Science
02.11.2015

Smart-Grid-Test in Salzburger Dorf wird ausgeweitet

Die Salzburger Gemeinde Köstendorf wird in den nächsten Jahren zur Drehscheibe, was neue Modelle rund um Smart Grids betrifft. Das Pilotprojekt wird ausgebaut.

In Österreichs erster "Smart Grids Modellgemeinde" wird seit einigen Jahren erprobt, wie Elektroautos und Waschmaschinen den eingespeisten Strom von Photovoltaik-Anlagen nutzen können und wie eine intelligente, regelbare Trafo-Station im Ortskern den produzierten Strom an diejenigen verteilt, die ihn gerade brauchen. Nun will die Salzburg AG in der Modellgemeinde, die nur 25 Kilometer von Salzburg entfernt liegt, einen Schritt weiter gehen: Der mit Sonnenenergie produzierte Strom soll künftig auch gespeichert werden können.

Speicherproblem

Die Speicherung von erneuerbarer Energie ist aber nur sehr schwer möglich. „Batterien sind teuer und aufwendig und man stößt schnell an die physikalischen Grenzen“, sagt Michael Strebl, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH. Deshalb soll die durch Sonne erzeugte Energie in Köstendorf nicht nur in Form von Strom, sondern auch in Form von Gas und Wärme gespeichert werden.

Mit Wärmepumpen könne man dann beispielsweise auch die Photovoltaik-Anlagen betreiben, erklärt Strobl. Wissenschaftlich begleitet werden Gemeinde und die Salzburg AG dabei vom AIT. „Für uns ist Köstendorf ein guter Testcase, um daraus erste Erfahrungen unserer Simulationsmodelle abzuleiten“, erklärt Wolfgang Hribernik vom AIT.

Flexible Tarife

Zusätzlich zu den neuen Formen des Speicherns, die in der Gemeinde erprobt werden, will sich die Salzburg AG auch Use-Cases für neue Tarife überlegen. „In Maryland in den USA kann der Netzbetreiber beispielsweise auf die Klimaanlagen seiner Kunden zugreifen und diese bei hohen Lastspitzen abschalten. Der Kunde bekommt dafür einen Bonus“, sagt Strebl. Derzeit sei ein Szenario wie dieses aber in Österreich nicht möglich, so Strebl. Man sei dazu mit dem Regulator „im engen Kontakt“ und es laufen Gespräche zur Anpassung der diversen regulatorischen Rahmenbedingungen und Flexibilisierung der Tarife.

Was die Flexibilisierung der Tarife betrifft, gibt es EU-weit unter den Regulatoren derzeit laut Michael Hübner vom Bundesministerium für Verkehr und Innovation (bmvit) noch zahlreiche Diskussionen. „Es werden vor allem Verschlechterungen für Kunden befürchtet“, so Hübner. Laut Hübner, der in diversen EU-weiten Gremien wie dem Internationalen Smart Grid Action Network (ISGAN) sitzt, ist das Modellprojekt in Köstendorf international ein Vorzeigeprojekt. „Es ist eines der ersten Projekte, das nicht nur in Theorie plant, sondern Smart Grids wirklich umsetzt.“

Daten-Hub als Ziel

Neben neuen Tarifen und Modellen zur Speicherung hat die Salzburg AG allerdings in Köstendorf einen noch etwas vor: Sie will zum digitalen Plattform-Provider, also zum Daten-Hub, auch abseits des Strombereichs werden. Über diesen Kanal will die Salzburg AG auch neue Dienstleistungen anbieten und Kunden, wenn sie es wünschen, zusätzliche Informationen bereitstellen. „Wir planen, eine offene Plattform zu schaffen, die wir auch Dritten zur Verfügung stellen werden“, sagt Strebl.

Den Datenplattform soll dann einerseits dazu verwendet werden, Kunden zu informieren, wenn etwa der Strom ausfällt, andererseits sollen Diensteanbieter wie Carsharing-Unternehmen Kunden Angebote unterbreiten können. Der Vorteil für Kunden wäre, dass sie sich nicht mehr über mehrere Plattformen im Netz anmelden müssten.

Gesammelte Daten

„Wir stellen die Straße zur Verfügung, die andere nutzen können. Hotelbetreiber könnten Kunden etwa darüber informieren, dass ihr Restaurant am Abend geschlossen ist, weil es keinen Strom gibt“, so Strebl. Auf die Frage, ob die Salzburg AG denn in Zukunft mit mehr Stromausfällen rechnet, gibt es ein mildes Lächeln. "Selbstverständlich nicht."

Wofür die in einem "Daten-Hub" gesammelten Daten dann am Ende tatsächlich verwendet werden sollen, ist also noch etwas unklar. In Köstendorf soll die Daten-Plattform in rund einem Jahr mit Grundfunktionen realisiert werden, ganz fertig werden soll sie in drei Jahren. Bis dahin werden die Geschäftsmodelle für die Datensammlung schon klarer sein.