Symbolbild Satellit
Wie das österreichische Quantenwunder gelingen soll
Im Jahr 2050 kreist ein europäisches Satellitennetzwerk um die Erde, das durch eine österreichische Quantenverschlüsselung vor chinesischen und amerikanischen Zugriffen geschützt ist. Unten stehen auf europäischem Boden KI-Fabriken mit integrierten Quantencomputern aus Innsbruck. Jahrzehnte nachdem Anton Zeilinger den Nobelpreis für Physik bekam, macht sich die neue Physik in Österreich auch wirtschaftlich bezahlt: Tausende Menschen arbeiten mittlerweile in Jobs, die durch die Quantenindustrie dazugekommen sind: Sie produzieren Quantencomputer und arbeiten an Verschlüsselungstechnologien für Messenger und Satellitennetzwerke.
Es ist ein hypothetisches Zukunftsszenario. Aber eines, das man in der österreichischen Forschungscommunity sehr ernst nimmt. "Was vor 30 bis 40 Jahren als Hochrisikoforschung begonnen hat, ist jetzt marktreif. Unsere Businesspläne sagen, dass wir sehr groß werden könnten", erklärt Robert Ursin, Quantenphysiker und CEO von qtlabs und zerothird bei einer Pressekonferenz zur Lage der Österreichischen Forschungsförderung (FFG) im Parlament am Donnerstag. Seine Unternehmen entwickeln u.a. Quantenverschlüsselungssysteme für Banken und Satelliten. Die weltpolitische Lage habe die Konkurrenz aus China bei Verschlüsselungs- und Sicherheitstechnologien ausgebremst. "Heute würde kein Mensch mehr Security-Geräte in China kaufen. Diese Zeiten sind Gott sei Dank vorbei", meint Ursin. Deshalb sei die Chance für die heimische Industrie nun umso größer.
➤ Mehr lesen: Quanten-Industrie soll in Österreich Tausende Arbeitsplätze schaffen
Silicon Valley als Vorbild für die österreichische Quantenindustrie
Damit die Pläne für ein österreichisches Quantenwunder aufgehen, müsse die Politik das aber mit öffentlichen Mitteln steuern, erklärt Ursin. Er fordert eine "Quantenmilliarde" an Fördermitteln. Die Politik vertraue laut Ursin zu sehr darauf, dass die Industrie von allein wächst, aber das sei ein Trugschluss. "Im Silicon Valley hat das auch nicht alles der Markt alleine geregelt", erklärt er. Auch dort habe der Staat zunächst jahrzehntelang investiert, etwa durch NASA-Aufträge.
Um mehr Forschungsgeld für den innovativen Wirtschaftszweig zu mobilisieren, brauche es aber Veränderungen in der österreichischen Förderpolitik: "Wir müssen Mut haben, von der Gießkanne weg zur Spitzenförderung zu kommen," sagt er. "Wir Österreicher haben alles in der Hand: Wir haben früh begonnen zu fördern und jetzt tatsächlich eine Chance", sagt er. "Wir sind zur Spitzenleistung fähig. Das zeigen wir gerade. Wir sollten uns nicht auf Lederhosen und Mozartkugeln ausruhen. "
Henrietta Engerth-Stadlhuber, der Quantenphysiker Roboter Ursin und Karin Tausz.
© FFG
Auch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG, die am Donnerstag ihre Jahresbilanz präsentierte, will künftig gezielter fördern. "Wir können nicht Milliarden investieren wie USA oder China, aber wir wollen dort gezielt investieren, wo wir industrielle Wirkung erzielen", erklärt Henrietta Egerth-Stadlhuber, FFG Co-Geschäftsführerin. "Wir sind sehr stark in verschiedenen Themen, zum Beispiel in der Quantenverschlüsselung und -kommunikation, bei Mobility in Space, im Thema Weltraumelektronik und Erdbeobachtung", erklärt Karin Tausz, die zweite Co-Geschäftsführerin der FFG. Insgesamt seien in der Industriestrategie 9 Schlüsseltechnologien auserkoren worden, die nun im Fokus der FFG stehen sollen.
Bessere Vernetzung mit dem Ausland
Neben der Fokussierung auf ausgewählte Bereiche, in die bereits 65 Prozent der Förderungen fließen und die auf 75 Prozent steigen sollen, müsse man auch über die Landesgrenzen hinausdenken. Insbesondere wegen der weltpolitischen Lage, die sich auch auf die heimische Forschungslandschaft und forschende Unternehmen auswirke. "Internationale Kooperationen sind extrem wichtig. Wie kommt man in die Netzwerke hinein? Über Innovations- und Forschungsprojekte und das unterstützen wir als FFG neben den nationalen Tätigkeiten ganz massiv über europäische Formate, etwa in der Luft- und Raumfahrt", erklärt Egerth-Stadlhuber.
Die FFG resümierte am Donnerstag auch das Forschungsjahr 2025. Die Förderagentur erklärt, dass Unternehmen aufgrund der wirtschaftlich angespannten Lage vorsichtiger waren, wenn es um Forschungsprojekte ging: Viele hätten Investitionen verschoben und Risiken neu bewertet. In einer solchen Situation zeige sich die stabilisierende Wirkung von staatlicher Forschungsförderung, erklärte Egerth-Stadlhuber: "die öffentliche Forschungsförderung wirkt in den Krisenzeiten doppelt: Wir stabilisieren laufende Projekte und Beschäftigung und schaffen die Basis für Wettbewerbsfähigkeit im nächsten Aufschwung." Jeder investierte Euro bringe 8,60 Euro zusätzlichen Umsatz in den Unternehmen. Unterm Strich komme das dann durch zusätzliche Steuereinnahmen wieder zurück.
"All-Time-High in der Nachfrage"
2025 hat die FFG insgesamt 927 Mio. Euro an F&E-Mittel in Forschungs- und Innovationsprojekte investiert. Gegenüber 2024 gab es wegen des geplanten Wegfalls der Energiekostenpauschale und einem Rückgang von Infrastrukturmitteln etwas weniger Geld im Topf der FFG. 2026 würden wegen der 2-jährigen Vergabe der COMET-Mittel, die 2025 stattfand, noch einmal weniger Mittel zur Verfügung stehen. Auch die Reduktion der Mittel im Klimafonds, den die FFG abwickelte, würde sich im Budget von 2026 zeigen.
Die Nachfrage sei bei Fördermitteln wegen der Krise besonders hoch und die FFG erhielt mehr Anträge für Forschungsmittel. "Wir haben ein All-Time-High in der Nachfrage", erklärt Egerth-Stadlhuber. 34 Prozent der eingereichten Projekte müsste die FFG ablehnen, obwohl sie die Qualitätskriterien erfüllen würden. "Damit geht auch ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftskraft in Österreich verloren."
➤ Mehr lesen: Österreich bleibt trotz Krise Innovationsspitze in Europa
Von den Fördermitteln seien im Vorjahr 67 Prozent an Unternehmen gegangen (36 Prozent Großunternehmen und 31 Prozent KMU). Der Rest ging an Hochschulen und Forschungsinstitute. Spitzenreiter beim Bezug von FFG-Innovationsförderung sei Wien (237 Mio. Euro), gefolgt von der Steiermark (230 Mio. Euro), Oberösterreich (133 Mio. Euro) und Niederösterreich (79 Mio. Euro). "Allerdings sehen wir immer wieder, dass gerade Kärnten, Tirol, Salzburg ihre Schwerpunktthemen sehr intensiv verfolgen. Wir versuchen daher, diese fokussierten Themen der Bundesländer auch entsprechend intensiv zu unterstützen. Aber wir haben eindeutig 3, 4 Bundesländer, die stärker performen."
Kommentare