© Montage - Mercedes, Apple

Sprachsteuerung
06/24/2012

Siri im Auto kommt nur langsam in die Gänge

Apple kündigte bei der WWDC enthusiastisch die künftige Integration seines digitalen iPhone-Assistenten im Auto an. Innerhalb von 12 Monaten sollten mehrere Marken Siri an Bord haben. Die meisten Hersteller reagieren verhalten auf die Ankündigung, einzig Mercedes nennt einen Starttermin.

von David Kotrba

Während seiner Keynote bei der Apple-Entwicklerkonferenz WWDC sprach Senior Vice President Scott Forstall davon, dass der sprachgesteuerte, digitale Assistent Siri zukünftig einen Fixplatz in den Autos mehrerer Hersteller erhalten soll. Ein eigener Siri-Knopf am Lenkrad wurde prophezeit, durch den der Fahrer seine Aufmerksamkeit weiterhin der Straße widmen kann, während er ohne Handgebrauch sein iPhone bedient. Siri sollte dazu genaue Navigations-Anweisungen geben.

Laut Forstall, der bei Apple für die Entwicklung von iOS zuständig ist, könnte Siri innerhalb von 12 Monaten in bestimmten Fahrzeugen von Audi, BMW, Chrysler, General Motors, Honda, Jaguar, Land Rover, Mercedes und Toyota integriert sein. Die meisten Hersteller halten Forstalls Prognose unterdessen für ein wenig zu optimistisch, wie FastCompany berichtet. futurezone fragte nach, wie es mit der Siri-Integration bei einigen der genannten Marken vorangeht.

Audi zeigt sich beispielsweise, wie andere Hersteller auch, bedeckt. Gemeinsam mit Apple arbeite man daran, Siri mittelfristig als Add-On zu bereits bestehenden Multimedia-Funktionen im Auto anzubieten. Intelligente Spracherkennung zählt bei Audi bereits zum bestehenden Funktionsumfang. Siri soll diese Lösung ergänzen. Einen genaueren Zeitpunkt dafür nennt Audi nicht.

"Apple muss mehr Entwicklungsarbeit leisten"

Auch bei BMW macht man keine Angaben zum Siri-Start. "BMW ist einer der Partner", stellt Melina Aulinger von BMW fest. "Apple muss aber erst mehr Entwicklungsarbeit leisten" bis konkrete Lösungen für Siri seitens der Bayern vorgestellt werden. Bei BMW strebe man die Integration von mobilen Endgeräten in das Fahrzeug aber schon länger an. Seit dem Vorjahr gibt es auch eine eigene iPhone-Sonderausstattung.

Mit Kabel-Anschluss oder Snap-In-Adapter verbindet man bei dieser 150 Euro teuren Lösung das Smartphone mit dem Bordcomputer. Die App "BMW Connected" erlaubt sodann den Zugriff auf verschiedene Anwendungen, die für die Nutzung während der Fahrt konzipiert sind. Im Urlaub lassen sich etwa Lieblingsradiosender per Webcast hören, Facebook- oder Twitter-Nachrichten werden nur anhand formulierter Vorlagen verschickt. Mit Wikilocal sollen Infos über "Points of Interest" an der Strecke geladen werden.

Die Einführung eines eigenen Lenkrad-Knopfes, mit dem Siri aufgerufen werden kann, ist für Aulinger eine denkbare Option. Unterdessen wolle man BMW Connected auf Android-Geräte ausweiten.

Smartphone als künftiges Multimedia-Herz im Auto

Jaguar und Land Rover bestätigen die Zusammenarbeit mit Apple, um Siri ins Fahrzeug zu integrieren. Eine "Hands Free"-Steuerung von Multimediainhalten sei ein logischer Schritt, erhöhe es doch die Verkehrssicherheit. Bei den britischen Luxusmarken konnte man Funktionen wie die Klimaanlage, Radio und Telefon bereits bisher mit Sprachsteuerung bedienen. Die Technik dafür war bisher fix in das Fahrzeug integriert. In Zukunft will man dem schnelleren Fortschreiten der Mobil-Technologie Rechnung tragen und die Steuerung dem Smartphone überlassen.

Mobilgeräten müssen dazu zusätzliche Befehle, wie etwa zur Steuerung der Auto-Klimaanlage, beigebracht werden. Das Auto selbst wird bei Musik, Telefon, TV oder Video also nur noch "Ausgabegerät" sein. Jaguar und Land Rover sehen das als richtigen Schritt, da die Fahrzeugelektronik mit ihren vergleichsweise langen Produktzyklen nie mit der neuesten Kommunikations-Technologie oder Unterhaltungselektronik mithalten kann. Das iPhone samt Siri soll zukünftig in alle Fahrzeugmodelle von Jaguar und Land Rover integriert werden können. Wann es soweit ist und welche Form die Integration konkret annehmen soll, wollen die Marken noch nicht preisgeben.

Neue A-Klasse integriert Siri ab September

Mercedes scheint derzeit der einzige Autohersteller zu sein, der einen konkreten Zeitpunkt für die Integration von Siri vorlegen will. Das iPhone und sein persönlicher Assistent sollen zunächst in der neuen A-Klasse, die im September auf den Markt kommt, Platz finden. Mercedes hat dazu eine eigene App namens "Digital DriveStyle" entwickelt und bietet einen "Drive Kit Plus für das Apple iPhone" an. Das Smartphone wird dabei an eine Schnittstelle angeschlossen. Seine Inhalte werden über das Fahrzeug-Display mit eigener Darstellung ausgespielt.

Mit der Digital DriveStyle App wird das iPhone mit zusätzlichen Diensten ausgestattet, etwa Garmin-Navigation mit Echtzeit-Verkehrsinformationen, einer Vorlese-Funktion für Social Networks oder einem Carfinder. Siri wird ebenfalls über die Digital DriveStyle App aufgerufen. Mit dem digitalen Assistenten kann man im Mercedes den privaten Kalender managen, Musik aus der eigenen Sammlung abrufen, SMS diktieren oder E-Mails versenden.

Sich die Route von Siri ansagen lassen steht noch nicht am Programm - "zu einem späteren Zeitpunkt" soll Siri die von Apple angekündigte Aufgabe aber tatsächlich übernehmen können. Von einem eigenen Siri-Knopf am Lenkrad ist bei Mercedes aber nicht die Rede. App und Drive Kit Plus werden nach der A-Klasse ab Herbst auch für die B-, C- und E-Klasse eingeplant. An einer Lösung für Android-Smartphones wird bei Mercedes ebenfalls gearbeitet. Ein Markteinführungstermin kann noch nicht genannt werden.

Konkrete Angaben zu den Plänen der Siri-Integration im Auto gibt es also selten. Wie FastCompany feststellt, liefert auch der digitale Assistent eher unbrauchbare Informationen dazu. "Siri, bist du die Zukunft des Automobils?" - "Kein Kommentar."

Von 22. bis 26. Oktober findet in Wien der ITS Weltkongress statt, bei dem über 300 Unternehmen aus 65 Ländern ihre neuesten Entwicklungen im Bereich Verkehrstechnik und Telematik präsentieren. Neben internationalem Fachpublikum soll die Veranstaltung auch Privatpersonen die Möglichkeit bieten, die Technik auf den Straßen von morgen zu begutachten. Eine eigene Navigator-App macht die Messe zur Rätselrallye.