglicherweise noch optimiert.

Erster Eindruck

Es hat den Anschein als will LG mit dem G3 auf Nummer sicher gehen.Wirklich innovativ ist die Quad-HD-Auflösung nicht - es war nur eine Frage der Zeit, bis ein Hersteller die Pixelanzahl des Displays noch mal erhöht. Das Design des G3 ist zwar nett, aber zu brav mit zu wenig Wiedererkennungswert. Ein Sony Z1 und Z2 erkennt man sofort und das S5 fällt mit seiner Golfball-Rückseite auf.

Der Laser Fokus konnte im Kurztest noch nicht seinen Nutzen unter Beweis stellen – nur ein schneller Fokus kann aber auch nicht mit den Kameras von Nokias Lumia 1020 oder Sonys Z2 mithalten.

Gerade das nicht zu aufdringliche Design könnte bei einigen Usern Anklang finden. Zudem hat LG Verbesserungen eingearbeitet, die von Usern gefordert wurden, wie etwa ein Micro-SD-Slot und ein wechselbarer Akku. Dazu kommen noch diverse Software-Verbesserungen, die nicht besonders spektakulär wirken, aber durchaus den Smartphone-Alltag erleichtern könnten. Diese waren am Vorserienmodell noch nicht vollständig testbar.

Das LG G3 wird Ende Juni ab 599 Euro verfügbar sein.

Disclaimer: Die Reisekosten zur G3-Präsentation nach London wurden von LG übernommen.