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Verkehr
03/30/2012

Eine Schnittstelle für Europas Verkehrsinfos

Das Projekt In-Time bietet eine einheitliche Basis zum Aufbau flächendeckender europäischer Verkehrsinformations-Systeme. Auch Österreich ist an dem Projekt beteiligt.

von David Kotrba

Wenn man heutzutage ins Ausland reist, muss man meist auf den Gebrauch einer Verkehrsinformations-App verzichten - entweder mangels Kenntnis eines passenden Produkts, Nichtbeherrschung einer Fremdsprache oder schlicht und einfach deshalb, weil es bis dato noch keine App mit flächendeckenden Informationen über mehrere Länder verfügbar war. Ein europäisches Projekt will mit diesem Umstand aufräumen und präsentiert sein Produkt In-Time derzeit auf der Intertraffic in Amsterdam, einer internationalen Fachmesse für intelligente Transportsysteme (ITS).

Bei In-Time geht es darum, eine Schnittstelle zu schaffen, über die aktuelle Verkehrsinformationen in einem gemeinsamen Standard verfügbar gemacht werden. Diese Daten sollen von jeder Art von Verkehrsdienstleister (Traffic Information Service Provider) aufgegriffen und verwendet werden können - etwa um Navigationssystemen mehr Fähigkeiten zu verleihen oder Apps anzubieten, mit denen etwa Routen geplant werden können.

Wie so eine Anwendung aussehen könnte, kann man sich bereits jetzt auf seinem iOS-, Android- oder sogar Symbian-Smartphone ansehen. Für diese Plattformen wurde die App e-miXer In-Time herausgebracht. Entwickler sollen daran sehen, wie einfach die Erstellung eigener Produkte dank der frei verfügbaren In-Time-Software ist. Die Eintrittsschwelle zum Feld der mobilen Verkehrsdienstleister soll gesenkt werden.

Straße, Schiene und Luftverkehr
Die In-Time-App funktioniert wie andere Routenplaner-Apps, in die man Start- und Zielpunkt eingibt. Hierauf werden verschiedene Transportmöglichkeiten präsentiert, samt einer kleinen Statistik über den CO2-Fußabdruck, den man mit dem jeweils gewählten Verkehrsmittel hinterlässt. Noch zeigt die App nur Wege in sechs europäischen Städten an, die als Pilotstädte für das Projekt fungieren. Dabei sind Brno, Bukarest, Florenz, München, Oslo und Wien. In Wien werden die Daten vom Verkehrsverbund Ost-Region gesammelt, welcher das ITS Vienna Region betreibt. Die Server der ITS Vienna Region liefern über die In-Time Schnittstelle die aktuellen Verkehrsinformationen aus Wien.

Diese Informationen umfassen Fahrpläne und Lagedaten der öffentlichen Verkehrsmittel (etwa der Wiener Linien), geplante und aktuelle Flug-Informationen (von Austro Control), Straßen-Verkehrsinformationen (ASFINAG), sowie Umweltmessdaten aus Wien, Niederösterreich und dem Burgenland. Für möglichst zeitnahe Stau-Informationen wird eng mit der Ö3 Verkehrsredaktion zusammengearbeitet. Hier kommt die Bürgerbeteiligung (Stichwort "Ö3ver", private Verkehrsmeldungen per Telefon an den Radiosender) ins Spiel, die bei einem Neben-Projekt von In-Time eine Rolle spielen soll.

Staus verhindern, Energieverbrauch senken
Bei CoCities geht es darum, Städte und Regionen dazu zu bringen, ihre Verkehrinformationen über In-Time verfügbar zu machen. Außerdem soll eine Feedback-Schleife zwischen Verkehrsdienstleistern und Mobil-Nutzern geschaffen werden, wodurch die Benutzung von Verkehrsinformations-Diensten  attraktiver werden soll. Im Endeffekt geht es sowohl bei In-Time als auch bei CoCities darum, die Luftverschmutzung in Städten zu reduzieren, Staus zu verhindern, den Energieverbrauch zu senken und Menschen generell zum "Umsteigen" (auf öffentliche Verkehrsmittel) zu bewegen.

Sowohl das Projekt In-Time als auch CoCities werden von der AustriaTech, einer Bundes-Gesellschaft für technologiepolitische Maßnahmen, koordiniert. Schon bald soll die Führung aber an private Partner übergeben werden. Die Projekt-Dauer von drei Jahren ist mit 1. April 2012 erreicht. Die Finanzierung wurde von der EU übernommen. Zukünftig könnten Verkehrsdienstleister, die mit der In-Time-Schnittstelle arbeiten, auf öffentliche Finanzierungsmodelle setzen. Schließlich profitieren Städte und Regionen von effizienterer Verkehrsplanung. Zunächst geht es allerdings darum, das Netz der In-Time-Partner auszubauen, um den derzeitigen "Fleckerlteppich" der Teilnehmer zu einem flächendeckenden Gebiet auszubauen.