FILE PHOTO: A smartphone displays a Klarna logo on top of banknotes is in this illustration

© REUTERS / Dado Ruvic

Start-ups
08/18/2020

"Auf Null kommen wird das Bargeld nie"

Cheng-Chieh Chen, Österreich-Chef des Zahlungsanbieters Klarna, über die Auswirkungen der Corona-Krise, bargeldloses Zahlen und den Rapper Snoop Dogg.

von Patrick Dax

Mit 80 Millionen Kunden weltweit und einer Marktbewertung von fünf Milliarden Euro zählt der 2005 in Schweden gegründete Zahlungsanbieter Klarna zu den wertvollsten Finanz-Start-ups Europas. Mittlerweile bietet das Fintech auch Spareinlagen, Kreditkarten und bald auch Girokonten an und will auch ein eigenes Online-Shopping-Ökosystem schaffen. "Wir sind ein Mischmasch und versuchen, uns von überall das Beste zu holen", sagt der Österreich-Chef des Unternehmens, Cheng-Chieh Chen. Mit der futurezone hat er über die Folgen der Corona-Pandemie gesprochen.

futurezone: Der Online-Handel hat während der Corona-Krise einen Schub erfahren. Sie sind Krisengewinner?
Cheng-Chieh Chen:
Grundsätzlich hat sich unser Geschäft in den vergangenen Monaten sehr gut entwickelt, aber unser Erfolg ist natürlich auch immer von der Entwicklung unserer Händler abhängig. Es gibt auch im E-Commerce Branchen, die es stark getroffen hat, etwa der Ticketverkauf und der Tourismus.

In welchen Bereichen gab es starke Zuwächse?
Im Einzelhandel hat es 30 bis 40 Prozent Wachstum gegeben. Aber auch der Lebensmittelhandel und Lieferdienste haben extrem viele Transaktionen verzeichnet. Die Leute haben viel mehr Essen bestellt. Zuwächse gab es auch bei Geldtransfer-Unternehmen.

Was wird davon bleiben?
Die Kurve flacht wieder ab. Die Zahlen sind aber höher als vor der Pandemie. Essenslieferdienste gehen allerdings immer noch durch die Decke.  

Haben Sie auch neue Kundenschichten angesprochen?
Definitiv. Gerade auch unter der  Generation der über 60-Jährigen. Sie haben gemerkt, dass es viele Vorteile mit sich bringt online einzukaufen.

Auch die Akzeptanz bargeldloser Zahlungen ist mit Corona gestiegen. In Schweden wird bereits der Abschied vom Bargeld eingeläutet. Wann wird es hierzulande so weit sein?
Schweden ist 5 bis 10 Jahre voraus. Dort gibt es eine andere Kultur und eine andere Denkweise, was die Bezahlung angeht. Aufgrund von Corona hat sich das aber auch hierzulande verändert. Auf Null kommen wird das Bargeld vermutlich nie, aber die Gesellschaft wird bargeldloser.

Klarna spricht vor allem jugendliche Zielgruppen an. Die sind von den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie am stärksten betroffen. Schlägt das auf den Konsum durch?
Bis dato nicht. Derzeit sehen wir noch keinen Rückgang. Die Frage ist, wie sich die Situation grundsätzlich entwickelt und ob die Konsumenten auch in Zukunft weiterhin so zahlungskräftig sind.

Sie bieten Ratenzahlungen und Zahlungsaufschübe, kann das für Ihre Kunden nicht zur Schuldenfalle werden?
Uns ist es sehr wichtig, dass die Leute ihr Geld verantwortungsbewusst ausgeben. Deswegen führen wir sehr strenge Prüfungen durch, um das Risiko für den Kunden und für uns abzuschätzen. Das heißt auch, dass nicht alle unseren Service nutzen können. Wir sind an einer langfristigen, positiven Beziehung mit unseren Kunden interessiert.

Sie wollen auch das Einkaufserlebnis verstärkt mit gestalten und ein Shopping-Ökosystem schaffen. Was kann man sich darunter vorstellen?
Die Klarna App wird Nutzern künftig nicht nur ermöglichen die Übersicht über Einkaufsaktivitäten zu behalten und Zahlungen  zu tätigen und zu konfigurieren, sondern auch immer mehr Inspirationsquelle für Neues werden. Wir arbeiten derzeit intensiv an vielen neuen Features, wodurch Klarna immer mehr zu einem Shopping-Browser werden wird.

Muss man außerhalb tradierter Kategorien denken, um heute im Finanzgeschäft erfolgreich zu sein?
Um sich differenzieren zu können, muss man den Status quo konsequent hinterfragen und überlegen, wie man die Wertschöpfungskette verbessern und erweitern kann. Deswegen sehen wir uns auch viele Sachen an. Wenn es für den Kunden einen Mehrwert bringt, dann machen wir es. Wir werden aber vermutlich nicht alle Facetten des Bankgeschäfts abdecken.

In anderen Ländern bieten Sie bereits Kreditkarten, Spareinlagen und bald auch Girokonten an. Werden Sie das auch in Österreich machen?
Das wird früher oder später auch in Österreich kommen. Das sind klassische Möglichkeiten, um neue Kunden zu gewinnen. Ich kann aber noch keine Details nennen.

Treten Sie damit in Konkurrenz zu anderen Fintechs wie N26 oder Revolut?
Wir sind derzeit auf einer spannenden Reise von einem reinen Zahlungsanbieter hin zu einem globalen Shopping-Ökosystem, bauen entsprechende Produkte und haben dadurch eine ziemlich einzigartige Positionierung am Markt. Wir haben Respekt für das, was diverse Neobanken in den letzten Jahren erreicht haben, denn sie verfolgen letztendlich das gleiche Ziel wie wir: Prozesse für den Endverbraucher radikal zu vereinfachen.

Welche Entwicklungen erwarten Sie im Finanzgeschäft?
Ein paar traditionelle Banken wird es auch noch in 15 bis 20 Jahren geben, viele werden aber auch sterben. Am Ende werden diejenigen überleben, die gute, Mehrwert-stiftende, digitale Lösungen anbieten und auf die konkreten Bedürfnisse der Kunden eingehen. Aber ein großer Umbruch in der Finanzbranche und eine Konsolidierungsphase sind unausweichlich.

Und bei den Fintechs?
Auch hier erwarte ich an in einzelnen Bereichen Konsolidierungen, aber nicht so stark wie im alteingesessenen Bankgeschäft.

Sie zielen mit ihrer Werbung auf eine junge Zielgruppe ab. Der Rapper Snoop Dogg wirbt für Sie und hat sich auch an Klarna beteiligt.
Wir adressieren nicht nur Millennials oder Jüngere, sondern decken viele Altersgruppen ab. Snoop Dogg hat uns viel Aufmerksamkeit gebracht, vor allem im angelsächsischen Raum. Unsere Markenbekanntheit ist aber auch hier gestiegen. Snoop hat uns einen Schritt weitergebracht, auch in Österreich.

Welche Trends sehen Sie bei Finanzprodukten?
Der Trend geht klar weg von der Kreditkarte. Die junge Generation will Flexibilität und Ungebundenheit. Sie will keine monatlichen Fix-Zahlungen. In den USA und Großbritannien, wo das Zahlen per Rechnung nie ein Thema war, ist es jetzt eines. Die Jungen wollen, was Finanzen angeht, flexibel sein.

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