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Start-ups
09/22/2020

Software aus Linz erkennt menschliche Maße

Das Start-up AMB technology hat eine Lösung entwickelt, die Kleidergrößen mithilfe von Videoaufnahmen erfasst

von Patrick Dax

"Maschinen haben kein Auge für den menschlichen Körper. In sehr vielen Industrien können Produkte deshalb nicht digitalisiert werden", sagt Anna Maria Brunnhofer. Das von der Linzerin Strategieberaterin im vergangenen Jahr gegründete Start-up AMB technology hat eine Technologie entwickelt, die das ändern soll. Die auf maschinellem Sehen (Computer Vision) und Datenanalysen basierenden Lösung kann Körper anhand einfacher 2D-Bilder, die mit videofähigen Kameras aufgenommen wurden, millimetergenau vermessen und rekonstruieren.

Zum Einsatz kommen soll die Technologie zunächst in der Textilindustrie. Dabei arbeitet man an mehreren Kooperationen - unter anderem mit einem großen internationalen Sportmode-Hersteller, der seine globale Produktion effizienter gestalten will.

"Modegrößen basieren oft auf Annahmen"

Dem stehen oft je nach Region oder Kontinent unterschiedliche Modegrößen entgegen, die mit den tatsächlichen Körpermaßen der Kunden nicht mehr viel zu tun haben. Modegrößen würden oft auf Annahmen basieren, verlässliche Daten im großen Umfang gebe es kaum, viele seien auch veraltet, sagt Brunnhofer. "In Japan sind die den Größen zugrundeliegenden Daten 20 Jahre alt. Sie stimmen nicht mehr, weil sich die Körpergrößen verändert haben. Armlängen werden oft einfach nur kürzer gemacht."

Die Technologie des Linzer Start-ups soll dabei helfen, die tatsächlichen Kleidergrößen der Kunden zu erfassen. Über smarte Spiegel in den Geschäften oder mit Webcams oder Smartphone-Kameras im Online-Handel. "Unsere Software ist geräteunabhängig und läuft mit jeder Kamera", sagt Brunnhofer. Bei der Integration der TrueSize genannten Lösung in Geräte und Plattformen arbeitet das Start-up mit Partnern zusammen. "Wir glauben an Netzwerke."

Avatare

Auf Basis der Messdaten kann die Software aus Linz Menschen auch rekonstruieren und als physisch korrekte Avatare im digitalen Raum nachbilden. Herkömmliche Lösungen zur Erstellung solcher Avatare seien nicht sehr zufriedenstellend, meint Brunnhofer: "Man sieht aus wie eine Comicfigur. Menschen wollen aber in vielen Situationen das Gefühl haben, dass sie selbst repräsentiert werden."

Gemeinsam mit Unternehmen aus dem Kommunikations- und Telekombereich arbeitet das Start-up auch an solchen Lösungen. Das Bedürfnis, Erlebnisse ins Digitale zu übertragen, sei durch die Corona-Pandemie größer geworden, so die Gründerin.

Internationales Team

Mittlerweile zählt das in Linz ansässige internationale Team um Brunnhofer 15 Leute. Mit dabei sind auch erfolgreiche heimische Start-up-Veteranen. So hat etwa Bernd Guttmann (früher Finanzdirektor bei mysugr) die Funktion des Finanzchefs übernommen. Tobias Zucali (früher Lead Design und Development bei Usersnap) die des Design- und Technikchefs und Alfred Luger (Runtastic by Adidas) ist Mentor.

Finanziert wurde das Start-up zunächst aus Förderungen der Forschungsförderungsgesellschaft FFG und der Förderbank austria wirtschaftsservice (aws) sowie durch private Investoren. "Friends and Familiy", wie Brunnhofer erzählt.

Eine erste große Finanzierungsrunde soll demnächst abgeschlossen werden. Mit dem Geld soll das Team und Technologiepartnerschaften ausgebaut und der für das Jahresende anvisierte Marktstart vorangetrieben werden.

"Human Centric AI"

Die Technologie des Start-ups, die Brunnhofer als "Human Centric AI", also als auf den Menschen konzentrierte künstliche Intelligenz bezeichnet, beschränkt sich aber nicht nur auf den Mode- und Kommunikationsbereich. Sie soll etwa auch in der industriellen Produktion zum Einsatz kommen, um die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine sicherer zu gestalten.

Fertigungsroboter sollen mit Hilfe der Softwarelösungen des Start-ups etwa Menschen erkennen und ihre Arbeitsabläufe auf sie abstimmen können, ohne sie zu gefährden. "Wir wollen Prozesse, die um den Menschen herum stattfinden, sicher und effizient gestalten", sagt die Gründerin. Mit frühen Prototypen werde bereits experimentiert. Im nächsten Jahr soll die Arbeit daran intensiviert werden.

Durch die Corona-Pandemie seien zusätzliche Anforderungen für die Sicherheit in industriellen Fertigungsstätten dazugekommen, etwa Abstandsmessungen und das Erkennen von Masken. Brunnhofer: "Unsere Technologieplattform hat auch dafür Lösungen."

Dieser Artikel entstand im Rahmen einer Kooperation zwischen futurezone und austria wirtschaftsservice (aws).

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