Science
09.04.2018

Forscher auf der Spur des Gemeinwohls

Forscher der FH Campus Wien widmen sich der Frage, wie Gemeinwohl erzeugt wird. Konkret wird dabei die Volksanwaltschaft untersucht.

Die Volksanwaltschaft ist in Österreich die Anlaufstelle für Bürger, die sich von der Verwaltung ungerecht behandelt fühlen aber alle Rechtsmittel schon ausgeschöpft haben. Pro Jahr gibt es etwa 18.000 bis 19.000 solche Beschwerden. Diese Position als Ombudsinstitution nimmt ein Forschungsprojekt der FH Campus Wien unter die Lupe. “Wir untersuchen die Volksanwaltschaft als Indikator für das Verhältnis von Bürger und Staat. Die grundlegende Frage, die uns interessiert, ist wie in einer Gesellschaft Public Value oder Gemeinwohl geschaffen wird”, sagt Julia Dahlvik vom Kompetenzzentrum für Verwaltungswissenschaften der FH Campus Wien. Im Projekt, das in Kooperation mit Axel Pohn-Weidinger, Universität Göttingen, durchgeführt wird, wird die Volksanwaltschaft aus zwei Perspektiven beleuchtet: Jener der Mitarbeiter und Volksanwälte und jener der Bürger.

Julia Dahlvik

“Wir fragen unter anderem, wie diese Gruppen die Mission und die Arbeit der Volksanwaltschaft sehen. Das passiert unter anderem über Interviews und eine groß angelegte Umfrage. . Zudem haben wir an Sprechtagen als Beobachter teilgenommen”, erklärt Dahlvik. Das Projekt läuft bis 2020 und wird vom Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank gefördert. Am Ende sollen die Ergebnisse auch in Buchform publiziert werden, damit auch die breite Bevölkerung einen Einblick erhält.

Bürger und Recht

Die Frage, wie ein Bürger zu seinem Recht kommt und wie seine Auffassung dieses Rechts ist, beschäftigt Forscher schon länger. Soziologisch ist aber gerade das Thema der Ombudsinstitutionen bislang kaum erforscht., “2017 hat die Volksanwaltschaft ihren 40. Geburtstag gefeiert. Eine wissenschaftliche Untersuchung gab es in diesem Zeitraum aber nicht”, sagt Dahlvik. Die Forschung zu dem Thema an der FH steht derzeit zwar noch am Anfang, erste Einschätzungen, die auch den sozialen und politischen Kontext sowie die historische Entwicklung berücksichtigen, lassen sich aber bereits treffen: “Was wir schon feststellen können, ist das sich durch die Privatisierungen für die Bürger einiges verändert hat. Auch, dass es in verschiedenen sozioökonomischen Gruppen Unterschiede bei der Nutzung gibt, zeichnet sich ab”, sagt Dahlvik.

Das könnte etwa daran liegen, dass bei Personen mit geringerem formalen Bildungsstand die Volksanwaltschaft weniger bekannt ist. Was sich auch zeigt ist, dass die Volksanwaltschaft in vielen Fällen angerufen wird, in denen sie gar keine Zuständigkeit hat. Grundsätzlich bewerten die meisten Menschen die Institution an sich jedenfalls positiv. “Oft ist es einfach wichtig, dass jemand sich die Probleme anhört, wenn die Menschen davor von Pontius zu Pilatus geschickt wurden. Als neutrale Stelle, die kontrolliert, ob die Behörden korrekt gehandelt haben, hat die Volksanwaltschaft einen guten Ruf”, sagt Dahlvik.

Die Umfrage wird in einem Format verfasst, das an der Universität Oxford entwickelt wurde. Das soll auch einen internationalen Vergleich möglich machen. Das soll auch im Bereich der Verwaltungsforschung neue Impulse setzen. “Bei der Erforschung des Zustandekommens von Gemeinwohl wird uns die Arbeit nach Ende des Projektes ebenfalls nicht ausgehen”, sagt Dahlvik.

 

Dieser Artikel ist im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und FH Campus Wien entstanden.