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Science
12/18/2018

Akademie der Wissenschaften distanziert sich von Designerbabys

Stellungnahme der Österreichischen Akademie der Wissenschaften zu Gefahren und Nutzen der Genschere CRISPR.

Die Österreichische Akademie der Wissenschaften (ÖAW) distanziert sich von jeglicher Art der genetischen Optimierung und Verbesserung des Menschen ("Human Enhancement") durch Methoden wie die Genschere CRISPR. Verantwortungsbewusste Forschung zu Verständnis und Weiterentwicklung von Technologien - einschließlich CRISPR - zur Behandlung genetischer Erkrankungen seien aber grundsätzlich zu begrüßen.

Die Akademie hat anlässlich der Berichte um angeblich genmanipulierte Babys eine Stellungnahme zur Genom-Editierung verabschiedet. Darin lehnt die Gelehrtengesellschaft die "Durchführung von Versuchen an Menschen ohne vorherige Erlaubnis und ethische Begutachtung durch die zuständigen Einrichtungen sowie unter Missachtung sowohl der örtlichen rechtlichen Bestimmungen als auch des internationalen Konsenses der wissenschaftlichen Gemeinschaft eindeutig ab".

Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass Technologien wie CRISPR die biomedizinische Grundlagenforschung in hohem Maße bereichern würden und großes Zukunftspotenzial für die Behandlung von genetischen Erkrankungen hätten. Wichtig sei, dass entsprechende Forschungen unter strenger Einhaltung lokaler, nationaler und internationaler Gesetze und Vorschriften betrieben würden.

Ausnahmen für Medizin

Während in der wissenschaftlichen Gemeinschaft ein breiter Konsens bestehe, dass Keimbahninterventionen am Menschen mit dem Ziel des "Human Enhancement" völlig inakzeptabel seien, könne im Unterschied dazu die Genom‐Editierung am Menschen zur Heilung schwerwiegender genetischer Erkrankungen unter bestimmten Voraussetzungen vertretbar sein, hieß es in der Stellungnahme. Dazu zählen ein klar positives Nutzen‐Risiko‐Verhältnis, fehlende angemessenen Alternativen, umfangreiche Vorarbeiten, die die Durchführbarkeit belegen, die vollständige Einhaltung gesetzlicher Bestimmungen und geeignete Rahmenbedingungen hinsichtlich ethischer Beratung und Aufsicht.

Die ÖAW sieht angesichts der aktuellen Entwicklung die Notwendigkeit einer breiten gesellschaftlichen Debatte über die Chancen und Risiken des Einsatzes der CRISPR-Technologie. Dazu mahnte sie eine verstärkte Information der Bevölkerung über die medizinischen, rechtlichen und ethischen Fragen der Gentechnik ein. "Eine öffentliche Diskussion darüber ist dringend erforderlich, um das große Zukunftspotenzial dieser neuen Technologien positiv für die Gesellschaft, die biomedizinische Grundlagenforschung und die Behandlung von genetischen Erkrankungen zu nutzen", hieß es in einer Aussendung der ÖAW.