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Science
05/15/2020

Das nächste tödliche Virus könnte aus dem Regenwald kommen

Der Amazonas ist der "größte Viren-Pool der Welt", warnt ein Forscher. Abholzung begünstigt die Übertragung von Tieren auf Menschen.

Die nächste Pandemie könnte vom Amazonas-Regenwald ausgehen, warnt der brasilianische Ökologe David Lapola. Denn dort steige der Eingriff des Menschen in die Lebensräume der Tiere stark an. Und das trage wesentlich zur Entstehung von Krankheiten bei, die von Tieren auf Menschen übertragen werden.

Das war auch beim Coronavirus der Fall. Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Virus von Fledermäusen stammt und später - wahrscheinlich über ein weiteres Tier - auf Menschen übertragen wurde.

"Riesiges Reservoir an Viren"

Lapola, der untersucht wie menschliche Eingriffe das Ökosystem tropischer Regenwälder verändern, sieht ähnliche Prozesse im Amazonasgebiet ablaufen. "Der Amazonas ist ein riesiges Reservoir an Viren", wird er von Sciencealert zitiert: "Wir sollten unser Glück besser nicht herausfordern."

Der weltgrößte Regenwald verschwindet in einer alarmierenden Geschwindigkeit. Im vergangenen Jahr nahm die Abholzung im brasilianischen Amazonas um 85 Prozent auf mehr als 10.000 Quadratkilometer zu. Der Trend setzt sich fort. Allein von Jänner bis April wurden 1.200 weitere Quadratkilometer abgeholzt. Wenn ein ökologisches Ungleichgewicht geschaffen werde, könne ein Virus schnell von Tieren auf Menschen überspringen, warnt Lapola.

Ähnliche Muster bei HIV und Ebola

Ähnliche Muster ließen sich auch bei HIV, Ebola und dem Dengue-Fieber beobachten, sagt der Ökologe: Das seien alles Viren, die aufgrund ökologischer Ungleichgewichte in großem Umfang aufgetreten und sich verbreitet hätten.

Bisher hätten sich die meisten derartigen Ausbrüche auf Südasien und Afrika konzentriert, wo sie häufig mit bestimmten Fledermausarten in Verbindung gebracht worden seien. Aber die immense Artenvielfalt des Amazonas könnte die Region zum "größten Viren-Pool der Welt" machen.

"Wir müssen die Beziehung zwischen unserer Gesellschaft und dem Regenwald neu definieren", sagt Lapola. Andernfalls drohen der Welt weitere Virenausbrüche. Und das seien sehr komplexe Prozesse, die schwer vorherzusehen seien.