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Science

Doomsday-Gletscher in der Antarktis vor dem Kollaps

Der massive Thwaites Gletscher in der Westantarktis – wegen seiner großen Bedeutung in der Region auch als „Doomsday-Gletscher“ bezeichnet – könnte bald kollabieren. Mithilfe von Satellitendaten haben Forscher*innen kilometerlange Risse entdeckt, die sich durch das Schelfeis ziehen.

Als Schelfeis wird eine große auf dem Meer schwimmende Eisplatte bezeichnet, die ein Drittel des 192.000 Quadratkilometer großen Gletschers ausmacht. Sie gilt als eine Art Verlängerung des Gletschers ins Meer.

Verheerende Folgen weltweit

Die Risse entstehen, wenn wärmeres Meerwasser das Schelfeis umspült. Untersuchungen zeigen, dass das Schelfeis immer schneller instabil wird. Innerhalb von 10 Jahren könnte das östliche Schelfeis komplett zusammenbrechen, warn Erin Pettit von der Oregon State University.

Kollabiert der Gletscher, erhöht sich der Meeresspiegel im günstigsten Fall um 65 Zentimeter. Er könnte allerdings eine Kettenreaktion auslösen und laut den Forscher*innen auch andere Gletscher in der Nähe mit hineinziehen, berichtet der britische Independent. Das würde einen Anstieg des Meeresspiegels von mehreren Metern bedeuten. Ein solcher Mechanismus wird als Marine Ice Cliff Instability (MICI) bezeichnet. 

Ein derartiger Meeresspiegelanstieg würde zahlreiche Weltstädte wie New York, Shanghai, Tokio oder Mumbai sowie große Gebiete in Küstenregionen überfluten. Kleinere Inseln wie Kiribati, Tuvalo oder die Malediven würden gänzlich verschluckt.

Schmelzgeschwindigkeit in 30 Jahren verdoppelt

Thwaites ist ein gefrorener Eisfluss in der Größe von Großbritannien und trägt rund 4 Prozent zum Meeresspiegelanstieg bei. Seit 2000 hat der Gletscher über 1.000 Milliarden Tonnen Eis verloren, wobei sich die Schmelzgeschwindigkeit in den vergangenen 30 Jahren verdoppelt hat. 

Kollabiert das Schelfeis des Doomday-Gletschers, markiert das generell sein Ende und je nach Auswirkung auch das seiner benachbarten Gletscher. Da die Temperaturen der Weltmeere höher sind als zur Entstehungszeit der Gletscher, können sie sich nicht natürlich wiederaufbauen.

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Andreea Iosa

Andreea Iosa beschäftigt sich mit neuesten Technologien und Entwicklungen in der Forschung – insbesondere aus Österreich – behandelt aber auch Themen rund um Raumfahrt sowie Klimawandel.

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