Science
12.10.2018

Was der Absturz der Sojus-Rakete für die Raumfahrt bedeutet

Nach dem Unfall der Sojus-Rakete ist die bemannte Raumfahrt komplett lahmgelegt, was auch die Zukunft der ISS in Frage stellt.

Eigentlich ist die Sojus-Rakete samt ihrer bemannten Kapsel ein bewährtes Arbeitstier des russischen Raumfahrtprogramms. Seit vielen Jahren bringt sie Raumfahrer sowie Versorgung zur internationalen Raumstation. Nun ist offen, wie es mit dem Sojus-Programm weitergeht.

Vorerst sind sämtliche bemannten Flüge ausgesetzt. Erst wenn die Ursache des Fehlers restlos geklärt sei, könne man über eine Weiterführung der bemannten Sojus-Flüge nachdenken, heißt es von der russischen Raumfahrtbehörde Roskosmos. Auch ein vorübergehender Stopp der unbemannten Sojus-Versorgungsflüge steht im Raum. Das bedeutet auch, dass derzeit auch die Zukunft der Internationalen Raumstation ISS völlig unklar ist.

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Komplizierter Crew-Wechsel

Aktuell befindet sich auf der ISS drei Raumfahrer unter dem Kommando des deutschen Astronauten Alexander Gerst. Über eine mögliche Verlängerung von Gersts Aufenthalt wegen des Unfalls sei noch nicht entschieden, sagte Europas Raumfahrtchef Jan Wörner. Falls er wegen der Panne länger im All bleiben müsse, wäre dafür alles vorhanden, sagte Wörner.

Allerdings drängt die Zeit. Denn die Sojus-Kapsel, die derzeit an der ISS angedockt ist und mit der die ISS-Besatzung zurück zur Erde fliegen wird, befindet sich seit dem 6. Juni im All. Ganz nebenbei wurde an dieser Raumkapsel ein kleines Bohrloch entdeckt, welches zwar geschlossen werden konnte, doch die Ursache bleibt weiterhin ungeklärt. Ausgelegt sind die Sojus-Kapseln für eine maximale Aufenthaltsdauer im All von 200 Tagen. Demnach müsste die Crew um Gerst spätestens Ende Dezember die Rückreise antreten.

Zukunft der ISS

Sollte bis dahin das bemannte Sojus-Programm nicht wieder aufgenommen sein, könnte das bedeuten, dass die ISS ab kommenden Jahr unbesetzt ist - das erste Mal seit dem Jahr 2000. Zwar könne der Betrieb der ISS auch vom Boden aus gesteuert werden, laut der NASA gibt es aber kein offizielles Protokoll, wie lange die ISS unbesetzt sein kann. Dazu kommt, dass bis zur geplanten Rückkehr der derzeitigen ISS-Besatzung keine Raketenstarts in Richtung Raumstation geplant sind beziehungsweise sich in Vorbereitung befinden.

Auch eine alternative Transportmöglichkeit ist derzeit nicht in Sicht. SpaceX kündigte erst vor einigen Tagen an, dass im Juni 2019 erstmals mit der "Crew Dragon"-Kapsel Raumfahrer zur ISS gebracht werden sollen. Ob der Termin halten wird, ist zu bezweifeln. Bereits in der Vergangenheit wurden derartige Termine mehrfach verschoben.

Russische Raumfahrt in der Krise

Auch wenn der Roskosmos-Chef auf Twitter bereits angekündigt hat, dass die beiden Raumfahrer, die das Unglück überlebt haben, im Frühjahr erneut zur ISS fliegen sollen, befindet sich die russische Raumfahrt in einer tiefen Krise. Der russische Präsident Wladimir Putin hat von 2014 bis heute drei Generaldirektoren der Weltraumorganisation Roskosmos ausgetauscht, um die Situation in den Griff zu bekommen. Aber die Probleme scheinen sich zu verschlimmern.