© Griffith Observatory/Bildmontage

Science
01/22/2019

Astronomen beobachten Meteoriteneinschlag während Blutmond

Wer am Montagmorgen genau hingeschaut hat, konnte während der Mondfinsternis einen Meteoriteneinschlag sehen.

Der Blutmond am Montag war offenbar noch einzigartiger als ursprünglich gedacht. Denn gegen 5:41 Uhr, als hunderttausende Menschen auf der ganzen Welt das Naturereignis verfolgten, schlug offenbar ein Meteorit auf dem Mond ein. Das haben Hobby-Astronomen auf Twitter entdeckt. Der Einschlag ist zwar mit dem freien Auge erkennbar, allerdings dauerte der Lichtblitz nur wenige Sekundenbruchteile an. Einmal blinzeln und man hatte es bereits verpasst.

In folgendem Video ist der Einschlag links unten kurz zu sehen - genau hinschauen:

Der Einschlag ist auf zahlreichen Aufnahmen von Sternwarten aus aller Welt zu sehen, unter anderem aus Marokko, Los Angeles und Pennsylvania. Der größte beobachtete Einschlag wurde im Februar 2014 verzeichnet. Damals beobachteten spanische Astronomen einen 400 Kilogramm schweren Meteorit, der mit einer Geschwindigkeit von 61.000 km/h auf der Mondoberfläche einschlug. Da der Mond über keine Atmosphäre verfügt, die den Meteorit bremsen könnte, setzte der Einschlag Energie frei, die 15 Tonnen TNT entspricht.

Üblicherweise zu Neumond sichtbar

Über das Ausmaß des nun beobachteten Meteoriten gibt es noch keinerlei Informationen. Laut Werner Gruber, Direktor des Planetariums der Stadt Wien, gibt es auf dem Mond Einschläge „im Stundentakt“. Diese seien aber meist so klein, dass sie nicht registriert werden. „Wenn 20.000 oder 30.000 Teleskope gleichzeitig auf den Mond ausgerichtet werden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein derartiger Einschlag beobachtet wird, ungemein größer, deswegen bin ich nicht sonderlich überrascht“, sagt Gruber.

Die besten Chancen, einen Einschlag zu beobachten, gibt es bei Neumond, da die Lichtblitze dann besser sichtbar sind. Umso bemerkenswerter ist die Beobachtung des Meteoriteneinschlags während des rötlich gefärbten Vollmondes am Montag. Die totale Mondfinsternis wird oftmals auch als Blutmond bezeichnet, da rotes Licht in den Erdschatten gestreut wird und der Mond so rötlich erscheint. In Mitteleuropa wird es eine vergleichbare totale Mondfinsternis erst wieder zu Silvester 2028 geben.

Hobby-Astronomen sind wichtig

Weltweit haben sich zahlreiche Forscher und Hobby-Astronomen auf die Beobachtung der Mondoberfläche spezialisiert. Das spanische Projekt MIDAS (Moon Impacts Detection and Analysis System) beobachtet bereits seit 2009 die Mondoberfläche auf Einschläge mit mehreren Teleskopen. Diese können auch Objekte erkennen, die nur wenige Gramm schwer sind.

In den USA betreibt die NASA bereits seit 2006 das Lunar Impact Monitor Programm, das jeden Einschlag eines Objekts verzeichnet, das schwerer als zehn Gramm ist. Aufgrund der anhaltenden Haushaltssperre, die auch die Raumfahrtbehörde betrifft, dürften die NASA-Forscher den Einschlag aber wohl verpasst haben.

„Die Beobachtung zeigt wieder einmal, wie wichtig es ist, dass Hobby-Astronomen Beiträge liefern“, sagt Gruber. Zahlreiche Hobby-Astronomen seien darauf spezialisiert, neue Mondkrater ausfindig zu machen und diese zu protokollieren – etwas, das einige Twitter-Nutzer ebenfalls für den Blutmond-Meteoriten versuchen. Diese Protokolle seien wichtig für die Forschung, erklärt Gruber.

Aufschluss über Vergangenheit

„Der Vorteil des Mondes ist, dass dieser seit vier bis viereinhalb Milliarden Jahren sehr unverfälscht ist“, erklärt Gruber. „Der Mond ist ein Überbleibsel aus der Entstehung des Sonnensystems.“ Forscher nehmen an, dass Protoplanet Theia, der Vorgänger der Erde, mit einem Mars-großen Himmelskörper kollidiert ist. Dabei entstanden Erde und Mond. „Auf der Erde ist durch die Atmosphäre nicht mehr viel übrig aus dieser Zeit, auf dem Mond schon.“ Durch das Protokollieren der Einschläge könne man festhalten, wie sich der Mond im Laufe der Zeit verändert hat.

Doch die Einschläge können auch für die Zukunft der Erde relevant sein. Die Erkenntnisse sollen Aufschluss über die Zerstörungskraft von Meteoriten liefern und könnten so ein Indikator dafür sein, welche Auswirkungen ein Einschlag auf der Erde hätte. Der Rekord-Meteorit von 2014 zeigte laut Jose Madiedo, dem Leiter von Projekt Midas, beispielsweise, dass der Effekt von Meteoriten mit knapp einem Meter Durchmesser zehn Mal größer als bisher gedacht sei.

Für die Erde wäre aber wohl auch der bislang größte Meteorit, der bislang auf dem Mond einschlug, keine Gefahr gewesen, sondern voraussichtlich in der Erdatmosphäre verglüht. Der Meteor von Tscheljabinsk, der 2013 in Russland für rund 1500 Verletzte sorgte, hatte laut Forschern einen Durchmesser von 19 Metern.