Science
11.01.2018

Smart-City-Projekt in Aspern wird bis 2023 verlängert

Das Energieforschungsprojekt in der „Seestadt Aspern“ wird fortgesetzt. Eigentlich war es auf fünf Jahre angelegt, aber jetzt wurde eine Verlängerung bis 2023 beschlossen.

Gestartet wurde das zunächst für fünf Jahre angelegte Projekt Aspern-Smart-City-Research (ASCR) 2013. Die Eigentümer - Siemens, Wien Energie, Wiener Netze und Stadt Wien - haben eine Verlängerung der Forschungskooperation bis 2023 beschlossen. Sie stellen dafür weitere 45 Millionen Euro zur Verfügung.

Wien ist eine stark wachsende Stadt, daher müssen wir schon heute an nachhaltigen Konzepten für die Energieversorgung von morgen arbeiten“ so Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke, am Donnerstag. Die Beteiligung der Wiener Stadtwerke an der ASCR sei eine Investition in die Energiezukunft, die Versorgungssicherheit und Lebensqualität für alle Wienerinnen und Wiener garantieren müsse. „Ich erwarte mir von dieser Forschungskooperation natürlich, dass letztlich marktreife Produkte entstehen.“

Die Forschung in Seestadt in Bildern

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2016 wurde die ASCR wurde als bestes Smart Project der Welt ausgezeichnet. Die ASCR konnte sich beim Smart City Expo World Congress in Barcelona gegen mehr als 250 Projekte aus 45 Ländern durchsetzen und gewann einen der drei World Smart City Awards.  

ASCR geht in die Verlängerung. v.l.n.r.: Michael Strebl, Geschäftsführer Wien Energie, Peter Weinelt, Generaldirektor-Stellvertreter Wiener Stadtwerke, Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke, Wolfgang Hesoun, Siemens Österreich-Generaldirektor und Thomas Maderbacher, Geschäftsführer Wiener Netze.

Der Campus Seestadt, Wiens größter Bildungscampus, ist dank der technischen Infrastruktur der ASCR ein wärmeautarkes Gebäude. Die Energieerzeugung erfolgt durch Solarthermie- und Photovoltaikanlagen sowie Wärmepumpen. Eine Besonderheit dieses Gebäudes ist, dass der Abluft, die durch Menschen und technische Geräte erwärmt wurde, Wärme entzogen wird. Die Wärmerückgewinnung im Bildungscampus spart 195 MWh/Jahr, das entspricht einer finanziellen Einsparung von ca. 10.000 Euro pro Jahr.  

Wesentlich für das Projekt ist auch die Interaktion mit den Bewohnerinnen und Bewohnern der Seestadt. 111 Haushalte haben sich entschieden, aktiv am Forschungsprojekt teilzunehmen. Sie haben die Möglichkeit, mit einer eigens entwickelten Smart Home Control App ihren Energieverbrauch zu beobachten und aktiv zu steuern. Die Energieerzeugung in der Wohnhausanlage erfolgt durch Solarthermie-, Photovoltaik- und Hybridanlagen (Mischung von Photovoltaik- und Solarthermieanlagen) sowie Wärmepumpen. Der smarte Wohnbau spart im Vergleich zu einer Gaskessel-Heizanlage mehr als 71 % oder knapp 240 t CO2-Emissionen pro Jahr ein.  

Im Studierendenheim GreenHouse hat die ASCR ein intelligentes Gebäude-Energie-Managementsystem (BEMS) implementiert. Es steuert die Energieversorgung des Gebäudes aktiv und übernimmt die Optimierung des Energieverbrauchs. Außerdem kommuniziert das Gebäude bereits mit dem elektrischen Netz, wodurch wertvolle Informationen, wie der prognostizierte Stromverbrauch, ausgetauscht werden.  

Die Photovoltaikanlage mit 738 Hochleistungsmodulen befindet sich am Dach des Öko-Studierendenheims. Sie deckt bei voller Sonneneinstrahlung den gesamten elektrischen Bedarf des Heims. Erzeugt die Photovoltaikanlage mehr Strom als im Gebäude verbraucht wird, kommt der Batteriespeicher zum Tragen. Dieser befindet sich im Untergeschoß des Gebäudes.  

Echtzeitdaten der Nutzer

Die ASCR forscht mit Echtdaten - Stromnetz, Gebäude, Wetterdaten und Energiedaten der User - für die Energiezukunft im urbanen Raum. Leitgedanken sind dabei die Optimierung von Erzeugung, Speicherung und Verbrauch von Energie und damit die Reduktion des CO2-Ausstoßes. Durch den integrativen Ansatz werden nicht Einzelelemente, sondern die komplexen Zusammenhänge des Energiesystem erforscht - das Netz (Smart Grid), die Gebäude (Smart Building), die Informations- und Kommunikationstechnologie (Smart ITC) und die Nutzer (Smart User).

Derzeit wird anhand von drei Gebäuden - ein Wohnhaus, ein Studentenheim und ein Bildungscampus (Kindergarten und Volksschule) - untersucht, wie eine „ Smart City“ funktionieren könnte. Die Kunden werden in die Entwicklungsarbeit eingebunden. So können beispielsweise 111 an einem Forschungsprogramm teilnehmende Haushalte über eine App ihren Strom-, Wärme- und Wasserverbrauch steuern. Für die erste Phase stand ein Budget von 38,5 Mio. Euro zur Verfügung.

Fokus auf Energiesystem

Die Vorbereitungen für die zweite Phase ASCR 2.0 seien nun im vollen Gang, heißt es in der Pressemitteilung. Es werden neue Gebäude gesucht und neue Forschungsfragen definiert. Neben der Vertiefung der Forschung im Bereich Smart Buildings und Smart Grids werde die Digitalisierung des gesamten Energiesystems noch stärker in den Fokus rücken. Eingebunden wird künftig auch die E-Mobilität. Arbeiten will man auch an neuen datenbasierten Energiemarktmodellen.

Siemens Österreich sei es immer gelungen, wesentliche Kompetenzen und Leuchtturmprojekte anzusiedeln, so Siemens-Chef Wolfgang Hesoun. Möglich sei dies nur aufgrund der engen Zusammenarbeit mit der Stadt Wien und dem Interesse, intensiv in Forschung und Entwicklung zu investieren. Gemeinsam sei es gelungen, Daten und Messwerte zu analysieren und so erste Erkenntnisse zu gewinnen, die bereits in konkrete Projekte eingeflossen seien.

Testen neuer Angebote

Für die Wien Energie biete die ASCR die Möglichkeit, neue Angebote für die Kunden zu testen, so Unternehmenschef Michael Strebl. Man gewinne so wichtige Erkenntnisse für die Zukunft. Für die Wien Energie ist ASCR ein wichtiger Teil ihrer Innovations- und Digitalisierungsoffensive, die in den nächsten Jahren insgesamt 120 Mio. Euro umfasst. Wiener-Netze-Geschäftsführer Thomas Maderbacher verwies darauf, dass im Netzbereich immer die Versorgungssicherheit im Zentrum stehe und dezentrale Erzeugung das Stromnetz vor große Herausforderungen stelle.

Getragen wird die Forschungsgesellschaft ASCR von Siemens Österreich (44,1 Prozent), den Wiener Stadtwerke-Töchtern Wien Energie GmbH (29,95 Prozent) und Wiener Netze GmbH (20 Prozent) sowie der Stadt Wien (Wirtschaftsagentur Wien 4,66 Prozent, Wien 3420 Holding GmbH 1,29 Prozent). Mehr als 100 Personen aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen sind an dem Forschungsvorhaben direkt beteiligt.