Science
17.10.2015

Schlafmangel durch Handy-Nutzung ist ein Mythos

Die Nutzung von Handys, Tablets und Computer am Abend raubt Menschen den Schlaf, heißt es immer wieder. Eine neue Studie räumt mit dieser oft zitierten Theorie auf.

Menschen in hochindustrialisierten Ländern schlafen schlecht und wenig, so die gängige Meinung. Vor allem elektronische Geräte wie Handys, Tablets, Computer, aber auch der Fernseher sorge dafür, dass man viel weniger Schlaf in der Nacht bekomme als von der Natur vorgesehen. Eine neue Studie, die im Journal "Current Biology" veröffentlicht wurde, zeigt nun, dass von der Industrie und der modernen Welt unberührte Zivilisationen noch viel weniger schlafen als Menschen in der industrialisierten Welt.

In freier Natur weniger Schlaf

Die Forscher untersuchten zu diesem Zweck drei Stäme in Tansania, Namibia und Bolivien, die ihr Leben ohne Ackerbau mit Jagen und Sammeln von Pflanzen und Früchten verbringen. Die untersuchten Personen schliefen zwischen 5,7 und 7,1 Stunden am Tag - und kamen so auf einen Schnitt von 6,5 Stunden. Zum Vergleich: Der Schnitt in Industrieländern liegt bei 7,5 Stunden. Besonders interessant war die Erkenntnis, dass auch diese Menschen ohne Elektrizität oder Handys als Ablenkung durchschnittlich 3,3 Stunden nach Einbruch der Dunkelheit noch wachblieben.

Offenbar ist auch weniger das Licht der bestimmende Faktor, ob und wann Menschen schlafen, sondern die Außentemperatur. So schliefen die Menschen im Normalfall erst, wenn die Temperatur abkühlte. Und auch die oftmals zitierte Siesta, die in der modernen Welt verlorengegangen ist, wurde nur in den Sommermonaten um die Mittagszeit abgehalten. Das widerspricht der Theorie, dass Bildschirme hauptverantwortlich dafür sind, dass Menschen nicht einschlafen oder schlafen können, oder etwa ein Nickerchen am Tag eine "natürliche" menschliche Eigenschaft wäre. Ein Unterschied wurde dennoch deutlich: So schliefen die untersuchten Menschen im Normalfall ungestörter und ohne Wachphasen als Personen in der inustrialisierten Welt.