Die Galaxie Markarian 231

© NASA, ESA, the Hubble Heritage Team

Science
02/22/2020

Erstmals Sauerstoff in fremder Galaxie entdeckt

Forscher haben Sauerstoff außerhalb der Milchstraße gefunden. Sie erhoffen sich neue Erkenntnisse über die Entstehung von Leben.

Sauerstoff ist das dritthäufigste Element im Universum. Trotzdem war es Forschern bisher nicht möglich, Sauerstoff in anderen Galaxien nachzuweisen. Jetzt wurde ein Durchbruch erzielt.

Die Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse in der Studie „Die erste Entdeckung von extragalaktischem, molekularem Sauerstoff“ veröffentlicht. Diese Entdeckung kann ein Meilenstein für zukünftige Forschungen sein, um die Rolle von Sauerstoff in der Evolution von Planeten, Sternen, Galaxien und ultimativ Leben besser zu verstehen.

581 Millionen Lichtjahre entfernt

Der Sauerstoff wurde in der Galaxie Markarian 231 entdeckt. Diese ist 581 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Dazu wurde das Teleskop IRAM in Spanien und das Radiointerferometer NOEMA in Frankreich genutzt.

Dass es so lange gedauert hat, bis Sauerstoff in einer anderen Galaxie gefunden wurde, liegt an der Atmosphäre unserer Erde. Diese absorbiert viele Wellenlängen von Licht, die für das Aufspüren von Sauerstoff nötig sind. Das Licht von Markarian 231 geht aber ins Rötliche, weil sich die Wellen auf der weiten Reise zur Erde ins Längliche gezogen haben. Die Erdatmosphäre absorbiert diese Wellenlängen schlechter, wodurch es für die Forscher möglich war, den Sauerstoff aufzuspüren.

Bislang konnte nur 2 Mal molekularer Sauerstoff im Weltall aufgespürt werden. In beiden Fällen gelang es mit Weltraumteleskopen, die nicht durch die Erdatmosphäre beeinträchtigt sind. Allerdings haben diese weniger Leistung als die Bodenteleskope auf der Erde, weshalb die Sauerstofffunde nur in der Milchstraße waren – 350 und 1.344 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Keine Atemluft

Molekularer Sauerstoff ist der für uns „normale“ Sauerstoff, den wir als O2 kennen. Nahezu alle Lebewesen auf der Erde benötigen ihn. Das heißt aber nicht, dass wir in der Galaxie Markarian 231 atmen könnten.

Dort fehlt die richtige Mischung mit den anderen Molekülen, die die Luft auf der Erde atembar macht. Der Anteil von Sauerstoff in der Luft auf der Erde beträgt lediglich 20,942 Prozent. Der Rest sind Stickstoff, Argon, Wasserdampf und Spuren anderer Gase.

Luftschleuder

Für die Forscher ist die neue Entdeckung zudem ein „ideales Werkzeug für weitere Studien.“ Denn in Markarian 231 befindet sich der derzeit erdnäheste, bekannte Quasar – ein aktiver Kern einer Galaxie.

Quasare gehören zu den am stärksten strahlenden Objekten im Universum. Den Forschern zufolge scheint der Quasar von Markarian 231 den Sauerstoff zehntausende Lichtjahre weit wegzuschleudern.

Zukünftig soll herausgefunden werden, wie sich dieser Beschuss mit Sauerstoff auf Objekte im Weltall auswirkt. Dazu gehört die Entwicklung von Planeten, Sternen und Galaxien, sowie die mögliche Entstehung von lebensfreundlichen Umgebungen.