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Science
05/06/2020

Kaum neue Corona-Fälle nach erster Öffnung in Österreich

Nach neuen Erkenntnissen zur Virenverbreitung verspricht Gesundheitsminister Rudolf Anschober mehr und schnellere Tests.

von Martin Stepanek

Die erste Lockerung der Corona-Schutzmaßnahmen am 14. April hat sich laut dem österreichischen Gesundheitsminister bisher kaum in neuen Erkrankungen niedergeschlagen. Am Montag und Dienstag blieben die Zahlen mit 30 bzw. 33 neuen Corona-Fällen stabil niedrig. Angesichts neuer Erkenntnisse hinsichtlich der Verbreitung des Virus, die am Mittwoch von der Gesundheitsagentur AGES präsentiert wurden, will Anschober ältere Personen in Senioren- und Pflegeheimen noch besser schützen.

Da in der Cluster-Analyse der AGES hinsichtlich Häufungen von Infektionen Senioren- und Pflegeheime fast 30 Prozent aller nachverfolgten Fälle ausmachen, kündigte Anschober in einer Pressekonferenz eine neue Teststrategie an: "Künftig gilt die Devise 24 plus 24 plus 24. Vom ersten Symptom bis zu Durchführung eines Tests sollen maximal 24 Stunden vergehen. Das Ergebnis soll spätestens 24 Stunden später vorliegen. Und dann bleiben 24 Stunden, um Personen ausfindig zu machen, die mit der infizierten Person Kontakt hatten."

Bereits 25.000 Testungen

Die neuen Zahlen der AGES hinsichtlich Betroffener in Alten- und Pflegeheimen seien zwar auffällig. Angesichts rigoroser Schutzmaßnahmen stehe man im Vergleich zu allen anderen Ländern aber noch gut da. Als Negativbeispiele nannte er Kanada, wo 63 Prozent aller Infizierten auf Heime zurückzuführen sind, oder auch Stockholm, wo die Zahl bei etwa 45 Prozent liegt. Schon bisher habe man auf diese Gruppe mit 25.000 Testungen besonderes Augenmerk gelegt.

In der Pressekonferenz gab die leitende Infektionsepidemiologin Daniela Schmid von der AGES weitere Einblicke in die Verbreitung des Virus. So könne man durch die erwähnten Clusteranalysen zeitlich gut nachvollziehen, wie sich die Infektionsketten mit Ausbreitung der Epidemie in Österreich verändert hätten. "Ende Februar und Anfang März standen die reiseassoziierten Infektionen, die Personen aus dem Ausland mitbrachten, im Mittelpunkt. Danach - und nicht zuletzt auch durch die Reisebeschränkungen - kam es zur lokalen Verbreitung, die vor allem in Freizeitaktivitäten wie Wintersport, Chorbesuch und Fitness-Center ihren Ausgang nahm", sagte Schmid.

Seniorenheime erst später

Danach habe sich das Virus den Weg in den halböffentlichen Bereich gebahnt und sei so über Haushalte und Freundschaftskontakte schließlich in Senioren- und Pflegeheimen, aber auch Orten wie Klöster oder Asylheime gelandet. In der Clusterauswertung lässt sich sowohl die zeitliche, als auch die räumliche Abfolge nachvollziehen, wie die Epidemiologen der AGES auch in mehreren Grafiken illustrieren. So fand etwa ein Großteil des Ausbruchs in Heimen erst einen Monat nach Beginn der Corona-Epidemie in Österreich statt.

Um die derzeit niedrigen Infektionszahlen halten zu können, setzen die Epidemiologen nun auf die aktive Fallsuche. Das bedeutet laut Schmid, dass man mittlerweile auch kleinen Clustern mit wenigen Fällen sofort nachgeht und diese aufzulösen versucht. "Je schneller wir die Quelle des Clusters finden und die Art der Verbreitung verstehen, desto schneller kann man Gegenmaßnahmen ergreifen und die Verbreitung unterbinden. Ziel muss es bleiben, die Reproduktionszahl unter einer Person zu halten", erklärte Schmid.