© Getty Images/iStockphoto/Vladimir Borovic/iStockphoto/futurezone

Science
05/25/2020

Wie Corona die Forschung in Österreich prägt

Die neuartige Infektionskrankheit hat in der Wissenschaft zu einem Motivations- und Innovationsschub geführt.

von Andreea Iosa

Die Forschungsarbeit zu älteren, uns gut bekannten Viren wie Hepatitis oder Herpes liegt großteils vorerst auf Eis. Denn in diesem Jahr hat sich SARS-CoV-2 vorgedrängt. Weltweit rückt das neue Coronavirus in den Fokus der Wissenschaft. Und auch jenem der Gesellschaft. So interessieren sich mehr Österreicher in der aktuellen Krise nachweislich für Forschung – das Gros spricht sich generell für mehr Forschungsaktivitäten in Österreich aus, wie eine aktuelle Gallup-Studie belegt hat. Die Menschen hoffen auf schnelle Lösungen und auf ein Heilmittel.

Unternehmen motiviert

Diese neue Offenheit kann Klaus Pseiner, Geschäftsführer der Österreichischen Förderungsgesellschaft (FFG) bestätigen: „Durch Corona haben sich die öffentliche Wahrnehmung und die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung geändert. Wir sehen dadurch auch, wie wichtig faktenbasierte Entscheidungen sind. Die Menschen haben längst erkannt, dass Forschungsergebnisse dazu beitragen, gesellschaftliche Herausforderungen zu lösen und Innovationen die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs stärken“, sagt er. Das zeigt sich auch im aktuellen Jahresbericht der FFG.

Laut FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth habe das Coronavirus aber vor allem deutlich gemacht, dass Forschung und Entwicklung die wichtigste Zukunftsvorsorge ist – „sowohl in wirtschaftlicher wie auch in gesellschaftlicher Hinsicht.“ Viele Forscher haben in der Corona-Krise laut Egerth Initiative gezeigt und arbeiten rege an Diagnostika, Medikamenten, Therapien und Schutzimpfungen. Daneben gebe es zahlreiche weitere Projekte und Entwicklungen wie Pandemie-Prognosemodelle, Werkstofftechnologien und Lösungen in der Medizintechnik.

Doch  auch heimische Unternehmen befinden sich im Wandel: Laut Klaus Pseiner setzen immer mehr auf Forschung und Entwicklung. „Die Nachfrage an Förderungen ist ungebrochen hoch und steigt sogar weiter“. Im  FFG-Basisprogramm sei im Vergleich zum Vorjahr sogar ein Plus an Projektanträgen von 20 Prozent zu verzeichnen. Bei der Bekämpfung der Corona-Erkrankung und ihrer Auswirkungen seien die Betriebe höchst engagiert. Ihr Fokus: Die Produktion von Schutzmasken und -kleidung sowie Desinfektionsmitteln.

Motivationsschub

„Das Auftreten des Coronavirus hat in der Forschung zweifellos zu einem Motivations- und Innovationsschub geführt und auch viele neue Kooperationen und kreative Ideen ausgelöst“, so Klaus Pseiner. Es habe aber auch gezeigt, wie wichtig eine gute Zusammenarbeit von Wirtschaft, Instituten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und der öffentlichen Hand ist. 

Die FFG hat als Sofortmaßnahme im Auftrag ihrer Eigentümer-Ressorts eine spezielle Ausschreibung, den „Corona Emergency Call“, mit einem Gesamtvolumen von 26 Millionen Euro gestartet. Ende April wurden die ersten Förderungen an 24 Projekte vergeben. „Wir haben darüber hinaus ein ganzes Maßnahmenpaket geschnürt, um die innovativen Unternehmen mit unserem Förderangebot noch besser unterstützen zu können“, so Egerth

Megatrend

Und während die österreichische Forschung auf Hochtouren läuft, ist einer der größten Zukunftstrends jetzt schon klar erkennbar: die Digitalisierung. Laut Henrietta Egerth eröffne sie neue Chancen für innovative Unternehmen, verändere aber auch die Möglichkeiten von Forschung selbst, etwa im Umgang mit riesigen Datenmengen in der Medizin. „Auch in diesem Feld erwarten wir uns viele Fortschritte, von einer verbesserten Diagnostik über neue Therapieansätze bis hin zur Medizintechnik und Rehabilitation“, so die Expertin.

Die Coronazeit sei jedenfalls  ein Proof-of-Concept – also  ein Indikator für die Umsetzbarkeit einer Idee – „von Distance-Learning über Home-Office, oder allen Varianten von digitalen und virtuellen Meetings bis hin zu neuen Amts- oder Arztwegen. Stichwort: Online-Rezept“, sagt Egerth. Die Digitalisierung ermögliche neue Dienstleistungen, eine intelligente Produktion und neue Formen der Steuerung von Prozessen, Warenströmen und Geräten. Daneben erwartet sie viele Fortschritte  im Bereich neuer Werkstoffe, der Biotechnologie und der Mikroelektronik.

Und was ist mit dem Klimawandel?

Während die Welt noch mitten in der Klimakrise steckt, wird sie gleichzeitig vom neuen Coronavirus überrumpelt. Zu Recht widmen sich nun zahlreiche Bereiche des Lebens dem Virus. Dennoch bleibt die Klimakrise ein essenzielles Problem, zu dem  es weiterhin Lösungen zu erforschen gilt.

„Das Corona-Thema hat die öffentliche Kommunikation zuletzt stark dominiert. Aber die Entwicklungen der vergangenen Wochen haben auch den Blick auf die strategischen Herausforderungen geschärft“, sagt FFG-Geschäftsführerin Henrietta Egerth. Eine neue Sichtweise auf die  Schwerpunkte, die in der Innovations- und Standortpolitik künftig gesetzt werden müssen, die industrielle Produktion, die wir im Land haben wollen und die Bedeutung der Regionalisierung in der Versorgung, würde zu einer  Neupositionierung führen und seien in höchstem Maße klimarelevant.

Laut FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner habe Österreich grundsätzlich aber eine hervorragende Ausgangsposition mit vielen innovativen Unternehmen und hervorragenden Forschungs- und Hochschulinstituten. „Das reicht von der klassischen Umwelt- und Energietechnik im privaten und industriellen Bereich über alternative Werkstoffe in der Verpackungsindustrie bis hin zu Bautechnik, Städtebau und Kreislaufwirtschaft“, sagt er.  

e-Mobilität und Solar

Die wichtigsten Innovationen hierzulande gebe es im Bereich  der Wasserstofftechnologien, der e-Mobilität, im Recycling-Bereich oder jenem der Solarenergie.Generell lege das Institut für Höhere Studien (IHS) laut Pseiner ausdrücklich an, sich bei bestehenden FTI-Förderungen (Forschung, Technologieentwicklung und Innovation) stärker in Richtung -neutraler und neuer Technologien zu fokussieren.

Diese Serie erscheint in redaktioneller Unabhängigkeit mit finanzieller Unterstützung der Forschungsförderungsgesellschaft  (FFG).

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.