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Science
05/15/2020

Warum der magnetische Nordpol nach Russland wandert

Forscher haben herausgefunden, was hinter der Bewegung des Nordpols steckt - die zuletzt immer schneller wurde.

Der magnetische Nordpol wandert - und das gar nicht mal so langsam. 60 Kilometer pro Jahr bedeuten, dass sich die exakte Position des Pols jede Stunde um 6,8 Meter verschiebt. Während der Pol jahrzehntelang über der Inselwelt im Norden Kanadas umherstreifte, bewegt er sich nun zielstrebig Richtung Russland. Die Geschwindigkeit der Bewegung hat seit den 90er-Jahren stark zugenommen. Welche physikalischen Prozesse hinter der Positionsverschiebung stehen, war bisher wenig bekannt. Nun bringt eine neue internationale Studie Licht in die Angelegenheit.

Zwischen Kern und Mantel

Wie Science Alert berichtet, haben Forscher der Universität von Leeds (UK) und der technischen Universität von Dänemark Daten analysiert, die 20 Jahre lang von Satelliten gesammelt wurden. In ihrer Studie zeigen sie, dass zwei große, keulenförmige, negativ geladene Magnetflussbereiche, die tief unter der Erdoberfläche im Widerstreit stehen, die Bewegung verursachen. Die Bereiche liegen genau unterhalb von Kanada und Sibirien in Russland, an der Grenze zwischen dem festen Erdkern und dem flüssigen Erdmantel.

Kanadischer Bereich schwächelt

Lange Zeit war der Magnetflussbereich unter Kanada der stärkere. Mit der Zeit verändern die Bereiche aber ihre Form. Der kanadische wurde länger, wodurch seine Feldstärke abnahm, während der sibirische an Feldstärke gewann. "Historisch gesehen hat der kanadische Bereich den Kampf dominiert, weshalb der Nordpol auch in Kanada lag", sagt Studienautor Philip Livermore.

Willkommen in Sibirien

Wie Aufzeichnungen, zurückgehend bis ins Jahr 1831, sowie geologische Hinweise verraten, taumelte der Nordpol früher wild über Inseln und Meer im Norden Kanadas. Seit den 1970er-Jahren hat sich sein Fokus scheinbar verschärft und er marschiert seither in einer relativ geraden Linie Richtung Russland. Die größte Annäherung an den geografischen Nordpol erlebte der magnetische Nordpol im Jahr 2017. Der Abstand betrug dabei 390 Kilometer. Seitdem entfernen sich die Pole wieder voneinander.

Laut Prognose der Forscher soll der Pol in 10 Jahren 390 bis 660 Kilometer weiter gewandert sein. Er wird sich dann nahe der Grenze zur ostsibirischen See befinden.