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© FH Campus Wien / Schedl

Science

Mit Beton kann man auch ein Kanu bauen

Wenn man an Beton denkt, hat man wahrscheinlich harte, massive Wände vor Augen, Straßenbeläge oder Plattenbauten. Aus dem Baustoff kann man aber auch ganz andere, wesentlich leichtere, auch filigrane Dinge formen, etwa ein Kanu. Genau das hat ein Studierenden-Team aus dem Fachbereich Bauen und Gestalten der FH Campus Wien gemacht. Mit ihrem Betonkanu nehmen sie nun an einer internationalen Betonkanu-Regatta in Deutschland teil.

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Das Kanu muss wasserdicht sein. Zwei Personen sollen damit möglichst schnell paddeln können.

Bei Null beginnen

Es ist bereits das dritte Mal, dass die FH Campus Wien an dem Bewerb teilnimmt. Alle zwei Jahre muss sich ein neues Team damit beschäftigen, wie man ein Betonkanu entwickelt und konstruiert, das nicht nur schwimmt, sondern auch möglichst schnell durch das Wasser gleitet. "Wir leiten unsere Studierenden an, verraten aber auch nicht, wie das Ganze ablaufen soll. Sie sollen selbst auf eine Lösung kommen", erzählt Marc-Patrick Pfleger, wissenschaftlicher Mitarbieter an der FH. "So kommt es dazu, dass das Kanu jedes Mal anders konstruiert und betoniert wird."

Der Betonkanubau wird von Markus Vill, Lehrendem und Leiter des Kompetenzzentrums für Bauen und Gestalten als offene Lehrveranstaltung angeboten, an der Student*innen aus verschiedenen Studiengängen und Semestern teilnehmen können. In diesem Jahr gab es 17 Teilnehmer*innen, aus den Studiengängen Architektur - Green Building und Bauingenieurwesen - Baumanagement. Als Werkstätte wurden Baucontainer organisiert und auf dem Gelände der FH Campus Wien aufgestellt. Der Bau erfolgte nach einem eigens erstellten Projektmanagement-Plan, der auch die Aufgabenverteilung auf drei Gruppen regelte.

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Das Spachteln der Bootswand erforderte zahlreiche Hände

Spachteln statt gießen

Erster Schritt beim Kanubau ist stets das Entwerfen eines geeigneten Designs und die Entscheidung für eine Baumethode. Anhand eines CAD-Plans haben die Studierenden in diesem Jahr eine Schalungsform aus Holz kreiert, in die sie später den "hochfesten" Kanubeton gespachtelt haben. Eine andere Bau-Alternative wäre etwa gewesen, den Beton in eine Kanu-förmige Form zu gießen. So hat es etwa das Vorgänger-Team vor 2 Jahren gemacht. Das Resultat war damals ein relativ schweres Betonkanu. Durch das Spachteln erhofften sich die diesjährigen Teilnehmer*innen eine Gewichtsreduktion.

Beton ist nicht gleich Beton. Es gibt verschiedene Rezepturen, die unterschiedliche Materialeigenschaften hervorbringen. Das Kanu-Team musste selbst eine Formel entwickeln, die eine dünne und dennoch sehr feste und vor allem wasserdichte Bootswand garantiert. Aber es kommt auch darauf an, dass man den Beton gut verarbeiten kann. "Man muss einen Kompromiss zwischen Verarbeitbarkeit und Festigkeit finden. Das Resultat weicht weit von davon ab, wie man Beton üblicherweise kennt", sagt Pfleger.

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So leicht kann Beton sein.

Werkstätte in Containern

Völlig frei sind die Kanubauer*innen bei der Gestaltung nicht. Die Deutsche Betonkanu-Regatta gibt einige Richtlinien vor. Das Kanu muss mindestens 4 Meter lang sein, und darf 6 Meter nicht überschreiten. Es muss zwischen 70 und 100 Zentimeter breit sein und zwei Personen tragen können. Der Beton darf nicht mit anderen Materialien abgedichtet werden und unterhalb der Wasserlinie keinen Anstrich aufweisen - schließlich soll sich zeigen, ob der Beton auch ohne zusätzliche Beschichtung wasserdicht ist.

Mit dem Bau ihres Betonkanus hat das aktuelle Studierendenteam im Februar begonnen. In wochenlanger Feinarbeit wurde ein Kanu erschaffen, dessen Wände zwischen 5 und 8 Millimeter dick sind. Das gesamte Kanu ist rund 120 Kilogramm schwer, schätzt das Team aufgrund des verarbeiteten Materials. Am 24. Mai wurde es an der Neuen Donau in Wien auf den Namen "DonauVille" getauft und erstmals zu Wasser gelassen. Dabei wurde auch verkündet, dass das Boot einen Preis bei der Concrete Design Competition, einem Wettbewerb der europäischen Zement- und Betonhersteller, gewonnen hat.

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Bootstaufe an der Neuen Donau.

Es schwimmt tatsächlich

Bei der Taufe zeigten sich sowohl Markus Vill, als auch sämtliche Teilnehmer*innen begeistert über das gemeinsame Tüfteln an dem Betonkanu. Als große Bereicherung erlebten sie den fachlichen Austausch zwischen den Teammitgliedern aus unterschiedlichen Studiengängen und Semestern, die Motivation, mit der alle Beteiligten an das Projekt heran gingen und die Erkenntnisse aus der praktischen Arbeit an einem Boot, das nun tatsächlich schwimmt.

Das gesamte Team wird nun nach Brandenburg an der Havel reisen, um dort am 10. und 11. Juni an der Betonkanu-Regatta teilzunehmen. Pro Team müssen dabei 2 Personen kräftig paddeln, um eine rund 500 Meter lange Strecke schnellstmöglich zu bewältigen. Weitere Preise sind etwa für Konstruktion, Nachhaltigkeit oder auch Design und Gestaltung ausgeschrieben.

 

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und FH Campus Wien entstanden.

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David Kotrba

Ich beschäftige mich großteils mit den Themen Mobilität, Klimawandel, Energie, Raumfahrt und Astronomie. Hie und da geht es aber auch in eine ganz andere Richtung.

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