Science
07.05.2018

NASA stuft SpaceX-Rakete Falcon 9 als lebensbedrohlich ein

© Bild: REUTERS / NASA

Elon Musks Weltraumfirma sorgt innerhalb der NASA, aber auch im US-Kongress für emotionale Sicherheitsdebatten.

Um die Leistungsfähigkeit der eigenen Raketentechnologie zu steigern, will SpaceX die Falcon 9 auch bei bemannten Flügen mit extrem heruntergekühltem Treibstoff betanken. Durch die höhere Dichte passt mehr Treibstoff-Menge in die vorgesehenen Tanks, was die Rakete logischerweise leistungsstärker macht. Genau an diesem Punkt stoßen sich nun aber Sicherheitsberater der NASA. Da das Betanken in diesem Fall unmittelbar vor dem Start erfolgen muss, gehe man damit ein lebensbedrohliches Risiko für die dann bereits an Bord befindlichen Astronauten ein, kritisieren Berater in und außerhalb der NASA laut Washington Post.

"Viel zu riskant"

Der Vorgang, der in der Fachsprache als "Load-and-Go" bezeichnet wird, widerspreche den seit 50 Jahren etablierten Sicherheitsstandards, kritisieren die Sicherheitsberater der NASA, die auch im US-Kongress hinter den Kulissen gegen Elon Musks Vorhaben lobbyieren. Treibstoff in derartigem Zustand sei labil. Gehe auch nur eine Kleinigkeit schief, komme es zur Explosion, die den an Bord der Dragon-Kapsel befindlichen Menschen ihr Leben kosten würde. Ein Funke genüge, um eine derartige Katastrophe auszulösen.

Die Vorbehalte sind durch SpaceX und Elon Musk in diesem Fall nicht so leicht zu entkräften. So explodierte im Jahr 2016 eine Falcon 9, die einen Facebook-Satelliten ins All schießen hätte sollen, auf der Startrampe und auch 2017 musste sich SpaceX mit einem explodierenden Raketenantrieb herumschlagen. Darüber hinaus haben sich die Katastrophen rund um die Challenger im Jahr 1986 sowie die Columbia im Jahr 2003 als mahnende Beispiele ins kollektive Bewusstsein innerhalb der NASA, aber auch der Politik und der Öffentlichkeit eingebrannt.

Auch Kritik an NASA

Aber nicht alle teilen die Sicherheitsbedenken. In letzter Zeit mehren sich die Stimmen, die mehr Risikobereitschaft für Weltraummissionen einfordern. Auch der frühere NASA-Chef Robert Lightfoot bezweifelte in einer Rede, ob die Mondlandung angesichts des Sicherheitsdenkens in der heutigen Zeit überhaupt noch möglich gewesen wäre. Auch der Weltraum-Experte Greg Autry kritisiert, dass die NASA kein Risiko mehr eingehen. Wann immer es um darum gehe, etwas Neues auszuprobieren, werde man auf die beiden Shuttle-Desaster der vergangenen Jahrzehnte verwiesen.