Science
13.04.2015

NASA: Zwergplanet Ceres hatte bewegte Vergangenheit

Die ersten Daten der NASA-Raumsonde "Dawn" vom Planetoiden "Ceres" wurden bei der Geologen-Konferenz in Wien präsentiert. Unter der Eishülle befindet sich wohl Wasser.

Der Zwergplanet "Ceres" hat vermutlich eine ereignisreiche Vergangenheit, haben Wissenschafter am Montag, dem ersten Tag der Generalversammlung der "European Geosciences Union" (EGU) in Wien, erklärt. Dies schließen sie aus den ersten Daten, die die NASA-Raumsonde "Dawn" während der Annäherung an den Planetoiden zur Erde gesendet hat.

Anfang März angekommen

Ceres befindet sich im Planetoidengürtel zwischen Mars und Jupiter und wurde bereits 1801 entdeckt. Sein Durchmesser beträgt etwa 925 Kilometer (zum Vergleich: der Mond hat 3.476 Kilometer Durchmesser). Aus der Dichte des Planetoiden schließen die Wissenschafter, dass er an der Oberfläche eine massive Eishülle trägt und zu etwa 25 Prozenten aus Eis besteht. Unter dieser Schichte vermuten sie flüssiges Wasser.

Die 1,6 Meter lange und 747 Kilogramm schwere Raumsonde Dawn (auf Deutsch: Morgendämmerung) startete 2007 und inspizierte 2011 und 2012 zunächst den ebenfalls im Planetoidengürtel zwischen Mars und Jupiter gelegenen Asteroiden Vesta. Im September machte sie sich von dort auf die Reise zu Ceres. In dessen Umlaufbahn kam die Sonde am 6. März 2015 nach insgesamt acht Jahren und fast fünf Milliarden Kilometern Reise an. Sie soll nun Ceres mindestens bis zum Juni 2016 erforschen.

Gewaltige Kollisionen

"Der Zwergplanet war in seiner Geschichte nicht immer nur ein inerter Steinbrocken", erläuterte Christopher Russell von der Universität Kalifornien (USA) die ersten Ergebnisse im Rahmen der Konferenz von mehr als 12.000 internationalen Geo-Wissenschaftern, die in dieser Woche (12. - 17. April) in Wien stattfindet. Aktive Prozesse hätten Ceres geformt und dazu geführt, dass er in unterschiedlichen Regionen aus verschiedenen Materialien besteht.

Wie erwartet sei die Oberfläche des Planetoiden von Kratern übersät, was von einer "von gewaltigen Kollisionen" geprägten Vergangenheit spräche, so Martin Hoffmann vom Max Planck Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen (Deutschland). Allerdings gäbe es aus noch unbekannten Gründen weniger große Krater als angenommen.

Dawn rückt näher

Die Wissenschafter seien nun dabei, eine "Farbkarte" von Ceres zu erstellen. Die Kamerasysteme der Sonde liefern dafür mit sieben Farbfiltern Bilder aus verschiedenen Wellenlängenbereichen, mit denen die Unterschiede in der Zusammensetzung der Oberfläche deutlich werden sollen. Bis Ende April wird sich die Raumsonde dem Zwergplaneten auf 13.500 Kilometer angenähert haben, ab diesem Zeitpunkt erwarten sich die Wissenschafter detailliertere Daten.

Verschiedene helle Punkte, die die Sonde schon am Anfang der Annäherung erspäht hatte - und die teilweise schon zuvor mit dem Hubble Weltraum entdeckt worden waren - geben den Wissenschaftern weiterhin Rätsel auf, denn ihr Ursprung sei noch unklar. "Sie faszinieren unser wissenschaftliches Team weiterhin, wir müssen aber warten, bis die Sonde näher an Ceres herankommt, um ihren Ursprung feststellen zu können", so Russell.

Glücksfall Vesta und Ceres

Im Gegensatz zu dem von "Dawn" zuvor untersuchten Asteroiden Vesta, beherberge Ceres "erstaunlich wenig Hinweise auf eingeschlagenes Material". Dies sei derzeit nicht erklärbar, denn die zahlreichen Krater, die den Zwergplaneten überziehen, deuten auf ein ständiges Bombardement von kleinen und großen Brocken hin. Dass Ceres und Vesta sehr unterschiedlich sind, sei für die Wissenschafter jedoch ein Glücksfall. Sie lägen einerseits so nahe zusammen, dass sie von einem einzelnen Raumschiff besucht werden können, und böten dennoch Daten zu verschiedenen Aspekten in der Entwicklung des Sonnensystems und seiner Frühgeschichte vor 4,6 Milliarden Jahren.